• Die Sicherheit der außerklinischen Geburt wird international unterschiedlich bewertet. In Deutschland können Frauen mit niedrigem Risiko ihren Geburtsort frei wählen. Landesspezifische Untersuchungen sind bisher selten, jedoch nötig.

     

Outcomes geplanter außerklinischer und klinischer Low-Risk Geburten

Die Sicherheit der außerklinischen Geburt wird international unterschiedlich bewertet. In Deutschland können Frauen mit niedrigem Risiko ihren Geburtsort frei wählen. Landesspezifische Untersuchungen sind bisher selten, jedoch nötig, da die Gesundheitssysteme sehr variieren und eine Vergleichbarkeit der Studien erschweren.

Die außerklinische Geburtshilfe lebt in einem Spannungsfeld zwischen qualitätssichernden Debatten und zunehmender geburtshilflicher Legitimation. Auch wenn die meisten Geburten in der Klinik stattfinden, so gibt es eine vergleichsweise rege Forschungsaktivität zur Sicherheit der außerklinischen Geburtshilfe international und im deutschsprachigen Raum. Randomisierte Studien zu diesem Thema sind jedoch kaum zu finden.
Aufgrund differierender nationaler Gesundheitsberichterstattung und demzufolge nomenklatorischer Unterschiede ist der Vergleich einzelner Arbeiten erschwert. Positive Aspekte der außerklinischen Geburtshilfe wie verminderte Anzahl der Interventionen und erhöhte Spontangeburtenraten im Vergleich zu Geburten in der Klinik den Herausforderungen im Falle von eiligen Verlegungen gegenüber, welche in Deutschland mit einer Häufigkeit von 1,5–1,7% angegeben werden. Intrapartalen Verlegungen geht immer ein gründlicher Entscheidungsprozess voraus. Dieser wird nicht nur durch Überlegungen zum optimalen Zeitpunkt beeinflusst, sondern auch von der wahrgenommenen Willkommenskultur in der Klinik und der Möglichkeit zur Fortführung der kontinuierlichen Betreuung.
Um Frauen angesichts steigender Haftpflichtbeiträge der Hebammen weiterhin die Wahlfreiheit des Geburtsortes zu ermöglichen und eine wohnortnahe Versorgung in strukturschwachen Regionen zu gewährleisten, wurden zwischen Hebammenverbänden und dem GKV-Spitzenverband für Geburtshäuser und nachfolgend 2015 für Hausgeburten Qualitäts- und Ausschlusskriterien für eine außerklinische Geburt vereinbart. Diese Regelungen sollen die außerklinische Geburtshilfe qualitativ und finanziell absichern, was anzuerkennen ist, um einem Trend nach gegebenenfalls unassistierter Geburtshilfe, geplant oder ungeplant, in außerklinischen Situationen begegnen zu können.
Ziel dieser Arbeit ist es, mütterliche und kindliche Outcomes von geplanten klinischen und außerklinischen Geburten zu vergleichen.

Ergebnisse

Von den 415 außerklinischen Geburten fanden 209 in häuslicher Umgebung und 206 in einem Geburtshaus statt. Außerklinisch gab es 152 (36,6%) Erst- und 263 (63,4%) Mehrgebärende. Unter den 858 Gebärenden in der Klinik waren 439 (51,2%) Erst- und 419 (48,8%) Mehrgebärende. Die intrapartale Verlegungsrate vom außerklinischen Setting in die Klinik lag bei 10,1%. Dies bedeutet, dass 20,4% der Erstgebärenden und 4,2% der Mehrgebärenden verlegt wurden.
Während einer Geburt zu Hause oder im Geburtshaus wurden weniger Interventionen angewandt als in der Klinik. Die Geburten von außerklinisch Gebärenden wurden signifikant seltener eingeleitet im Vergleich zu Gebärenden in der Klinik, wobei dort vor allem Oxytocin und Prostaglandine, bei Mehrgebärenden auch der „Wehencocktail“ mit dem Wirkstoff Rizinusöl häufiger verabreicht wurden. Die intrapartale Amniotomie wurde bei den außerklinisch Gebärenden seltener angewandt im Vergleich zu den Gebärenden in der Klinik. Ein Cardiotocogramm wurde in der Klinik signifikant häufiger geschrieben als im außerklinischen Setting. Hier wurde das Kind dagegen häufiger durch eine intermittierende Auskultation überwacht. Intrapartale Wehenmittelgabe, Tokolyse, Klysma und Einmalkatheter kamen bei Frauen, die ihre Geburt außerklinisch begonnen haben, signifikant seltener zum Einsatz im Vergleich zu den Gebärenden, die ihre Geburt in der Klinik begonnen haben.
Die Geburtsdauer war bei außerklinisch gebärenden Frauen signifikant länger im Vergleich zu Frauen, die in der Klinik geboren haben. Insgesamt wurden die Geburtsrisiken von den Hebammen außerklinisch auf einer Likertskala höher eingeschätzt im Vergleich zu den klinischen Geburtsrisiken. Außerklinische Erstgebärende erlebten häufiger eine Spontangeburt als Erstgebärende in der Klinik. Bei Mehrgebärenden unterschied sich der Geburtsmodus bei einem insgesamt sehr hohen Niveau an Spontangeburten nicht signifikant.
Beim kindlichen Outcome zeigte sich kein Unterschied zwischen außerklinisch und klinisch Geborenen. Das mütterliche Outcome unterschied sich nicht signifikant hinsichtlich eines Blutverlusts >1 000 ml, Dammrissen III./IV. Grades, Zervixrissen und Hämatomen. Jedoch hatten Erstgebärende im außerklinischen Setting (40,5%) häufiger einen Dammriss I./II. Grades als Erstgebärende in der Klinik (29,5%), gleichzeitig aber weniger Episiotomien. Insgesamt war ein intakter Damm bei Erstgebärenden im außerklinischen Bereich häufiger als in der Klinik.
Weichteilverletzungen wie Scheidenrisse und Labien-/Klitorisrisse sowie Plazentalösungsstörungen kamen im außerklinischen Bereich häufiger vor.

Diskussion

Bei außerklinischen Geburten konnte in dieser Studie ein erhöhte Spontangeburtenrate bei Erstgebärenden und geringere Anzahl an Interventionen bei verlängerter Geburtsdauer im Vergleich zum klinischen Klientel beobachtet werden. Niedriggradige Damm- und andere Weichteilverletzungen sowie Plazentalösungsstörungen wurden im außerklinischen Bereich häufiger dokumentiert.
Das Sample ist vor allem für Geburtshausgeburten in Deutschland repräsentativ, da nur wenige Hausgeburten dokumentiert wurden. Im Jahr 2005 fanden insgesamt 397 Geburten im häuslichen Umfeld und 367 Geburten in einer hebammengeleiteten Einrichtung in Niedersachsen statt.
Der arterielle Nabelschnur-pH ließ sich in unserer Studie nur schwer beurteilen, da er nur bei Neugeborenen von verlegten Frauen und von Gebärenden in der Klinik gemessen werden konnte.
Auch wenn die internationalen Studien wegen unterschiedlicher Stichproben, Outcomes und vor allem unterschiedlicher Gesundheitssysteme nur eingeschränkt vergleichbar waren, so ließen sich jedoch teilweise interessante Parallelen zu den bereits bekannten Studienergebnissen anderer Länder finden. Für den Vergleich seltener unerwünschter Outcomes könnte die Größe der Studienpopulation nicht ausreichend sein.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Outcomes geplanter außerklinischer und klinischer Low-Risk Geburten in Niedersachsen

Aus der Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie

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