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Osteopathie bei epileptischen Anfällen

Bei einem Jugendlichen mit einer symptomatisch-fokalen Epilepsie mit generalisierten tonisch-klonischen Anfällen und dyskognitiven Anfällen konnte die Anfallshäufigkeit medikamentös nicht reduziert werden, sodass nach 2,5 Jahren eine Hirn-Teilresektion geplant war. Mittels osteopathischer Therapie konnte innerhalb von 5 Monaten eine bleibende Anfallsfreiheit erreicht werden, die seit mehr als einem Jahr anhält.

Kasuistik

Anamnese

Bei dem 15-jährigen Patienten kam es im April 2016 zum 1. epileptischen Anfall. Wegen persistierender Anfälle erhielt er verschiedene Medikamente. Dennoch traten mehrfach pro Woche, besonders in Stresssituationen, wechselnd stark ausgeprägte, überwiegend dyskognitive Anfälle mit Bewusstseinsverlust, starrem Blick und häufig anschließendem Nachschlaf auf. Die Anfälle ereigneten sich zu wechselnden Tageszeiten, auch unter der begonnenen ketogenen Diät bestanden weiterhin Anfälle. Im Wach-EEG mit Hyperventilation zeigte sich ein kombinierter Herdnachweis rechts temporal in Form einer intermittierenden Verlangsamung mit Sharp Waves und Sharp Slow Waves. Im MRT ließ sich ein Kavernom im rechten Parietallappen nachweisen.

Die Diagnose lautete: symptomatisch-fokale Epilepsie mit generalisierten tonisch-klonischen Anfällen und dyskognitive Anfälle mit und ohne Adversivbewegung des Kopfes bei z. B. Einblutung eines Kavernoms rechts parietal.

Wegen der Therapieresistenz war eine Hirnoperation mit Teilresektion geplant.

Befund und Behandlung

Bei der Vorstellung in meiner Praxis 2,5 Jahre nach dem 1. Anfall lagen neben den beschriebenen epileptischen Anfällen auch rezidivierende Rückenschmerzen mit Bewegungseinschränkungen vor. Bei der Untersuchung fanden sich neben Dysfunktionen der Beckengelenke (Sakroiliakalgelenk und Iliosakralgelenk) mit adaptiven Funktionsstörungen v. a. im BWS-Bereich auch Blockaden der Handgelenke sowie ein Atlas-Shift nach links. Viszeral war der Befund unauffällig, kraniosakral waren die horizontale und vertikale Dura gespannt und somit auch die Beweglichkeit beider Ossa temporalia eingeschränkt. Außerdem zeigte sich eine kraniale venöse Kongestion.

Je nach erhobenem Befund erfolgte die osteopathische Behandlung. Während der ersten 4 – 5 Behandlungen traten die Anfälle statt 2 – 3-mal pro Woche nur noch alle 2 – 3 Wochen auf. Nach jedem Anfall lagen wiederum Blockaden der mittleren BWS und ein Atlas-Shift links mit gleichem kraniosakralen Ausgangsbefund vor. Da die Pathophysiologie eines epileptischen Anfalls – wenn auch mit Sturz – nicht den Erfordernissen für ein Atlas-Shift entsprach (seitlicher Anprall an Atlas oder Schädel), vereinbarten wir alle 2 – 3 Tage Kontrolluntersuchungen. Es zeigten sich wiederholt BWS-Blockaden, nur selten eine Atlas-Hypomobilität links. Der Patient nahm Apydan® extent und Lamotrigin ein.

5 Monate nach der Erstbehandlung lag eine Anfallsfreiheit vor, die nun seit 1,5 Jahren besteht. Mittlerweile kommt der Patient alle 4 – 6 Wochen zur Kontrolluntersuchung und ggf. werden Blockaden (meist 1 – 2 in der oberen BWS) gelöst. Kraniosakral sowie viszeral jeweils unauffälliger Befund.

Bei den neuropädiatrischen Kontrolluntersuchungen war jeweils das EEG mit Hyperventilation unauffällig (kein sicherer Herdnachweis, keine umschriebene Verlangsamung, keine epilepsietypischen Potenziale). Es wurde die Wiederaufnahme von Sport unter Beibehaltung der aktuellen Medikation empfohlen, da in der Vergangenheit Sport auch als Auslöser aufgetreten war. Abzuwarten bleibt das Kontroll-MRT, um die Entwicklung des diagnostizierten Kavernoms im rechten Parietallappen zu kontrollieren, nachdem im EEG-Befund der Herdbefund nicht mehr nachweisbar war.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Osteopathie bei epileptischen Anfällen
aus der Zeitschrift Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 04/2020

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Quelle

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