Behandlungskonzepte bei Karpaltunnelsyndrom Experteninterview mit Andreas Domes

Terminhinweis: Forum DHZ – 4 Fachleute – 4 Behandlungsstrategien: Neuralgien
Gegen das Missempfinden der Hand – Behandlungskonzepte bei Karpaltunnelsyndrom
Samstag, den 4. Mai 2019, 14.15 bis 15.00 Uhr, Raum 2, AREAL BÖHLER, Düsseldorf


Was versteht man unter einem Karpaltunnelsyndrom?

Andreas Domes: Als Karpaltunnel wird die Verbindung zwischen der Innenseite des Unterarms und der Hand bezeichnet. In ihm verlaufen alle Sehnen, die wir zum Bewegen unserer Finger und Beugen der Hand benötigen sowie der Handnerv, der sogenannte Medianus-Nerv. Er ist für die Empfindungsfähigkeit des Daumens, des Zeige- und zum Teil auch des Mittelfingers zuständig. Auch steuert er verantwortlich bestimmte Hand- und Fingermuskeln.
Ein Karpaltunnelsyndrom tritt dann auf, wenn der Kanal im Verhältnis zum Raum, den die darin enthaltenen Strukturen benötigen, zu eng ist und der Nerv infolgedessen unter Druck gerät. Dann ist er in seiner Funktion beeinträchtigt. Infolgedessen kommt es zu Schmerzen und Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern oder der ganzen Hand.

Worin kann eine Verengung begründet sein?

Andreas Domes: Die Gründe sind vielfältig. Zum Beispiel kann es infolge einer Fraktur zu einer Fehlstellung des Handgelenks kommen oder aber der zur Verfügung stehende Platz wird durch eine Entzündung zu eng. In vielen Fällen schwillt das Bindegewebe aber an, ohne dass es einen erkennbaren Grund gibt.

Wie wird das Karpaltunnelsyndrom in der Regel behandelt?

Andreas Domes: Kühlende Umschläge und entzündungshemmende Medikamente können den gereizten Nerv beruhigen. Ärzte injizieren auch oft Kortison, um die Beschwerden zu lindern oder verschreiben den Patienten eine Schiene, die das Handgelenk in der Nacht in einer starren Haltung hält, um den Nerv zu entlasten. Es besteht auch die Möglichkeit, den Karpaltunnel operativ zu erweitern. Die Operation ist allerdings nur dann erfolgversprechend, wenn es sich auch wirklich um ein Karpaltunnelsyndrom handelt.

Weisen denn die Beschwerden nicht eindeutig darauf hin?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Diagnose Karpaltunnelsyndrom bei vielen Patienten in meiner Praxis nicht zutrifft. Das kann durchaus jeden zweiten oder dritten Patienten betreffen, deshalb ist eine genaue Diagnostik im HWS- und Schulterbereich notwendig. Die Patienten leiden zwar unter den beschriebenen Symptomen, die Ursache ist aber keine Verengung des Karpaltunnels. Die Auslöser liegen zum Beispiel häufig im Schultergelenk, genauer gesagt in den Muskeln und Faszien in diesem Bereich. Auch Nackenverspannungen sowie Blockaden in der Hals- und oberen Brustwirbelsäule verursachen mitunter die beschriebenen Symptome.
Ich suche daher zunächst nach Triggerpunkten, diese entsprechen oft auch Akupunkturpunkten im Arm, Schulter, Brust- oder Rückenbereich. Triggerpunkte sind kleine Knötchen in der Muskulatur. Sie können Schmerzen an Ort und Stelle sowie an scheinbar unbeteiligten Regionen des Körpers hervorrufen.

Und dann?

Andreas Domes: Entdecke ich Verhärtungen, gibt es unterschiedliche Methoden diese zu beheben und dadurch die Ursachen der Schmerzen anzugehen. Gezielte Massagen und Wärmebehandlungen helfen, Verspannungen im Bindegewebe, den Faszien, zu lösen. Häufig haben sich auch Wirbel verschoben. Bringe ich sie wieder in die richtige Position, kann sich auch die Muskulatur wieder entspannen. Schröpfen lockert das Muskelgewebe in der Tiefe und regt die Durchblutung an.
Darüber hinaus können entzündungshemmende komplexhomöopathische Medikamente, Enzyme oder die Phytotherapie die Behandlung unterstützen. Die Wirkstoffe können im Rahmen einer segmentalen Injektionstherapie, also über den jeweiligen Nervenstrang zugeordnete Injektionspunkte, eingebracht werden. Bei homöosiniatrischen Verfahren nutze ich die Akupunkturpunkte der jeweiligen Körperregion und injiziere dort zumeist einen komplex-homöopatischen Wirkstoff oder auch ein für Heilpraktiker verfügbares Lokalanästhetikum im Sinne der „kleinen“ Neuraltherapie“.
Liegt tatsächlich eine Verengung des Karpaltunnels vor, können die Faszien im Handgelenk in Mitleidenschaft gezogen sein. Mit speziellen Griffen lassen sie sich gezielt aufdehnen und lockern, so dass der Druck auf den Nerv nachlässt.

Zur Person:

Andreas Domes (verheiratet, zwei Söhne) arbeitet seit 19 Jahren als Heilpraktiker mit eigener Praxis in Mannheim. Er ist ausgebildeter Krankenpfleger und betreibt für drei städtische Pflegeheimeinrichtungen sowie für die BASF Mitarbeiterprävention. Er ist Präsident der „Fachgesellschaft für Komplex-Homöopathie“ (FAKOM) und 2. Vorsitzender der Union Deutscher Heilpraktiker (Landesverband Rheinland-Pfalz). Weitere Informationen finden Sie unter: www.natuma.de

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