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Dysbiose: Von der Therapie zur Abrechnung

Der Fall einer Patientin mit Beschwerden des Magendarm-Trakts zeigt: Traditionelle Heilverfahren lohnen sich nicht nur aus therapeutischer Sicht, sie rechnen sich auch wirtschaftlich.

26 Jahre lang arbeitete sie bei einer großen Firma als Bürokauffrau, bis sich vor einem Jahr alles änderte. Eva B., 46, meldete sich zu mehreren „Entschleunigungsabenden“ in meiner Praxis an, an denen unter anderem geführte Meditationen, Fantasiereisen, Qigong, Wahrnehmungs- und Atemübungen stattfanden. Sie solle entspannen lernen, empfahl ihr Psychotherapeut. Die Frau wirkte sehr zurückhaltend, fast schüchtern oder beschämt. Nach einiger Zeit bat sie mich um einen Anamnesetermin in meiner Sprechstunde.

Zusammenbruch am Arbeitsplatz als Wendepunkt
In der Sprechstunde erzählte Eva B. von einem Vorfall vor rund einem Jahr an ihrem Arbeitsplatz. Ohne ersichtlichen Grund sei sie dort weinend zusammengebrochen. Als die Kollegen herbeieilten, wurde es noch schlimmer und sie konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Sie wurde nach Hause gebracht. Nach einem langen Gespräch mit ihrem Partner, der sich schon längere Zeit sorgte, suchten die beiden Hilfe beim Hausarzt. Die introvertierte Frau war ein sehr genauer Mensch, der viel von sich und seinem Umfeld verlangte. Momentan war sie jedoch mit allen Aufgaben und Situationen überfordert und suchte Hilfe in einer Klinik für Psychosomatik.

Der sechswöchige stationäre Aufenthalt tat Eva B. sehr gut. Allerdings rückten damit auch ihre bis dahin kaum wahrgenommenen körperlichen Symptome in den Vordergrund: massive Magen-Darm-Beschwerden, wechselnde Stuhlgewohnheiten, Durchfälle, Blähungen, Verstopfung, Magenschmerzen und Bauchkrämpfe. Schon beim Aufstehen dachte sie darüber nach, wann sie wo welche Toilette nutzen und was sie wann essen könne, damit sie ihre Darmentleerungen und Verdauung kontrollieren konnte. Außerdem litt sie an Ein- und Durchschlafstörungen, Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit, Berührungsschmerzen, wechselnden Gelenkschmerzen (zum Beispiel an Hüfte und Fuß), Migräne, craniomandibulärer Dysfunktion, Kieferschmerzen und einem HWS-Syndrom.

Bildgebende Verfahren ohne Befund
Ein Internist ließ Eva B.s Stuhl auf Pilze und pathogene Keime untersuchen. Doch ebenso wie die folgende Gastro- und Endoskopie erbrachte dies keine auffälligen Ergebnisse. Auch das MRT der schmerzenden Hüfte und das Röntgen des ebenfalls betroffenen Fußes zeigten keine pathologischen Veränderungen. Ebenso konnte der Zahnarzt am schmerzenden Kiefergelenk nichts Auffälliges feststellen, verordnete aber eine Aufbissschiene. Die Diagnosen lauteten: Reizdarm, Reizmagen, Burnout-Syndrom und depressive Verstimmung. Eva B. war seit ihrem Zusammenbruch nicht mehr am Arbeitsplatz gewesen.

Druckschmerz und Dysbiose weisen den Diagnoseweg
Bei der körperlichen Untersuchung fiel auf, dass Eva B. sehr berührungsempfindlich war. Alle Palpationsversuche musste ich deshalb wegen Schmerzen abbrechen. Den Bauch durfte ich gar nicht berühren: Schützend hielt die Frau ständig ihre Hände darüber.

Ich veranlasste Blut-und Stuhluntersuchungen. Zonulin- und Alpha-1-Antitrypsin-Werte waren unauffällig. Die beiden Permeabilitätsmarker zeigten, dass die Darmschleimhaut nicht pathologisch durchlässig war und somit kein Leaky-Gut-Syndrom vorlag. Auch der Typ-III-Nahrungsmittelallergie-Test fiel negativ aus. Bei der Auswertung der physiologischen Darmkeime zeigten sich allerdings massive Störungen: Die mukonutritive Flora war ebenso stark vermindert wie die Protektivmikrobiota: die Milchsäurestämme. Die Blutuntersuchung ergab auch einen schweren Vitamin-D-Mangel, einen leichten Vitamin-B12-Mangel und minimal veränderte Leberwerte (Gamma-GT und GPT leicht erhöht). Alle anderen Werte waren unauffällig.

Labor, Dunkelfeld und Urin-pH deuten auf Stoffwechselproblematik hin
Eva B. und ich entschieden, eine Dunkelfeldmikroskopie durchzuführen. Hierbei traten Hinweise auf eine Leberbelastung auf. Das deckte sich mit dem leicht erhöhten Wert der Lebertransaminasen: Die Patientin hatte nun schon über Monate verschiedene Schmerzmittel und Psychopharmaka eingenommen, die eventuell das Entgiftungsorgan strapazierten. Ansonsten blieb die Dunkelfeldmikroskopie, die Eva B. auf einem Bildschirm mitverfolgen konnte, ohne pathologische Befunde.

KURZ GEFASST 

1. Traditionelle Naturheilverfahren liefern für alltägliche Praxisfälle eine Fülle wirksamer Instrumente und multimodaler Therapiestrategien.

2. Bei Eva B. konnten unter anderem Ausleitungsverfahren nach gezielten regulatorischen Impulsen und Basentherapien Magen-Darm-Störungen zum Abheilen bringen.

3. Kenntnisse über das GebüH und die Erstattungspraxis von privaten Krankenversicherungen und Beihilfe erleichtern die Abrechnung und gewährleisten die Wirtschaftlichkeit der Praxis.

Die Patientin bestimmte über zwei Tage ihren Urin-pH und trug ihn in eine Tagesverlaufskurve ein. Auch hier zeigten die Schwankungen einen pathologischen Verlauf: Die Werte lagen durchweg im sauren Bereich und stiegen im gesamten Verlauf nie über 6,0.

Merke: Die Leber sollte bei allen Verdauungsproblemen mituntersucht werden.

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Aus der Zeitschrift: DHZ - Deutsche Heilpraktiker-Zeitschrift 02/2018

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