• Sexuell übertragbare Erkrankungen und Hebammenarbeit

     

Sexuell übertragbare Erkrankungen und Hebammenarbeit

Hebammen arbeiten mit sexuell aktiven Frauen rund um die Geburt und sind so automatisch mit allen Themen verbunden, die mit Sexualität assoziiert sind. Eines davon ist das der sexuell übertragbaren Infektionen (sexually transmitted infections / STI), welches aber nur selten in den Vordergrund der Hebammenarbeit rückt. Dabei sind viele Hebammen durch ihr Vertrauensverhältnis zu den Frauen und ihre Kenntnisse der lebensweltlichen Umgebung bestens geeignet, auch diesen teils noch tabuisierten Themenbereich anzusprechen und präventiv auf die Risiken durch STI hinzuweisen.

Hintergrund

Sexuell übertragbare Erkrankungen sind auch in Deutschland sehr verbreitet. Am häufigsten werden Chlamydien und Genitalwarzen diagnostiziert, genaue Zahlen sind jedoch nur schwer ermittelbar. Außer HIV und Syphilis sind STI in Deutschland nicht meldepflichtig, diese beiden Infektionen werden auch nur anonym gemeldet. Diese Regelung gilt seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001. In Sachsen werden als einziger Ausnahme auch Gonokokkeninfektionen gemeldet. Nicht vergessen werden sollte, dass sich sexuelle Gesundheit gemäß der WHO aber nicht nur am Fehlen von Erkrankungen definiert, sondern auch als einen „Zustand des körperlichen, emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf Sexualität“.

Konkret sind Hebammen durch die Anamneseerhebung oder Routineuntersuchungen als Teil der Schwangerenvorsorge nach den Mutterschaftsrichtlinien mit dem Thema STI konfrontiert. Im Kontext der Vorsorgeuntersuchungen sind sie auch als nicht-ärztliche Profession in die Diagnostik sexuell übertragbarer Erkrankungen eingebunden. Dies betrifft insbesondere das Screening auf HIV, Lues, Hepatitis B und Chlamydien (Mutterschaftsrichtlinien). Kenntnisse bezüglich der Relevanz sexuell übertragbarer Erkrankungen für die Reproduktionsgesundheit sind durch die Notwendigkeit einer zielgerichteten Überweisung in die ärztliche Praxis erforderlich. Eine fundierte Einschätzung der Konsequenzen sexuell übertragbarer Infektionen für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett muss von Hebammen eingeordnet und teils parallel zur ärztlichen Betreuung kommuniziert werden. Fragen zu den Konsequenzen einer Infektion für die weitere Schwangerschaft, die Geburt oder die Stillzeit sowie das sexuelle Verhalten und die Notwendigkeit paralleler Therapien für Sexualpartner bzw. -partnerinnen können somit auch in der Hebammenversorgung zum Thema werden.

Wie auch bei anderen Schwangerschafts- und Geburtsverläufen mit diagnostizierten Komplikationen oder allgemeinen Risiken kann die Hebamme auch für Frauen mit einer sexuell übertragbaren Erkrankung neben Ärztinnen bzw. Ärzten eine wichtige Ansprechpartnerin im Betreuungssetting bleiben. Bekannt ist, dass sich Frauen unabhängig von medizinischen Diagnosen und Pathologien wünschen, von einer Hebamme versorgt und in ihren weiterhin physiologisch verlaufenden Lebensaspekten unterstützt zu werden.

Unterschied chronisch / akut erkrankt

Unter dem Sammelbegriff der sexuell übertragbaren Erkrankungen werden Infektionskrankheiten zusammengefasst, die in ihrer Konsequenz sehr unterschiedlich sind. Neben Infektionen mit einer günstigen Heilungsprognose können andere wie eine HIV-Infektion schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen. Auch wenn bei HIV heute die Wahrscheinlichkeit einer langen Lebenserwartung besteht und die Infektion therapierbar ist, bedeutet die Diagnose eine lebenslange Einschränkung und eine Erstdiagnose in der Schwangerschaft sicher auch einen Schock. Der Sammelbegriff der sexuell übertragbaren Erkrankungen sagt also noch nicht viel darüber aus, wie schwerwiegend eine Diagnose erlebt wird und sich langfristig auf die Bereiche des Lebens auswirkt. Diese Kontextfaktoren haben auch Einfluss auf die Hebammenbetreuung und die dort dominierenden Beratungsthemen.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Sexuell übertragbare Erkrankungen und Hebammenarbeit

Aus der Zeitschrift: Die Hebamme 01/2019

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