Senkt mäßige Bewegung die Diabetes-Häufigkeit?

  • Podometer Schrittzähler DMW Thieme Verlag

    Foto: Ashstar1

     

Mehrere Studien empfehlen als eine Basis gesunden Lebensstils 10.000 Schritte pro Tag zu gehen (Tudor-Locke C und Bassett DR, Sports Med 2004; Tudor-Locke C et al., Int Behav Nutr Phys Act 2011). Ob auch weniger Aktivität ausreicht, um das Risiko für einen Typ 2-Diabetes zu senken, war indes bisher nicht klar.

Amanda Fretts von der University of Washington in Seattle und ihre Kollegen haben diese Frage bei einer Subpopulation der Strong Heart Family Study untersucht. Sie bezogen alle Personen in ihre Analyse ein, bei denen initial weder Diabetes noch kardiovaskuläre Erkrankungen vorlagen. In der Gesamtpopulation der Studie ist Diabetes ebenso wie starke Adipositas häufi, körperliche Aktivität dagegen wenig ausgeprägt.

1826 erwachsene Studienteilnehmer, darunter 1149 (62,9 %) Frauen, nahmen an den nötigen Nachuntersuchungen teil. Der mittlere Body-Mass-Index lag bei 32 kg/m², bei 178 Teilnehmer wurde bei Studienbeginn ein Prädiabetes diagnostiziert. Die körperliche Aktivität der Probanden wurde mit einem Podometer aufgezeichnet, den sie über einen Zeitraum von sieben Tagen vom Aufstehen bis zum Zubettgehen an ihrer Hüfte trugen, lediglich Baden und Schwimmen waren davon ausgenommen. Es zeigte sich, dass sich Jüngere und Männer sich mehr bewegen: Die mittlere Schrittzahl betrug bei den unter 55-jährigen Männern pro Tag 6696 und bei den gleichaltrigen Frauen 4770. Über 55-Jährige erreichten im Durch-schnitt 5.513 beziehungsweise 3.452 Schritte. Insgesamt bewegten sich die Teilnehmer eher wenig – fast 26 % der unter 30-Jährigen und 35 % der mindestens 50-Jährigen erreichten nicht einmal 3.500 Schritte am Tag.

In den 5 Jahren des Follow-Ups trat in 243 Fällen ein Typ-2 Diabetes neu auf. Personen, die sich pro Tag weniger als 3.500 Schritte bewegten – entsprechend dem Viertel, dass sich am wenigsten bewegte – waren einem höheren Diabetesrisiko ausgesetzt als die Personen, die mehr als 3.500 Schritte täglich zurücklegten. Die Autoren sprechen von einem Schwelleneffkt: Wer mehr als 3.500 Schritte ging, hatte eine 29 % geringere Wahrscheinlichkeit Diabetes zu entwickeln als Personen unter diesem Wert. Schrittzahlen über dem Schwellenwert 3.500 Schritte brachten keine nennenswerte Verbesserung des Diabetesrisikos. Die Studie unterstreicht körperliche Inaktivität als einen wichtigen Risikofaktor für die Entwicklung von Diabetes. Sie legt zudem nahe, zu körperlicher Aktivität anregende Schulungen und Beratungsprogramme einzusetzen, die vor allem auf inaktive Personen abzielen.

Fazit:
Mit nur mäßiger Aktivität – mindestens 3.500 Schritte täglich – könnten Übergewichtige ihr Diabetesrisiko um fast ein Drittel senken, folgern die Autoren. Vorläuferstudien gehen von einem Effkt bereits ab 2.500 zusätzlichen Schritten aus – die vorliegende Studie stützt die Annahme, dass schon deutlich weniger Bewegung als die empfohlenen 10.000 Schritte am Tag gesundheitliche Vorteile bringt. Aus der Originalveröffentlichung wird jedoch nicht deutlich, ob während des Beobachtungszeitraums beziehungsweise am Studienende der Gewichtsverlauf sowie die Schrittzahl der Probanden abermals überprüft wurden.

Dr. Katja Flieger, Berlin; Diabetologie & Stoffwechsel

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