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Riskante Verläufe im Wochenbett

Dramatische Verläufe im Wochenbett sind glücklicherweise selten. Die Schattenseite davon ist, dass Hebammen keine Routine mit ihnen entwickeln können. Umso mehr kommt einem durchdachten Risikomanagement eine bedeutende Rolle für die Wochenbettbetreuung zu.

Für jedes Risikomanagement – auch für das im Wochenbett – ist ein gut funktionierendes Team wichtig. Die meisten Hebammen stehen beim Hausbesuch jedoch alleine da – auch bei Komplikationen. Das Team, auf das sie zurückgreifen könnten, besteht aus Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in den Krankenhäusern sowie niedergelassenen Ärzten.

Umgang mit Risiken im Berufsalltag

Hebammen suchen zunächst systematisch nach Risiken und bauen Sicherheitsbarrieren auf, damit sich die Risiken in der Praxis nicht ausbreiten und sich ungebremst potenzieren können. Ziel ist es, diese Sicherheitsbarrieren möglichst dicht einzurichten. Der britische Psychologe James Reason entwickelte das Schweizer-Käse-Modell. Es veranschaulicht, dass jede Barriere Sicherheitslücken haben kann, löchrig sein kann wie die Scheiben eines Schweizer Käses: Wenn die Käsescheiben unglücklich übereinander liegen – also die Sicherheitsbarrieren lückenhaft sind – kann eine negative Ereigniskette ungehindert zu einem unerwünschten Ereignis führen.

Die Sicherheitsbarrieren der Hebammenpraxis bestehen z.B. aus:

  • aktuellem Fachwissen
  • klaren Kommunikationsstrukturen
  • guter Praxisorganisation
  • geregelter Zusammenarbeit mit Kolleginnen und anderen Berufsgruppen

Qualitätsmanagement

Das Risikomanagement in der Hebammenpraxis ist im Qualitätsmanagement-System (QM-System) verankert und wird im QM-Ordner dokumentiert. Hier besteht die Möglichkeit, Verbesserungen u.a. in den fachlichen, organisatorischen und strukturellen Bereichen zu planen, zu prüfen und in die alltägliche Praxis einzubauen.

Die individuelle Verlaufsdokumentation der betreuten Frauen ist wichtig, um medizinische Risiken und Abweichungen wahrzunehmen. Dazu gehört das Erheben der Anamnese: Frauen nach Vorerkrankungen zu fragen, bedeutet, medizinische Risiken wahrzunehmen. Im weiteren Verlauf zählt das Beobachten, Beschreiben und Bewerten von Abweichungen dazu.

Das Dokumentationssystem der Hebammen ist in den vergangenen Jahren deutlich umfangreicher geworden. Viele sind dazu übergegangen, spezielle Dokumentationsbögen zu benutzen, z.B. den Ikterusbogen, in dem Hautkolorit, Laborwerte und Parameter für die kindliche Vitalität standardisiert erfasst werden. Farbfelder im Formular helfen bei der Risikobewertung: Die Intensität des Farbtons zeigt das zunehmende Gefährdungspotenzial.

Hebammen reflektieren bei jedem Hausbesuch individuelle Risiken:

  • Handelt es sich noch um Routine?
  • Gibt es leichte Abweichungen, besteht ein Risiko?
  • Gibt es gravierende Abweichungen, braucht die Frau evtl. einen Facharzt oder muss sie eine Klinik aufsuchen?

Leider ist es in der Praxis bei einigen Verläufen nicht so leicht, die klare Trennschärfe zwischen Physiologie und Pathologie zu ziehen. Deshalb müssen Hebammen sich absichern, indem sie z.B. bei einem Kind mit Verdacht auf Ikterus einen zweiten Wochenbettbesuch am gleichen Tag machen oder das Kind gleich wieder zur Verlaufskontrolle schicken. Bei Unsicherheiten kann auch ein Blick in die entsprechende Leitlinie Orientierung geben.

Leitlinien

Es gibt in Deutschland leider keine Leitlinie, die die lange und komplexe Wochenbettbetreuung komplett beleuchtet. Dafür gibt es einzelne Leitlinien, z.B. zur Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit, zur Hyperbilirubinämie oder zu peripartalen Blutungen. Diese sind allerdings überwiegend klinisch ausgerichtet und müssen für die Arbeit im Wochenbett von den Hebammen angepasst werden. Daher muss die Hebamme sich das Wissen oder die Orientierungshilfen für das Wochenbett aus verschiedenen Quellen aneignen.

In Großbritannien hat hingegen das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) eine interdisziplinäre Leitlinie für das Wochenbett erstellt. Diese enthält einen Abschnitt zum Notfallmanagement, der zusammenfasst, worüber Frauen im frühen Wochenbett aufgeklärt werden müssen.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Riskante Verläufe im Wochenbett

Aus der Zeitschrift: Die Hebamme 06/2017

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Quelle

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