• Kaiserschmitt, Knarren und Kosmos - Kolumne Hebammenarbeit - Georg Thieme Verlag

     

Kaiserschnitt, Knarren und Kosmos

Judith Leopold, geboren 1983, ist Mutter und leitende Online-Redakteurin einer österreichischen Tageszeitung. In dieser Folge der Kolumne berichtet sie, mit einem Augenzwinkern, wie sie ihre erste Geburt erlebt und welche Schlüsse sie daraus für die folgende Schwangerschaft gezogen hat.

Die erste Geburt hatte ich mir immer so vorgestellt: Als räucherstäbchenumwaberte Trance, das ganze Universum spürend. Ommm. Doch stattdessen zog sich die Angelegenheit hin, es flutschte nicht so (raus) wie angeblich bei Kaiserin Maria Theresia, stolzen Orang-Utan-Müttern oder ich selbst bei meiner Mama. Die Geburt meines ersten Babys wurde im grellen Licht eines OPs zu Ende gebracht. Statt mit der Schöpfung war ich verbunden mit zwei Operateuren auf der anderen Seite der Abdeckung – die hatten ihre Hände in meinem Bauch. Heul.

Kurz nach dem 1. Geburtstag meiner Tochter schlug es bamzack ein – „schwanger“ stand da in digitalen Lettern. Ich beschloss, dass es dieses Mal ohne Trauma-Therapie kurz nach der Abnabelung gehen müsse. Aber wie? Als Redakteurin bin ich hartnäckige Recherche gewohnt und trug Infos zur „Geburt nach Kaiserschnitt“ zusammen. Watergate, Wikileaks … all das ein Klacks gegen meine Aufdecker-Mission.

Ich schickte Mails bis nach Amerika, hielt mich an eine uterusstärkende Diät, meditierte und machte Yoga. Doch: Die wichtigste Unterstützung neben meinem Ehemann, dem partner in crime, würde beim nächsten Mal sie sein: meine Hebamme. Eines Tages, beim Babytreff, raunte mir dessen Leiterin mit tiefer Stimme bedeutungsschwanger einen Namen zu: Margarete. Pssst … ein Geheimtipp. Es fühlte sich an wie in einem Gangsterfilm, wenn es um Knarren oder Schnapsschmuggelei geht.

Als wir uns drei Tage später zu einem Blind Date trafen (statt einer Rose gab es Kuchen), war es Liebe auf den ersten Blick. Und Vertrauen. Und Verständnis. Am 19.12. habe ich das Butzerl, wie wir auf gut Wienerisch sagen, bei uns zu Hause in ihre Hände geboren. Mein Mann saß quasi als Co-Hebamme hinter mir, um mich zu halten und bis zum Stimmverlust anzufeuern.

Ja, rausgepresst habe ich mein 4,5 Kilo-Brockerl selber, warum also ist eine Hebamme so wichtig? Ganz einfach: Weil sie die Expertin für die Geburt ist. Sie weiß, warum der Babybauch zwickt, der Rücken schmerzt (ja, leider meist gleichzeitig) oder wieso die werdende Mama den Geruch von Baustellen mag. Notfalls antwortet sie auch mal um Mitternacht.

Wenn ich in jener Dezembernacht nicht mit dem Kosmos verbunden war, dann mit etwas Wertvollem – mit Menschen, die mich auf meinem Weg unterstützt haben.

Aus der Zeitschrift Die Hebamme 05/2018; Kaiserschnitt, Knarren und Kosmos; Judith Leopold

 

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