• Brei und mehr

     

Vom Stillen zur Familienkost – ist Beikost ohne Brei möglich?

Das Prinzip des Baby Led Weaning (BLW) geht davon aus, dass Säuglinge im 2. Lebenshalbjahr selbst entscheiden, was und wie viel sie neben dem Stillen essen. Das Stillen bildet weiterhin die Hauptnahrungsquelle, es wird durch Selbstbedienung des Säuglings aus der Familienkost ergänzt.

Beim BLW soll sich der Säugling selbst mit Lebensmitteln füttern, die im Rahmen der Familienernährung bereitstehen. Mit einer solchen Handhabung der Beikost „nach Bedarf“ würden Vorteile des Stillens „nach Bedarf“ übernommen, bei dem sich die Milchbildung durch das Saugen des Kindes an der Brust physiologisch-hormonell gesteuert dem individuellen Bedarf des Kindes anpasst.

Muttermilch als alleiniges Nahrungsmittel in den ersten Lebensmonaten ist in ihrer Zusammensetzung auf den Bedarf des Säuglings zugeschnitten. Mit der Beikost kommt es dagegen darauf an, eine nach Art und Menge passende Auswahl verschiedener Lebensmittel zu treffen, die zusammen mit der verbleibenden Milch dem Nährstoffbedarf des Säuglings gerecht wird. Bei strikter Verfolgung des BLW-Prinzips müsste demnach eine ausgewogene Familienernährung, zum Beispiel nach dem Prinzip der Optimierten Mischkost, bereitgestellt werden und in ihrer Beschaffenheit, beispielsweise der Textur, den Essfertigkeiten des Säuglings entsprechen. Eine frühe Variation der angebotenen Lebensmittelpalette und die freie Auswahl durch den Säugling könnten die Akzeptanz einer ausgewogenen gemischten Kost längerfristig fördern.

In Deutschland ist der „Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr“ des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) seit Jahrzehnten als Standard in der Ernährungsberatung bewährt. Er ist unter anderem Grundlage der Handlungsempfehlungen für die Ernährung von Säuglingen, die von der Initiative „Gesund ins Leben“ verbreitet werden unter Mitwirkung des multidisziplinären Netzwerks Junge Familie, in dem auch die Hebammen (DHV) vertreten sind.

Der „Ernährungsplan“ umfasst 3 Phasen, ausgerichtet am ernährungsphysiologischen Bedarf und der senso-motorischen Entwicklung der Kinder:

  • ausschließliche Milchernährung in den ersten 4 bis 6 Lebensmonaten
  • Einführung von Beikost-Breimahlzeiten ab dem 5. bis 7. Lebensmonat
  • Einführung von Familienkost ab dem 10. Lebensmonat

Mit der Beikost werden in etwa monatlichen Abständen nacheinander drei aufeinander abgestimmte Breie eingeführt, die sich mit den verbleibenden Milchmahlzeiten wie in einem Baukastensystem zu einer ausgewogenen Tagesernährung ergänzen.

Das Baby Led Weaning wurde von einer britischen Hebamme und Stillberaterin entwickelt und in Büchern auch in deutscher Übersetzung bekannt gemacht. In einem 2014 veröffentlichten strukturierten Literatur-Review des FKE wurden 11 Publikationen (von 7 Arbeitsgruppen) gefunden, die ganz unterschiedliche Fragen rund um das BLW untersuchten, zum Beispiel den Gewichtsstatus von Kindern mit BLW im Vergleich zu traditioneller Beikost, Einstellungen und Fütterverhalten von Eltern, Essfertigkeiten der Kinder. Auch eine systematische Übersichtsarbeit existierte, die sich mit der Machbarkeit des BLW befasste. Kürzlich wurden zwei weitere Studien aus Neuseeland veröffentlicht, allerdings mit kleinen Kollektiven von 9 bis 26 Kindern in den einzelnen Füttergruppen.

In einer der beiden Studien wurden erstmals Berechnungen der Nährstoffzufuhr anhand von Ernährungsprotokollen vorgenommen. Dabei nahm die BLW-Gruppe bei gleicher Energiezufuhr signifikant mehr Fett und weniger Mikronährstoffe (z. B. Eisen, Calcium, Vitamin C) auf als die löffelgefütterte Gruppe. Typisch in dieser Studie ist, dass die Kinder in der BLW-Gruppe länger ausschließlich gestillt wurden und später Beikost erhielten. Bemerkenswert in dieser und anderen Studien ist weiterhin, dass die Mütter meist beide Füttermethoden, BLW und Löffelfütterung, nebeneinander angewendet hatten.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Vom Stillen zur Familienkost – (wie) ist Beikost ohne Brei möglich?

Aus der Zeitschrift Die Hebamme 05/2016

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