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Anatomie spezial: Fett ist nicht gleich Fett

Fett ist nicht gleich Fett – Das Fettgewebe

Fettgewebe besteht aus einem lockeren Gerüst aus retikulären Bindegewebsfasern, in dem die Fettzellen, sog. Adipozyten, eingelagert sind. Die wichtigste Funktion der Fettzellen ist das Speichern von Energie in Form von Triglyzeriden.

Bau- oder Speicherfett?

Es gibt zwei verschiedene Arten von Fettgewebe: weißes und braunes Fettgewebe. Das weiße (univakuoläre) Fettgewebe findet sich je nach Funktion überall im Körper in verschiedenen Mengen und wird in Bau- und Speicherfett unterschieden.

Baufett dient der Gewebeverschieblichkeit und Polsterung und ist als Fettkörper in strukturell wichtigen und mechanisch beanspruchten Körperstellen eingelagert. So befindet sich z. B. unterhalb der Kniescheibe der sog. Hoffa-Fettkörper, und auch die Niere ist von einer Fettkapsel umgeben.

Führt man dem Körper mehr Energie zu als er verbraucht, speichert er diesen Überschuss in Form von Speicherfett, das sich bei Frauen vorwiegend am Gesäß und Oberschenkeln und bei Männern am Bauch anlagert. Ob der Körper Energie speichert (Lipogenese) – weil er gerade nicht viel Energie benötigt (z. B. im Schlaf) – oder bereitstellt (Lipolyse, z. B beim Joggen), unterliegt einer hormonellen Regulation. Das wichtigste Hormon für das Wechselspiel von Lipogenese und Lipolyse ist Insulin.

Auch das vegetative Nervensystem wirkt auf die Gesamtregulation der Fettspeicherung ein, insbesondere der Sympathikus mithilfe vermehrter oder verminderter Ausschüttung von Adrenalin. Über die Rezeptoren des zentralen und peripheren Nervensystems, die u. a. auf Adrenalin reagieren, wird so die Lipolyse gebremst (α2-Rezeptoren) oder gefördert (β3-Rezeptoren). Dieser Mechanismus ist überlebenswichtig. Eine erhöhte Adrenalinausschüttung durch Stress, z. B. bei Gefahr, setzt Energie frei für die entsprechend notwendige körperliche Leistung (Flucht oder Angriff).

Glukokortikoide, die physiologisch den Eiweißabbau, die Steigerung der Glukoneogenese und den Fettabbau bewirken, können auch entgegengesetzt wirken. Ein zu hoher Glukokortikoidspiegel, z. B. bei langfristiger medikamentöser Zufuhr oder krankheitsbedingter Überproduktion (Morbus Cushing), hat jedoch eine fetteinlagernde Wirkung. Die Folge: eine abnorme Umverteilung des Körperfetts. Es kommt zur Stammfettsucht und zum Vollmondgesicht.

Braunes Fettgewebe

Die Fettzelle im weißen Fettgewebe zeichnet sich durch eine große mit Lipid gefüllt Vakuole aus (40–150 μm Durchmesser). Charakteristisch für das braune (multivakuoläre) Fettgewebe sind mehrere kleine Vakuolen, die mit einer Vielzahl an Mitochondrien durchsetzt sind. Braunes Fettgewebe dient der Wärmeproduktion, deshalb die hohe Anzahl an Mitochondrien (Energiekraftwerke der Zelle). Bei Menschen findet sich braunes Fettgewebe nur bei Neugeborenen in den ersten Lebensmonaten. Dann entwickelt es sich zurück.


Fettgewebe als endokrines Organ

Neben dem eigentlichen Fettstoffwechsel funktioniert Fettgewebe auch als endokrines Organ. Die von ihm gebildeten Botenstoffe beeinflussen u. a. unseren Appetit.

Die Fettzellen bilden z. B. das Hormon Leptin und schütten es regelmäßig in den Blutkreislauf aus. Der Leptinspiegel im Blut wird im Gehirn ständig kontrolliert. Sinkt er unter den Normwert, weil wenig eingelagertes Fett vorhanden ist, wird im Gehirn Hungergefühl ausgelöst. Gleichzeitig vermindert sich der Energieverbrauch kurzfristig, um das Speicherfettdepot nicht zusätzlich zu reduzieren.

Ein anderes Beispiel für die endokrine Wirksamkeit von Fettgewebe: das Hormon Angiotensin. Es wirkt zusammenziehend auf die Blutgefäße (vasokonstriktorisch) und erhöht den Blutdruck. Anscheinend kann das Fettgewebe Angiotensin bilden. Dieser Funktionszusammenhang könnte die Ursache für adipositasvermittelten Bluthochdruck sein.

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Aus der Zeitschrift DHZ - Deutsche Heilpraktiker Zeitschrift 8/2013

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