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Gerüstet für den Notfall: Die Anaphylaxie-Strategie

Es ist Susanne K.s vierte Blutegelbehandlung und bisher hat sie keinerlei Nebenwirkungen gezeigt. Als sie Zeichen einer Anaphylaxie entwickelt, ist schnelles Handeln gefragt. Die Heilpraktikerin setzt einen Notruf ab und leistet Erste Hilfe. Mit den für den Notfall zugelassenen Medikamenten wie Antihistaminika und Glukokortikoide ist sie ausgerüstet. Die Venen der Patientin sind dünn und zart, das Legen eines Zugangs misslingt. Eine Adrenalin-Injektion hilft bis zum Eintreffen des Notarztes.

 

Ein ANAPHYLAKTISCHER SCHOCK in der Naturheilpraxis ist eine Seltenheit. Doch wie reagieren, wenn es doch zum Äußersten kommt?

Gegen 15 Uhr kommt Susanne K. (Name von der Redaktion geändert) zur geplanten Blutegelbehandlung in meine Praxis. Begleitet wird sie von ihrer Schwiegertochter. Seit Jahren leidet sie unter Varizen, und ich habe sie deswegen schon dreimal mit Blutegeln behandelt. Danach hatte sie für jeweils ein Jahr deutlich weniger Beschwerden und leichtere Beine.

Vorsicht minimiert Risiken

Auch vor diesem Behandlungstermin haben Susanne K. und ich ein Aufklärungsgespräch geführt, Kontraindikationen ausgeschlossen sowie mögliche Nachund Nebenwirkungen besprochen. Im Vorfeld habe ich ein kleines Blutbild veranlasst, dabei wird eine Anämie ausgeschlossen, denn der Blutverlust während und nach der Behandlung ist nicht zu unterschätzen. Außerdem gibt der Thrombozytenwert einen Hinweis darauf, ob die Blutgerinnung physiologisch funktioniert.

Generell sollten Patienten nach der Blutegeltherapie zwei Ruhetage einplanen. Denn wenn die Behandlung an den Extremitäten stattfindet, sollten diese überwiegend hochgelagert werden, um einen guten Lymphabfluss zu gewährleisten. Außerdem benötigt der Körper ca. 2 Tage, um die Wirkung der Blutegelenzyme zu verarbeiten. Des Weiteren weise ich immer darauf hin, dass eine Begleitperson beziehungsweise ein Fahrer sinnvoll wäre. Zum einen könnten eventuell leichte Kreislaufprobleme auftreten, zum anderen sind die Verbände nach der Behandlung sehr dick und schränken den Patienten doch sehr in seiner Beweg- lichkeit ein. Der Patient sollte vor der Behandlung viel trinken und dunkle (manchmal sind Blutflecken nicht zu vermeiden), locker sitzende Kleidung mitbringen.

Weitere Verhaltenshinweise für die Zeit vor, während und nach der Behandlung sind:
Vorher kein Parfüm verwenden, nicht rauchen oder Alkohol trinken. Blutegel haben einen außerordentlichen Geruchssinn. Düfte oder Substanzen im Blut könnten sie davon abschrecken, anzubeißen.
Während der Behandlung darf man die Blutegel nicht anfassen, um sie beim Saugen nicht zu stören und die Behandlung nicht zu beeinträchtigen.
Ein bis zwei Tage nicht oder nur mit Duschpflaster duschen und vor allem nicht kratzen. Juckreiz gehört zu den häufigsten Nachwirkungen der Blutegeltherapie und bietet die Gefahr einer Sekundärinfektion durch Abkratzen der Krusten.

Am Tag und in der Nacht nach der Blutegelbehandlung können mich Patienten bei Fragen jederzeit telefonisch erreichen.

Behandlung von Susanne K. – zunächst läuft alles gut

Ich setz drei zuvor abgeduschte Blutegel am Oberschenkel und drei am Unterschenkel an. Ich dusche die Tiere, um die Bakterienbesiedlung auf ihrer Oberfläche möglichst gering zu halten. Gegen 15:20 Uhr, also etwa 5 bis 10 Minuten nach dem Ansetzen, zeigt sich eine leichte Rötung an den Bissstellen. Da dies gelegentlich vorkommt, mache ich mir noch keine Gedanken. Gegen 15:30 Uhr jedoch beklagt Susanne K. einen Juckreiz in der Ellenbeuge. Ich sehe nach und erkenne dort Quaddeln, was ich der Patientin mitteile. Sie ist ehemalige Krankenschwester. Vermutlich ist ihr in diesem Moment genauso klar wie mir, dass dies der Beginn einer anaphylaktischen Reaktion sein könnte. Ich entferne die Blutegel sofort, indem ich mit der Rückseite einer Lanzette die Saugnäpfe sanft löse.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Gerüstet für den Notfall: Die Anaphylaxie-Strategie

Aus der Zeitschrift Deutsche Heilpraktiker-Zeitschrift 06/2018

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