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EMDR: Heilsamer Seitenwechsel

Die EMDR-Therapie ruft belastende Gefühle und Erinnerungen wach und modifiziert diese unter taktiler, visueller oder auditiver, bilateraler Stimulation. Patientenressourcen und -erkenntnisse stehen dabei im Mittelpunkt, sowie die drei Wirkprinzipien Entkonditionierung, Aufmerksamkeitsteilung und Veränderung des synaptischen Potenzials. Im beschriebenen Fall fand die zuvor hilflose und überforderte Patientin unter der Therapie zu entscheidenden Einsichten über ihre Möglichkeiten, Ressourcen und anstehenden Lebensentscheidungen.

Die Psychotherapeutin und Begründerin der EMDR-Methode, Dr. Francine Shapiro, bemerkte bei einem Spaziergang im Park ein interessantes Phänomen: Einige Ängste und stark belastende Gedanken, die sich aufgrund einer bei ihr diagnostizierten Krebserkrankung eingestellt hatten, verschwanden ohne erkennbare Ursache und traten auch nicht wieder auf. Dies inspirierte sie, nachzuforschen: Was war an diesem Spaziergang anders? Sie erkannte, dass es die Bewegungen ihrer Augen waren, zu denen sie durch die speziellen Lichtverhältnisse verleitet war. Das warf die Frage auf: Konnten diese Reaktionen ursächlich für die Stimmungsverbesserung und das Schwinden der negativen Gedanken sein? Daraus entwickelte Shapiro das Konzept gezielter Augenbewegungen. Sie erprobte es zunächst an Freunden, Bekannten und Kollegen. Dieses Vorgehen nannte sie „bilaterale Stimulation“, eine Links-rechts-Bewegung der Augen.

Sie schloss intensive Studien mit PTBS-Patienten (Posttraumatische Belastungsstörung) an, insbesondere Kriegsveteranen und Missbrauchsopfern. Seit dieser Zeit erfolgen kontinuierlich weitere Schritte, um EMDR (für: Eye Movement Desensitization and Reprocessing) zu evaluieren und die Wirkungsweise dieser Methode wissenschaftlich zu untermauern. Mittlerweile weisen die Studien die hohe Effektivität und nachhaltige Wirkung von EMDR auch über längere Zeiträume nach.

Erinnerungen, Gefühle und Verhaltensweisen durch bilaterale Stimulation modifizieren

Im Rahmen einer EMDR-Therapie soll der Patient unter Anleitung des Therapeuten Erinnerungen an ein Trauma wachrufen. Dabei folgt er in der Regel mit den Augen den Fingern des Therapeuten, der diese schnell und rhythmisch nach links und rechts bewegt. Durch diese bilaterale Stimulation der linken und rechten Gehirnhälfte lassen sich negative Erinnerungen neutralisieren und belastende Gefühle und Verhaltensweisen modifizieren. Die Fingerbeziehungsweise Winkbewegungen finden in einer Geschwindigkeit statt, die vom Patienten als entspannend und zugleich kraftvoll empfunden wird.

Taktil, visuell, auditiv: Welche Reize sind angenehm, welche nicht?

Besonders häufig und gut bewährt in Therapien ist die bilaterale Stimulation über Augenbewegungen. In den letzten Jahren bieten Therapeuten weitere Reizmöglichkeiten an, darunter taktil (zum Beispiel sanft klopfende Berührungen durch den Therapeuten), auditiv oder visuell (Lichtreize).

Die sorgfältige Absprache (Feintuning) mit dem Patienten für das Vorgehen und die Art der bilateralen Stimulation ist ein wichtiger Therapieschritt. So können als visueller Reiz Eyemotion Glasses eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich um eine Lichtbrille, die bilaterale Lichtimpulse in der gewählten Geschwindigkeit auf die Netzhaut sendet. Patient und Therapeut können somit während des Arbeitens nach Bedarf auch Augenkontakt halten. Für manche Menschen ist das Erleben dieser passiven Stimulationsform angenehmer, als den Winkbewegungen zu folgen.

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier EMDR: Heilsamer Seitenwechsel

Aus der Deutschen Heilpraktiker-Zeitschrift 04/2020

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