• Geburtseinleitung

     

Die medikamentöse Geburtseinleitung: Spiegelbild der Geburtshilfe

Der aktuelle Stellenwert der Geburtseinleitung geht aus den Perinatalstatistiken hervor, nach denen in Deutschland 12 - 16 % aller Geburten eingeleitet werden, an Kliniken mit hoher risikobezogener Zuweisungspraxis beträgt diese Rate bis zu 25 %. Trotz sinkender Geburtenzahlen der letzten Jahre hat die Häufigkeit an Geburtseinleitungen stetig zugenommen.

Demnach ist die Geburtseinleitung eine der häufigsten ärztlich indizierten Maßnahmen, die vom Geburtshelfer Verantwortungsbewusstsein verlangt, im Spannungsfeld zwischen dem medizinisch Notwendigen und von der Schwangeren Akzeptierten, darüber hinaus geburtshilfliche Erfahrung in einem nicht selten zeitlichen Wettlauf zwischen der Dynamik der zugrunde liegenden Schwangerschaftspathologie und der Dynamik einleitungsinduzierter Geburtsvorgänge mit dem Ziel einer vaginalen Geburt und die schließlich das Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren zu berücksichtigen hat in einer Zeit zunehmender Einflussnahme der Betroffenen auf die Wahl des Entbindungsmodus.

Die jüngste Diskussion um den Kaiserschnitt auf Verlangen hat eine neue Entwicklung vorbereitet, bei der die Geburtseinleitung - entgegen traditioneller Auffassung - nicht mehr nur eine rein medizinisch zu begründende Entscheidung des Arztes darstellt, sondern durch die auch die Renaissance der „programmierten Geburt“ mit umgekehrten Vorzeichen im Sinne der Geburtseinleitung auf Wunsch der Schwangeren möglich geworden ist. Analysiert man die Indikationen zur Geburtseinleitung aus jüngsten Multizenterstudien, so fällt auf, dass die klassischen Einleitungsindikationen wie Terminüberschreitung/Übertragung und der vorzeitige Blasensprung anteilsmäßig zurückgegangen sind und zunehmend „gemischte“ Indikationen in den Vordergrund treten, bei denen neben einer „weichen“ medizinischen Begründung individuelle persönliche Belange der Schwangeren berücksichtigt werden. Eine vergleichbare Entwicklung ging auch dem Kaiserschnitt auf Verlangen voraus, da sich schon vor dessen Einführung hinter so genannten Sammelindikationen oder subjektiv formulierten Indikationen wie mangelnder Geburtsfortschritt eine Ausweitung der ursprünglich strengen medizinischen Indikationen zum Kaiserschnitt verbarg, die häufig dem Wunsch der Schwangeren und/oder ihres Geburtshelfers entsprachen.

Die Zunahme der Geburtseinleitungen spiegelt aber auch einen anderen Paradigmenwechsel heutiger Geburtshilfe wider. Während sich die traditionelle Schwangerenvorsorge in ihrer geburtshilflichen Entscheidungsfindung an aktuellen Krankheitssymptomen und Schwangerschaftskomplikationen orientierte und darauf reagierte, steht heute die möglichst frühzeitige Diagnostik von Risikofaktoren und das Antizipieren potenzieller Schwangerschaftskomplikationen im Vordergrund mit dem Ziel, möglichst schon ab dem ersten (zweiten) Trimenon Schwangere einer Low- oder High-risk-Gruppe zuzuordnen oder die Unbedenklichkeit des weiteren Schwangerschaftsverlaufes zu attestieren.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Die medikamentöse Geburtseinleitung: Spiegelbild der aktuellen Geburtshilfe zwischen Evidence-based Medicine, klinischen Empfehlungen und Wunsch der Schwangeren

Aus der Zeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde 03/2004

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