• Schwangerenvorsorge

Sinn und Unsinn von Untersuchungen in der Schwangerenvorsorge

Seit 50 Jahren gibt es ärztliche Schwangerenvorsorge in Deutschland. Die Zahl der Untersuchungen ist stetig gestiegen. Viele Untersuchungen sind weder evidenzbasiert noch hilfreich. Sie verunsichern statt zu beruhigen und liefern zweifelhafte Ergebnisse. Warum führt das geniale Konzept, durch Vorsorge rechtzeitig die Weichen zu stellen für die Gesundheit von Mutter und Kind, so oft zu bescheidenen Ergebnissen? Was läuft schief in der Schwangerenvorsorge?

Fallbeispiel

Freitag, 16.30 Uhr, in einer deutschen Geburtsklinik.

Frau H. steht vor dem Kreißsaal mit Koffer und Einweisung: „1. Kind. 38. SSW, Ödeme, Makrosomie, zur Einleitung“. Nach Anmeldung, Aufnahme-CTG und Blutentnahme kommt Frau H. zum Ultraschall. Mir fällt ihr riesiger Bauch auf. Ich bitte sie, sich hinzulegen und taste den Bauch ab. Groß, prall, das Fruchtwasser schwappt. Der Ultraschall zeigt, was auch ohne Technik zu spüren war: Ein sehr großes Kind, Schätzgewicht 4500 g, enormer Bauchumfang, sehr viel Fruchtwasser, eine sehr dicke Plazenta – alles Zeichen für einen unbehandelten Gestationsdiabetes.

„Wieviel haben Sie denn zugenommen?“ „30 Kilo, aber mein Arzt sagt, da ist auch viel Wasser dabei.“ „Haben Sie einen Zuckertest gemacht?“ „Ja, der war ganz in Ordnung.“

Schneller Blick in den Mutterpass:

● Schwangerschaftsrisiken: „Oma Herzinfarkt“

● Ausgangsgewicht 78 kg bei 167 cm, aktuell 109 kg

● Beratung allgemein, z. B. Beruf, Reisen, Ernährung, Genussmittel, Sport angekreuzt.

● Spezielle Risikoberatung: angekreuzt.

„Hat Ihr Frauenarzt Sie über Ernährung beraten?“ „Ja, ich hab die Foliotabletten.“ „Haben Sie darüber gesprochen, dass Sie sehr viel zugenommen haben?“ „Nö.“

Aus dem Mutterpass purzeln diverse Quittungen: „Schwangerschaftsbetreuung plus: Für zusätzliche, nicht durch die Krankenkasse finanzierte, aber empfohlene Untersuchungen wurden 231,80 Euro entrichtet.“

Geburtsvorbereitende Akupunktur, Cytomegalie-Test, Toxoplasmose-Test, 3D-Ultraschall – alles dabei. Der „kleine“ Zuckertest mit 50 g Glukose ergab einen Ein-Stunden-Wert von 135 mg %, den Grenzwert, bei dem eine weitergehende Untersuchung empfohlen wird, die aber nicht durchgeführt wurde. Die Schwangere hatte 10 Vorsorgeuntersuchungen, bei 9 wurde ein Ultraschall dokumentiert, zuletzt vor 2 Wochen. Es wurden viele Bilder ausgedruckt, die Wachstumskurve ist jedoch nicht ausgefüllt. Ich ärgere mich: Was ist das für eine Schwangerenbetreuung? Es wird untersucht und kassiert und dann wird die werdende Mutter 2 Wochen vor ET in die Klinik geschickt, wenn nichts mehr zu ändern ist! Einleitung, wie soll das gehen? 2 Wochen vor ET bei einer übergewichtigen Erstgebärenden, die wegen des gestörten Stoffwechsels keine Prostaglandinrezeptoren ausgebildet hat. Und wenn es überhaupt so weit kommt, droht bei der Geburt eine Schulterdystokie.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag Sinn und Unsinn von Untersuchungen in der Schwangerenvorsorge

Aus der Zeitschrift Die Hebamme 02/2015

Call to Action Icon
Die Hebamme abonnieren ... und keine Ausgabe verpassen!

Newsletter für Hebammen

  • Hippokrates Newsletter für Hebammen

    Jetzt kostenlos anmelden

    Mit brandaktuellen News und Neuerscheinungen, Schnäppchen und tollen Gewinnspielen sind Sie up to date und immer einen Schritt voraus.

Quelle

Die Hebamme
Die Hebamme

EUR [D] 30,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Geburtsvorbereitung: Die Übungskarten
Hebammengemeinschaftshilfe e.VGeburtsvorbereitung: Die Übungskarten

EUR [D] 29,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Schwangerenvorsorge durch Hebammen
Hebammengemeinschaftshilfe e.VSchwangerenvorsorge durch Hebammen

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.