• Lavendel © Fotolia/Reicher

    Mit gezielter Verwendung von Ölen wie beispielsweise Lavendelöl lassen sich beim Mischen unterschiedliche Wirkungen erzielen.

     

Aromatherapie - Die Kunst des Mischens

Mit den Düften ist es wie mit Klängen: Einzelne Töne machen noch keine Musik, nicht jeder Akkord ist ein Wohlklang, und es bedarf der Kenntnis, Kreativität und Übung, um meisterhaft zu komponieren. Ätherische Öle wirken in Mischungen meist intensiver,da sie sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken können (Synergieeffekt). Wer selbst mischt, kann das ganze Spektrum der Öle nutzen, um individuelle und situationsgerechte Mischungen zu gestalten – mit einem Duft, der dem Anwender gefällt. Denn was gesund macht, muss nicht „gesund“ riechen. Es geht also zum einen um die Wirkung, zum anderen um die Kunst, den Duft der Öle in der Aromapflege und -therapie optimal zu nutzen.

Kleine Kompositionslehre

Auch wenn Sie nicht die „absolute“ Nase haben, können Sie mit ätherischen Ölen eigene Mischungenkreieren. Je länger Sie sich mit Düften beschäftigen, desto besser werden Sie sie kennen und unterscheiden lernen. Sie sollten sich von Ihrer Nase (ver-)führen lassen, aber immer auchdas Wissen um die Wirkweise der ätherischen Öle einbringen

Synergieeffekt nutzen

Mit Synergie ist gemeint, dass die ausgewählten ätherischen Öle und der ausgewählte Trägerstoff einander in ihrer Wirkung ergänzen, sich gegenseitig verstärken und zudem miteinander harmonieren. Zu Beginn steht die Frage: Was ist die Absicht und welche Öle helfen dabei, aus Absicht Erfolg zu machen?

Kopf-, Herz- und Basisnote

Damit das Ganze auch gut und harmonisch duftet, gehen Sie an das Mischen heran wie ein Parfümeur: Eine harmonisch duftende Mischung hat immer eine Kopfnote, eine Herznote und eine Basisnote. Eine Mischung, die Sie aus diesen drei Komponenten aufbauen, gelingt auf jeden Fall.

  • Die Kopfnote ist verantwortlich für den „Angeruch“, den Duft, den man zuerst wahrnimmt. Kopfnoten sind hauptsächlich Zitrusöle, Eisenkraut, Lemongrass, Litsea.
  • Das Element, das Kopfnote und Basisnote verbindet und harmonisiert, ist die Herznote. Sie ist verantwortlich für den „Mittelgeruch“, der den eigentlichen Charakter einer Mischung ausmacht. Hier passen alle Blütenöle.
  • Die Basisnote bilden ätherische Öle von Harzen, Hölzern, Gewürzen und Wurzeln.
  • Als Zwischenspieler eignen sich Samen-, Blätter-und Kräuteröle. So ist es möglich, unter Berücksichtigung des Duftes, der Wirkung und des Synergieeffekts eine Mischung zusammenzustellen, die eine optimale Heilwirkung hat und gleichzeitig angenehm riecht.

Mischen der Düfte

Um das Mischen zu üben, fangen Sie am besten mit Ihren Lieblingsdüften an – mit einer „überschaubaren“Komposition aus 3–5 Ölen (zumindest je eine Kopf-, Herz- und Basisnote).

  • Nehmen Sie als Trägeröl 10 ml Jojobaöl: Es hat am wenigsten Eigengeruch und ist daher fürs Üben besonders geeignet.
  • Riechen Sie an den Düften Ihrer Wahl, und versuchen Sie sich vorzustellen, ob diese Düfte zusammenpassen könnten.
  • Beginnen Sie beim Mischen mit den ätherischen Ölen für die Basisnote. Dosieren Sie sie immer sehr sparsam, da diese Öle besonders intensiv sind – geben Sie erst einmal nur einen Tropfen ins Trägeröl.
  • Auch bei der Herznote sollten Sie sehr vorsichtig mit einem Tropfen beginnen.
  • Die Kopfnote geben Sie zuletzt dazu und dürfen damit ein wenig großzügiger umgehen.
  • Wenn Sie versuchen, den Duft „rund“ zu machen, sollten Sie die Basis zuletzt verändern. Intensivieren Sie erst die Herznote, dann erhöhen Sie entsprechend die Dosierung der Kopfnote.
  • Zwischendurch verschütteln Sie alles immerwieder gut und testen den Duft auf der Haut. Allerdings wird er sich in den nächsten Wochen noch verändern. Jetzt kann man nur einen ungefähren Eindruck gewinnen – es ist Erfahrungssache, sich den fertigen Duft vorstellen zukönnen.

Brustöl bei Bronchialerkrankung: Ein Beispiel

Für eine Mischung zur Behandlung einer Bronchialerkrankung benötigt man ätherische Öle, die schleimlösend, auswurffördernd, entzündungshemmend, antibakteriell oder antiviral wirken. Dies bedeutet, dass man eine Auswahl an ätherischen Ölen trifft, die reich sind an Oxiden (wie Lorbeer oder Cajeput), Monoterpenen (wie Weißtanne, Grapefruit oder Angelikawurzel) und Monoterpenolen (wie Palmarosa oder Bergamottminze). Sinnvoll ist es auch, die psychische Befindlichkeitzu berücksichtigen. Handelt es sich z.B. um einen nervösen, gestressten Menschen, dann sollte man auch an entspannende ester- und sesquiterpenhaltige Öle denken (wie Benzoe, Lavendel fein, Zedernholz oder Ylang-Ylang komplett).

Mischung:

Als Beispiel hier eine 2 %ige Mischung für ein Brustöl:

  • 5 Tr. Grapefruit
  • 6 Tr. Lorbeer 4 Tr. Bergamottminze
  • 2 Tr. Weißtanne
  • 1 Tr. Ylang-Ylang
  • 3 Tr. Benzoe – in 50 ml süßes Mandelöl geben. Bei der Dosierung spielen die Reizwirkungen der ätherischen Öle und der Duftcharakter eine wichtige Rolle.

 

Quelle: M. Werner, R. von Braunschweig: Praxis Aromatherapie. Grundlagen - Steckbriefe - Indikationen. 4., überarbeitete Auflage. Stuttgart. Haug Verlag. 2014. S. 79-81.

Buchtipps