• Prophylaxe der postpartalen Harn-Inkontinenz mit überwachtem Beckenbodentraining? - Hebammenarbeit - Thieme Verlag

     

Prophylaxe der postpartalen Harn-Inkontinenz

Eine Schwangerschaft stellt einen begünstigenden Faktor für die Entwicklung einer Harninkontinenz dar; bis zu 50% aller Frauen können davon betroffen sein. Da die Inkontinenz eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellt, sind Präventionsmaßnahmen gefragt.

Ein intensives Beckenbodentraining unter Anleitung schon in der Schwangerschaft hat sich dabei in einigen Studien als wirksam erwiesen. Ob dieses Training bei supervidierter Durchführung bessere Ergebnisse erbringt, als ein alleine durchgeführtes Training, haben Fritel et al. untersucht.

Methode: In die randomisierte Studie wurden zwischen Februar 2008 und Juni 2010 in 5 französischen Zentren insgesamt 282 Frauen aufgenommen. Einschlusskriterien umfassten eine 1. Schwangerschaft in der 20.–28. Woche, eine vorbestehende Harninkontinenz war kein Ausschlusskriterium. Die Teilnehmerinnen wurden nach dem Zufallsprinzip einer von 2 Gruppen zugewiesen:

  • Beckenbodentraining unter Supervision einer individuell gewählten Hebamme oder Physiotherapeutin der jeweiligen Klinik (8 Trainingseinheiten für jeweils 20–30 min zwischen dem 6. und 8. Monat der Schwangerschaft) plus schriftliche Informationen (Interventionsgruppe; n = 140)

oder

  • ausschließlich schriftliche Informationen zum Beckenbodentraining, die Übungen wurden zu Hause ohne Überwachung durchgeführt (Kontrollgruppe; n = 142).


Als primärer Endpunkt wurde die Harninkontinenz anhand des „International Consultation on Incontinence Questionnaire – Urinary Incontinence Short Form“ (ICIQ-UI-SF) 12 Monate postpartal beurteilt, sekundäre Endpunkte umfassten u. a. die Ergebnisse des ICIQ-UI-SF 2 Monate nach der Geburt und die Lebensqualität.

Ergebnisse: Eine Auswertung im Hinblick auf den primären Endpunkt war bei 190 Frauen möglich (93 der Interventionsgruppe, 97 der Kontrollgruppe). Dabei ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen; Ausmaß und Häufigkeit eines unwillkürlichen Harnabgangs waren in der Interventionsgruppe und der Kontrollgruppe vergleichbar. Auch bei den sekundären Endpunkten ergab sich keine relevante Differenz. Wurde separat nach Vorhandensein oder Fehlen einer Harninkontinenz zu Studienbeginn ausgewertet, lag die Remissionsrate im Vergleich zur Anfangssymptomatik tendenziell höher bei den Frauen, die unter Supervision trainiert hatten (46,9 vs. 30,6%), aber auch dieser Unterschied verfehlte die statistische Signifikanz.

Folgerung: Anscheinend führt ein Beckenbodentraining, das von speziell geschulten Hebammen oder Physiotherapeutinnen überwacht wird, im Hinblick auf eine postpartale Harninkontinenz nicht zu besseren Ergebnissen als ein Training zu Hause mit ausschließlich schriftlichen Anleitungen, fassen die Autoren zusammen. Das scheint ihnen auch pathophysiologisch plausibel, da ein zugrunde liegender Mechanismus bereits präpartal ein mögliches Trauma unter der Geburt – als Ursache der späteren Inkontinenz – verhindern müsste. Vermutlich trägt das Beckenbodentraining zwar zur Verbesserung der Muskelkraft des Beckenbodens bei, aber nicht in dem Ausmaß, dass eine Supervision der Übungen zusätzlichen Nutzen brächte.

 

Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

 

Kommentar: Der Beitrag ist überschrieben „Prophylaxe der postpartalen Harninkontinenz …“. Es verwundert, dass unter diesem Aspekt auch Frauen in die Untersuchung eingeschlossen wurden, bei denen schon eine Harninkontinenz vorbestand.

JB 

Aus der Zeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde 02/2016

Call to Action Icon
Geburtshilfe und Frauenheilkunde Jetzt kostenlos testen!
Peggy Seehafer - Hebammen - Hippokrates Verlag Erleben Sie Peggy Seehafer...

... während ihres Vortrags zum Thema "Postpartale Unpässlichkeiten" auf dem diesjährigen 12. Forum Hebammenarbeit.

Newsletter für Hebammen

  • Hippokrates Newsletter für Hebammen

    Jetzt kostenlos anmelden

    Mit brandaktuellen News und Neuerscheinungen, Schnäppchen und tollen Gewinnspielen sind Sie up to date und immer einen Schritt voraus.

Quelle

Geburtshilfe und Frauenheilkunde
Geburtshilfe und Frauenheilkunde

EUR [D] 154,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Wochenbett- und Rückbildungsgymnastik
Marion Stüwe, Linda TackeWochenbett- und Rückbildungsgymnastik

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Nach der Geburt
Angela HellerNach der Geburt

Wochenbett und Rückbildung

EUR [D] 69,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Wochenbettbetreuung in der Klinik und zu Hause
Ulrike Harder, Jule Friedrich, Simone Kirchner, Heike Polleit, Andrea StiefelWochenbettbetreuung in der Klinik und zu Hause

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.