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Sinn und Unsinn von Untersuchungen in der Schwangerenvorsorge

Viele Schwangerenvorsorge Untersuchungen sind weder evidenzbasiert noch hilfreich. Sie verunsichern statt zu beruhigen und liefern zweifelhafte Ergebnisse. Warum führt das geniale Konzept, durch Vorsorge rechtzeitig die Weichen für Gesundheit von Mutter und Kind zu stellen, so oft zu bescheidenen Ergebnissen? Was läuft schief in der Schwangerenvorsorge?

Fallbeispiel

Freitag, 16.30 Uhr, in einer deutschen Geburtsklinik.

Frau H. steht vor dem Kreißsaal mit Koffer und Einweisung: „1. Kind. 38. SSW, Ödeme, Makrosomie, zur Einleitung“. Nach Anmeldung, Aufnahme-CTG und Blutentnahme kommt Frau H. zum Ultraschall. Mir fällt ihr riesiger Bauch auf. Ich bitte sie, sich hinzulegen und taste den Bauch ab. Groß, prall, das Fruchtwasser schwappt. Der Ultraschall zeigt, was auch ohne Technik zu spüren war: Ein sehr großes Kind, Schätzgewicht 4500 g, enormer Bauchumfang, sehr viel Fruchtwasser, eine sehr dicke Plazenta – alles Zeichen für einen unbehandelten Gestationsdiabetes.

„Wieviel haben Sie denn zugenommen?“ „30 Kilo, aber mein Arzt sagt, da ist auch viel Wasser dabei.“ „Haben Sie einen Zuckertest gemacht?“ „Ja, der war ganz in Ordnung.“

Schneller Blick in den Mutterpass:

  • Schwangerschaftsrisiken: „Oma Herzinfarkt“
  • Ausgangsgewicht 78 kg bei 167 cm, aktuell 109 kg
  • Beratung allgemein, z. B. Beruf, Reisen, Ernährung, Genussmittel, Sport angekreuzt.
  • Spezielle Risikoberatung: angekreuzt.

„Hat Ihr Frauenarzt Sie über Ernährung beraten?“ „Ja, ich hab die Foliotabletten.“ „Haben Sie darüber gesprochen, dass Sie sehr viel zugenommen haben?“ „Nö.“

Aus dem Mutterpass purzeln diverse Quittungen: „Schwangerschaftsbetreuung plus: Für zusätzliche, nicht durch die Krankenkasse finanzierte, aber empfohlene Untersuchungen wurden 231,80 Euro entrichtet.“

Geburtsvorbereitende Akupunktur, Cytomegalie-Test, Toxoplasmose-Test, 3D-Ultraschall – alles dabei. Der „kleine“ Zuckertest mit 50 g Glukose ergab einen Ein-Stunden-Wert von 135 mg %, den Grenzwert, bei dem eine weitergehende Untersuchung empfohlen wird, die aber nicht durchgeführt wurde. Die Schwangere hatte 10 Vorsorgeuntersuchungen, bei 9 wurde ein Ultraschall dokumentiert, zuletzt vor 2 Wochen. Es wurden viele Bilder ausgedruckt, die Wachstumskurve ist jedoch nicht ausgefüllt. Ich ärgere mich: Was ist das für eine Schwangerenbetreuung? Es wird untersucht und kassiert und dann wird die werdende Mutter 2 Wochen vor ET in die Klinik geschickt, wenn nichts mehr zu ändern ist! Einleitung, wie soll das gehen? 2 Wochen vor ET bei einer übergewichtigen Erstgebärenden, die wegen des gestörten Stoffwechsels keine Prostaglandinrezeptoren ausgebildet hat. Und wenn es überhaupt so weit kommt, droht bei der Geburt eine Schulterdystokie.

Geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklung

Glaubt man dem Berufsverband der Frauenärzte, ist das Problem keines:

„Mit den im Mutterpass aufgeführten Untersuchungen ist eine werdende Mutter rundum gut versorgt. Nur bei außerordentlichen medizinischen Verdachtsmomenten kann die ein oder andere zusätzliche Vorsorgeuntersuchung sinnvoll sein. Zusätzliche Untersuchungen sollten in der Regel nach eingehender Prüfung und individueller Beratung durch die Frauenärztin bzw. den Frauenarzt erfolgen.“

Das Medizinsystem ist nach dem Prinzip „Vergütung von Einzelleistungen“ aufgebaut. Man darf sich daher nicht wundern, wenn in einer Praxis nicht nur das medizinisch Sinnvolle, sondern auch (und manchmal leider ganz überwiegend) das finanziell Lukrative angeboten wird. In diesem Klima kann eine wertschätzende und salutogenetische Haltung nicht gut gedeihen.

1966 wurde in Westdeutschland die von den Krankenkassen finanzierte Schwangerenvorsorge eingeführt, nachdem die perinatale Mortalität mit 28/1000 weit über der von anderen europäischen Ländern lag.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Sinn und Unsinn von Untersuchungen in der Schwangerenvorsorge

Aus der Zeitschrift Die Hebamme 02/2015

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