Rhythmus – Brücke zwischen Wissenschaft und Heilkunst Experteninterview mit Markus Opalka

Terminhinweis:
Vortragsreihe „Rhythmus – Brücke zwischen Wissenschaft und Heilkunst“
Samstag, den 4. Mai 2019,
10.00 bis 10.45 Uhr, Rhythmik und Heilkunst: Die Soluna Spyragik (Christoph Proeller)
11.00 bis 11.45 Uhr, Hunyuan – it’s all about timing (Bastian Hölscher)
13.15 bis 15.00 Uhr, Rhythmus – Brücke zwischen Wissenschaft und Heilkunst (Dr.med. Arno Heinen und Markus Opalka, M.Sc.)
15.45 bis 16.30 Uhr, Vom Unsichtbaren zum Sichtbaren (Dipl. Päd. Katrin Boger)
Raum 5, AREAL BÖHLER, Düsseldorf

Sie bezeichnen Rhythmus als das tragende Element des Lebens. Wie genau ist das zu verstehen?

Markus Opalka: Betrachten wir unsere Körperfunktionen, fällt auf, dass ohne Rhythmus kein Leben möglich wäre. Unser Herzschlag, unsere Atmung oder unsere Hirnaktivität – alles folgt einem rhythmischen Verlauf. Auch An- und Entspannungsprozesse im Körper verlaufen zyklisch und „konstruieren“ so die dazu notwendigen Stoffwechsellagen: So folgt beispielsweise auf eine Aktivitätsphase von etwa 90 Minuten eine Regenerationsphase von etwa 30 Minuten. Die Chronobiologie beschreibt diesen Zustand auch als Biologischen-Ruhe-Aktivitätszyklus (BRAC). Wenn wir schlafen dreht sich das Verhältnis um. Die Entspannungsphasen dauern etwa 90 Minuten und die Aktivphase verkürzt sich auf 20 bis 30 Minuten. Dieser Rhythmus korrespondiert mit den Tief- und REM-Schlafphasen. Rhythmus ist demnach das ordnungsgebende Element in unserem Organismus.

Was bedeutet das für das Verständnis von Gesundheit beziehungsweise Krankheit?

Markus Opalka: Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen: Unseren Körper und unsere Gesundheit könnte man mit einem Orchester vergleichen. Die Instrumente sind unsere Organe. Gemeinsam spielen sie die persönliche Gesundheitsmelodie. Die erste Bedingung für ein Zusammenspiel ist, dass alle Instrumente strukturell einwandfrei funktionieren, also die Organe ihre Aufgabe erfüllen. Des Weiteren – und das ist noch viel entscheidender – bedarf es einer übergreifenden Ordnung, damit ein harmonisches Zusammenspiel entsteht. Die Instrumente müssen aufeinander abgestimmt sein. Jedes hat sein bestimmtes Zeitfenster, seine Qualität und auch Quantität im Verlauf der Melodie. Ansonsten wird es disharmonisch. Stimmen der Rhythmus und die Harmonie können bis zu einem gewissen Grad auch „verstimmte Instrumente“ kompensiert werden. Zu viele Unstimmigkeiten behindern jedoch das Zusammenspiel. Im übertragenden Sinne ist Krankheit eine umfassende Rhythmusstörung. Wollen wir Harmonie – also Gesundheit – wiederherstellen, reicht es nicht, die Instrumente neu zu stimmen. Viel wichtiger ist es, ihr rhythmische Zusammenspiel, im Sinne einer neuen Partitur wieder zu ermöglichen.

Wie kann das gelingen? Welche Möglichkeiten bietet die Naturheilkunde?

Markus Opalka: Die chinesische Medizin bietet hier fantastische Möglichkeiten. Bastian Hölscher zeigt in seinem Vortrag über das Hunyuan-Prinzip sehr anschaulich, welchen rhythmischen Zyklen und Vernetzungen die Energie im Körper folgt und in welcher Verbindung das zu den Lebensrhythmen steht. Erst wenn alle Organe und Systeme im Körper einem stimmigen Rhythmus folgen können, ist ein Mensch beschwerdefrei. Christoph Proeller veranschaulicht Rhythmus-Aspekte im Rahmen eines Vortrags zur Soluna Spagyrik.
Das Rhythmus ist mehr ist als die zeitliche Organisation physiologischer Prozesse wie sie die Chronobiologie beschreibt, zeigt auch der Vortrag von Katrin Boger. So wechseln sich verschiedene Lebensphasen ab und beeinflussen sich dennoch gegenseitig. So werden Traumata, die während der Schwangerschaft, der Geburt oder den ersten Lebensmonaten erlebt wurden, in erster Linie in unserem Körpergedächtnis und im vorbewussten Bereich des Gehirns, dem limbischen System, abgespeichert. Ein bewusstes Erinnern ist in späteren Jahren kaum möglich. Der Körper aber zeigt über Beschwerden, das limbische System über das emotionale Empfinden und Verhalten, weiterhin Spuren der früh erlebten Traumata. Die Ursachen dafür sind weder strukturell nicht greifbar, noch chirurgisch entfernbar. Erst wenn es gelingt, dass für uns unsichtbare mentale gestörte „Bild“ hinter diesen Prozessen zu erfassen und zu verändern, können sich auch die körperlichen Beschwerden erfolgreich behandeln.

Sie erklären das Rhythmusprinzip zum «Architekten» einer neuen Medizin. Was genau stellen Sie sich darunter vor?

Markus Opalka: Wie bereits erwähnt, muss man Rhythmus vom Begrifflichen viel weiterdenken, damit hier eine neue zukunftsfähige Medizin entstehen kann. Das werden Dr. Arno Heinen und ich in einem gemeinsamen Vortrag näher beleuchten. Vereinfacht gesagt: Alles in dieser Welt hat zwei Aspekte. Erst durch die Abgrenzung zum polaren Aspekt entsteht die eigene Identität. Licht und Schatten, laut und leise, männlich und weiblich. Wie eine Münze, hat alles immer zwei Seiten. In der medizinischen Praxis widmen wir uns aber derzeit nur einer Seite. Nämlich der, die gerade sichtbar ist: Das offensichtliche krankhafte Geschehen. Das Symptom. Dabei vergessen wir, dass diese Seite aber nie losgelöst von der anderen, der unsichtbaren Seite, wie Glaubenssätzen, Meinungen oder persönlichen Einstellungen – verstanden werden kann. Eine ganzheitliche Behandlung bedeutet nicht, schulmedizinische Maßnahmen mit naturheilkundlichen Mittel zu ergänzen. Vielmehr hat eine Medizin von morgen die Aufgabe, einen Menschen in seinem Denken, Fühlen und Handeln zu begreifen. Nur daraus können sich neue Perspektiven und Möglichkeiten der Heilung ergeben. Dazu brauchen auch wir Therapeuten neue Perspektiven und Handwerkzeug. Und genau darum geht es in dieser Vortragsreihe.

Zur Person:

Markus Opalka ist seit über 20 Jahren im Gesundheitswesen tätig. In der Natur des Ruhrgebietes führt er sein Gesundheitshaus und bietet dort naturmedizinische Kur- und Gesundheitskonzepte im rhythmischen Jahresverlauf. Als freier Autor und Dozent lehrt und forscht er im Bereich individueller Gesundheitsregulation und arbeitet derzeit an seiner Doktorarbeit zum Thema biologische Rhythmen. Für den 36. Deutschen Heilpraktikertag hat er das Programm der Vortragsreihe „Rhythmus“ zusammengestellt und moderiert die Veranstaltung. Weitere Informationen finden Sie unter www.gesundheitshaus.ruhr

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