Freitag

Programmübersicht

09:45 - 10:00 Begrüßung Thieme Gruppe

10:00 - 11:00 Episiotomie

11:00 - 12:00 Gewalt in der Geburtshilfe

12:00 - 13:30 Mittagspause und Besuch der Industrieausstellung

13:30 - 14:30 Prävention und Therapie der Frühgeburt

14:30 - 15:30 Hyperbilirubinämie

15:30 - 16:30 Kaffeepause und Besuch der Industrieausstellung

16:30 - 17:30 Naturheilkundliche Begleitung in der Schwangerschaft

17:30 - 18:30 Psychische Störungen in der Peripartalzeit
 

Hier können Sie das Programmheft online durchblättern und als PDF herunterladen.

 

Themenvorstellung

  • Episiotomie – Indikationen und informierte Entscheidung
    Peggy Seehafer
     
    Freitag, 16. Juli 2021: 10:00 Uhr - 11:00 Uhr
    Freitag, 26. November 2021: 10:00 Uhr - 11:00 Uhr

    Bei 16,8 % aller vaginalen Geburten wird in Deutschland eine Episiotomie angelegt. Diese Anzahl hat sich in den letzten zehn Jahren systematisch verringert, liegt aber noch deutlich über den von der WHO empfohlenen 10 %. Mehr als die Hälfte der Frauen hat keine Einwilligung für das Anlegen einer Episiotomie gegeben und erlebt diese als übergriffige Gewalterfahrung.

    Studien belegen die fehlende Präventionswirkung zur Vermeidung von Sphinkterrissen. Leitlinien empfehlen den restriktiven Einsatz auch bei instrumentellen Geburtsbeendigungen. Welche Indikationen bleiben, die eine solche instrumentelle Geburtsbeendigung rechtfertigen? Jede Frau das Recht nach der Geburt zu erfahren, welche Indikation hinter ihrer Episiotomie stand, um diese im Heilungsprozess bewältigen zu können. Wie können wir Frauen unterstützen, die Entscheidungshohheit über ihren Körper zu behalten?

  • Gewalt in der Geburtshilfe
    Julia Leinweber
     
    Freitag, 16. Juli 2021: 11:00 Uhr - 12:00 Uhr
    Freitag, 26. November 2021: 11:00 Uhr - 12:00 Uhr
     

    Die Geburt eines Kindes ist eine existenzielle Erfahrung, die Mütter ein Leben lang begleitet. Gebärende haben das Bedürfnis nach einer geburtshilflichen Betreuung, in der sie sich unterstützt, sicher und geborgen fühlen. In der vertraulichen Situation einer Geburt können Frauen Opfer von Handlungen sein, die respektlos oder gewalttätig sind oder so wahrgenommen werden können. Das Erleben von Respektlosigkeit und Gewalt in der Betreuung während der Geburt kann zu traumatischem Geburtserleben beitragen und die psychische Gesundheit von Frauen und Ihren Familien weit über den Zeitraum der Geburt hinaus beeinträchtigen. Gewalt und Trauma kann auch medizinische Fachkräfte emotional belasten. Respektvolle und empathische Betreuung muss im Zentrum geburtshilflichen Handelns stehen, um eine frauen- und familienzentrierte, menschenrechtsbasierte geburtshilfliche Versorgung sicherzustellen.

  • Prädiktion, Prävention und Management der Frühgeburt
    Prof. Dr. med. Richard Berger
     
    Freitag, 16. Juli 2021: 13:30 Uhr - 14:30 Uhr
    Freitag, 26. November 2021: 13:30 Uhr - 14:30 Uhr
     
    Die Frühgeburt ist definiert als eine Geburt vor abgeschlossenen 37 SSW. Ihre Inzidenz liegt in Deutschland seit 2008 stabil bei etwas über 8 %, die vor 32 SSW bei 1.28 % (IQTIG, 2017). Deutschland nimmt damit in Europa einen der hinteren Plätze ein.
     
    Die Frühgeburt trägt wesentlich zur perinatalen Morbidität und Mortalität bei. Letztere betrug in Deutschland im Jahr 2017 für Kinder < 28 SSW 33.43 %. Sie ist damit fast 300-mal so hoch wie die reifgeborener Kinder (0.13 %). Auch Kinder zwischen 28 und 31 SSW bzw. 32 und 36 SSW sind mit einer perinatalen Mortalität von 8.01 % und 1.62 % immer noch sehr gefährdet (IQTIG, 2017). Die überlebenden Kinder, insbesondere die extrem Frühgeborenen vor 28 SSW, sind zum Teil schwer beeinträchtigt durch zerebrale Schäden, respiratorische Störungen, Visus- und Hörverluste, die weitere Entwicklungsstörungen nach sich ziehen. Allein die unmittelbaren Kosten für die neonatologische Versorgung eines extrem frühgeborenen Kindes werden derzeit auf mindestens 100.000 Euro beziffert. Die Folgekosten, die aus einer möglicherweise lebenslangen Behinderung resultieren, übersteigen diesen Betrag allerdings um ein Vielfaches, ganz zu schweigen von der enormen psychosozialen Belastung, die auf den betroffenen Familien ruht. Die Frühgeburt ist einer der Hauptrisikofaktoren für disability-adjusted life years (verlorene Jahre aufgrund von Krankheit, Behinderung oder frühem Tod).

    Selektion und Prädiktion

    Möchte man den Auswirkungen einer Frühgeburt wirkungsvoll begegnen, gilt es deren Ursachen zu klären, Risikopatientinnen mittels Prädiktion zu selektieren und einer geeigneten Prävention zu zuführen. Durch die Identifikation von Risikofaktoren, die sonographische Messung der Zervixlänge und verschiedene biochemische Testverfahren können Hochrisikopatientinnen erkannt werden.

    Prävention

    Präventive Maßnahmen zur Senkung des Frühgeburtsrisikos sind primär, sekundär oder auch tertiär ausgerichtet. Je nach Befund ist die Applikation von Progesteron, die Anlage eines totalen Muttermundverschlusses und Zerklagebandes oder die Therapie mit einem Zerklagepessar indiziert. Patientinnen mit Zwillingsschwangerschaft haben ein ca. 6-fach höheres Risiko für eine Frühgeburt und sind gesondert zu betrachten. Neueste Erkenntnisse zeigen, daß Patientinnen mit verkürzter Zervixlänge nach behandelter Wehentätigkeit von der Einlage eines Zerklagepessars profitieren können.

    Bei sehr hohem Frühgeburtsrisiko wird vor 34 SSW die Lungenreife induziert. Hiermit kann die perinatale Morbidität signifikant gesenkt werden. Allerdings hält die Wirkung dieser Intervention nur 7 Tage an. Wie Statistiken zeigen, werden derzeit nur ein Viertel der Kinder in diesem Zeitintervall geboren. Die prädiktiven Teste für eine Frühgeburt müssen also dringend verbessert werden, um das Timing der Lungenreife zu optimieren.

    Unabhängig von der Frage, ob eine Frühgeburt auch eine psychosoziale Ursachendimension hat, sieht sich eine Familie bei stationär behandelter drohender Frühgeburt erheblichen psychosoziale Belastungen ausgesetzt. Neben der Sorge vor den schwer abschätzbaren gesundheitlichen Folgen einer Frühgeburt, werden auch die therapeutischen Maßnahmen mit Immobilisierung und Wehenhemmung stressvoll erlebt. Gerade auch bei großen Familien stellt die Hospitalisierung der Mutter das familiäre System unter großen organisatorischen Druck. Schwangere, die wegen vorzeitiger Wehentätigkeit stationär behandelt werden, sollten deshalb unbedingt eine professionelle psychologische Begleitung erhalten.

    Management

    Ist die Frühgeburt nicht mehr aufzuhalten, sollte das unreife kindliche Gehirn mit Magnesium geschützt werden. Aufgrund von Lageanomalien des Feten ist häufig eine Sectio caesarea indiziert. Auch spätes Abnabeln bei Geburt, das zu einer Steigerung des neonatalen Blutvolumens führt, hilft die Morbidität der Kinder zu verringern. Auf ein Ausstreichen der Nabelschnur sollte in jedem Falle verzichtet werden, da hierdurch die Hirnblutungsrate gerade bei sehr unreifen Kindern < 28 SSW gesteigert wird.

  • Hyperbilirubinämie

    Dr. med. Stephan Illing

     
    Freitag, 16. Juli 2021: 14:30 Uhr - 15:30 Uhr
     

    Im Rahmen der postpartalen Umstellung vom fetalen Kreislauf auf die Sauerstoffgewinnung über die Lungen werden fetale Erythrozyten massiv abgebaut. Eines der Abbauprodukte ist Bilirubin, das über die Leber weiterverarbeitet und zur Ausscheidung markiert (konjugiert) werden muss. Da dieser Vorgang nach der Geburt erst aktiviert werden muss, gibt es einen vorübergehenden Anstieg von unkonjugiertem Bilirubin. Dies äußert sich in der „Neugeborenen-Gelbsucht“, die also ein normaler Vorgang ist.

    Überschreitet das Bilirubin eine kritische Grenze, kann eine dauerhafte Schädigung des Zentralnervensystems auftreten. Die rechtzeitige Erkennung gefährdeter Neugeborener ist also sehr wichtig, um eine Therapie einzuleiten.

    Klinische Hinweise, Untersuchungsmethoden und Behandlungsoptionen werden besprochen. Besonders wichtig ist die gute Zusammenarbeit der Hebamme mit Kinderarzt/Kinderklinik und der Aufbau sicherer Strukturen, um folgenschwere Fehler zu vermeiden.

     

    Univ.-Prof. Dr. med. Almuthe Hauer
     
    Freitag, 26. November 2021: 14:30 Uhr - 15:30 Uhr 
     
    "Hyperbilirubinämie“ und Gelbsucht beim Neugeborenen – was man beachten sollte

    Die häufige, meist unproblematische Gelbsucht des Neugeborenen wird anhand eines erhöhten Wertes des Gallenfarbstoffs Bilirubin (Hyperbilirubinämie) quantifiziert. Wird eine Hyperbilirubinämie zu spät erkannt oder nicht rasch in „direkt“ und „indirekt“ (= jeweils unterschiedliche diagnostische und therapeutische Konsequenz) differenziert, können ernste Erkrankungen mit raschem Handlungsbedarf übersehen werden: V.a. in Hinblick auf den gefürchteten „Kernikterus“ mit neurologischen Langzeitfolgen wäre das fatal. Die für sofortige klinische Einschätzung wichtige Kenntnis relevanter Risikofaktoren, Untersuchungsbefunde und Testverfahren sind Themen des Vortrags: Zudem werden behandlungs- und nicht-behandlungsbedürftige Hyperbilirubinämie voneinander abgegrenzt, Therapiemöglichkeiten bei unkompliziertem Verlauf außerhalb des Krankenhaus-Settings erörtert und Empfehlungen mit „Tipps“ und „Tricks“ gegeben.

  • Naturheilkundliche Begleitung in der Schwangerschaft
    Margret Madejsky
     
    Freitag, 16. Juli 2021: 16:30 Uhr - 17:30 Uhr

    Viele Schwangere wünschen eine naturheilkundliche Begleitung in der Schwangerschaft, rund um die Geburt und in der Stillzeit. Es werden die wichtigsten Heilkräuter sowie bewährte Rezepte und Therapiekonzepte für die häufigsten gesundheitlichen Anliegen in dieser Phase vorgestellt.

     

    Heide Fischer
     
    Freitag, 26. November 2021: 16:30 Uhr - 17:30 Uhr

    Über Generationen hinweg wurden Beschwerden in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett vorwiegend mit Pflanzen therapiert. Doch seit es eine Vielzahl chemisch-synthetischer Medikamente gibt, droht das traditionelle Hebammenwissen verloren zu gehen. Um unnötige Risiken zu vermeiden, suchen jedoch viele Frauen wieder nach naturheilkundliche Alternativen. Gerade in der Geburtshilfe können Phytotherapeutika sowie andere Naturheilmittel unterstützend eingesetzt werden. In diesem Vortrag stellt die Referentin anhand der häufigsten Schwangerschaftsbeschwerden einzelne Pflanzen und deren Anwendung eingehend vor und gibt praktische Tipps und Rezepturen. Sie lernen Pflanzen kennen, die in einer Schwangerschaft kontraindiziert sind. Erfahrungsheilkundliches Wissen wird durch die Erkenntnisse der modernen Phytotherapie ergänzt und erweitert. Naturheilmittel aus Anthroposophie und Homöopathie ergänzen das behandlerische Repertoire.

  • Psychische Störungen in der Peripartalzeit - Das „Bonner Modell“ der Unterstützung
    Dr. med. Andrea Hocke
     
    Freitag, 16. Juli 2021: 17:30 Uhr - 18:30 Uhr
    Freitag, 26. November 2021: 17:30 Uhr - 18:30 Uhr
     
    Die meisten psychischen Störungen  beginnen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, also in einer Lebensphase, in der sich Frauen mit der Frage der Familienplanung auseinandersetzen. Oft ist eine Medikamenteneinnahme erforderlich, um die psychische Stabilität zu gewährleisten. Dies ist auch in den meisten Fällen  in der Schwangerschaft unter einer Nutzen-Risiko-Abwägung möglich. Frauen erfahren oft  große Unsicherheiten von  allen Seiten bezüglich der Therapie psychischer Störungen in der Schwangerschaft. Im Vortrag wird das „ Bonner Modell“ der Betreuung dieser Patientinnengruppe vorgestellt. Neben  der Begleitung und der Beratung bezüglich der Auswirkungen der psychischen Störung in der Peripartalzeit stehen  hier die Aufklärungen über zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten im Vordergrund.
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Kontakt

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