• Mutter mit Kind postpartum

     

Das frühe Wochenbett - Physiologie und Pathologie

Unmittelbar nach der Geburt passt sich der Körper an die veränderten physiologischen Abläufe an, u. a. durch Uterusrückbildung und Hormonumstellungen. Ein frühzeitiges Erkennen von Abweichungen durch die Hebamme ist dabei essenziell. Der Autor hat das Wichtigste zu postpartalem Fieber und hämatologischen Komplikationen zusammengefasst.

Als Puerperium wird der Zeitraum nach der Geburt bis zur Rückbildung der schwangerschaftsbedingten Veränderungen bei der Mutter bezeichnet. Die ersten 7 Tage werden auch als Frühwochenbett bezeichnet. Die Literatur definiert einheitlich den Beginn der Wochenbettperiode mit der Geburt der Plazenta. Allerdings wird die Länge unterschiedlich bewertet. Die meisten Publikationen gehen von einem Zeitraum von 6-8 Wochen aus, da sich in dieser Zeit die meisten körperlichen Funktionen wieder auf den Zustand vor der Schwangerschaft umstellen. Nicht berücksichtigt werden hierbei allerdings beispielsweise die Laktationszeit und die damit verbundenen körperlichen sowie psychischen Veränderungen, die häufig länger anhalten.

Unmittelbare postpartale Anpassungsvorgänge

Unmittelbar nach der Geburt fällt bei über der Hälfte der Frauen ein Zittern und Schüttelfrost auf, ggf. auch begleitet mit einer leichten Temperaturerhöhung. Das Zittern beginnt in der Regel 1–30 Minuten post partum und dauert bis zu 60 Minuten an. Die Ursachen hierfür sind nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass sowohl die körperliche Geburtsarbeit als auch Mikrofruchtwasserembolien, aber auch Medikamente (Anästhesie, Prostaglandine, etc.) ursächlich sein könnten. Eine Behandlung des Symptoms ist in der Regel nicht notwendig. Die Patientin sollte beruhigt werden und durch Decken oder Wärmestrahler ausreichend Wärme bekommen.

Rückbildung des Uterus

Die Rückbildung des Uterus beginnt unmittelbar nach der Geburt der Plazenta. Durch eine flechtartige Struktur von Muskelbändern kommt es zu einem Abknicken der uterinen Gefäße und damit zu einer Reduktion der Durchblutung. Zusätzlich sind die myometralen Zellen in der Lage, sich rasch zusammenzuziehen und so die Gesamtfläche der Wunde nach Plazentalösung zu reduzieren. Mithilfe der zusätzlich ablaufenden Hämostase wird so in der Regel eine verstärkte Blutung verhindert.

Sollte dies nicht gelingen, ist das weitere Vorgehen entsprechend der DACH-AWMF Leitlinie 015 / 063 „Peripartale Blutungen, Diagnostik und Therapie“ durchzuführen.

Praxistipp

Unmittelbar nach der Geburt sollte der Uterus fest kontrahiert in der Mittellinie zwischen Symphyse und Nabel liegen. Am ersten postpartalen Tag findet er sich häufig auf Nabelhöhe und involviert dann um ca. 1 cm / Tag. In der Regel kann der Uterus nach ca. 2 Wochen nicht mehr abdominal palpiert werden. Das Gewicht des Uterus reduziert sich von ca. 1000g auf ca. 60g nach 6–8 Wochen post partum. Etwas langsamere Verläufe sind bei Mehrlingsschwangerschaften, Multiparität, fetaler Makrosomie und nach Sectio caesarea zu beobachten. Bei stillenden Frauen bildet sich die Gebärmutter häufig rasch zurück.

Bei reduzierter Involution des Uterus kann eine transabdominale Sonografie diagnostisch hilfreich sein. Häufig finden sich hierbei im unteren Uterinsegment und zervikalen Anteil echogene Strukturen, die jedoch ohne zusätzliche Blutungsanamnese nicht zu einer Ausräumung oder Kürettage Anlass geben sollten, da diese sich häufig spontan zurückbilden. Zudem ist in der frühen Wochenbettphase die Gefahr der Ausbildung von intrauterinen Adhäsionen (Asherman-Syndrom) infolge einer Operation größer, da die Basalisschicht des Endometriums ca. 4 Wochen nach einer Schwangerschaft verletzlicher ist.

Wochenfluss

Die Lochien (Wochenfluss) bestehen anfänglich aus Blut und dezidualen Anteilen. Sie sind in der 1. Woche rein blutig (Lochia rubra), ab der 2. Woche rötlich braun (Lochia fusca), ab der 3. Woche gelblich (Lochia flava) und in der 4. Woche gelblich weiß (Lochia alba). Danach versiegen sie meist. Das gesamte Volumen kann 250–500 ml betragen. Die Lochien sollten nicht übel riechen, dies wäre ein Zeichen für eine mögliche Infektion.

Lochien gelten heutzutage nicht mehr als infektiös, da kaum körpereigene Bakterien gefunden werden. Besondere Hygienemaßnahmen sind daher nicht notwendig, es sollte lediglich auf den Besuch von öffentlichen Schwimmbädern verzichtet werden. Bei unauffälligem Labienschluss kann ein häusliches Bad genommen werden. Bei Wunsch ist auch Geschlechtsverkehr möglich. Einige Autoren empfehlen, Kondome zu benutzen.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Das frühe Wochenbett–Physiologie und Pathologie

Aus der Zeitschrift: Die Hebamme 02/2019

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Quelle

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