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Kaufunktion und Ernährungsstatus

Obwohl ein Zusammenhang zwischen Ernährungsstatus und Defiziten bei Zahnstatus sowie Kau- und Gebissfunktion bereits seit Langem bekannt ist, sind die Ursachen nach wie vor unklar. Eine negative Auswirkung eines unzureichenden Gebisszustands auf den Ernährungszustand ist gleichwohl anzunehmen, da zweifelsfrei ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Gebisszustand und Kaufunktion besteht. Insbesondere alte Patienten im Krankenhaus und in der stationären Pflege stellen eine besondere Risikogruppe für Fehl- und Mangelernährung dar.

2014 wurde in einem Pflegereport der gesetzlichen Krankenkassen auf eine zahnmedizinische Unterversorgung von Alten und Pflegebedürftigen hingewiesen. Aus diesem Grund bedarf es dringend geeigneter Screeningverfahren, die eine Abschätzung des Gebisszustands auch durch Nichtzahnmediziner mit hinreichender Validität ermöglicht. In interdisziplinärer Zusammenarbeit wurde dazu ein einfaches aber effizientes Screeningverfahren im Sinne eines dentalen geriatrischen oder gerontostomatologischen Assessments entwickelt. Das Verfahren beruht letztlich auf der Bewertung der Zerkleinerung einer standardisierten Karottenscheibe und erreicht eine hohe Validität (AUC-Wert von 0,8). Damit steht ein geeignetes Bedside-Assessment, auch für den Nichtzahnarzt bei geriatrischen Patienten zur Verfügung.

Zahnstatus und Ernährungszustand

Zahlreiche Hinweise existieren, dass ein unzureichend versorgtes bzw. rekonstruiertes Kauorgan messbar mit einem nicht zureichenden Gesamternährungszustand korreliert ist. Auch besteht grundsätzlich ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der vorhandenen oder durch Zahnersatz ersetzten Zähne und der Zerkleinerungsfähigkeit eines Gebisses. Vornehmlich werden die Zusammenhänge jedoch unidirektional dargestellt; d. h. es wird die Auswirkung einer falschen bzw. unzureichenden Ernährung auf das Kauorgan beschrieben (z. B. Zuckerkonsum → Karies; Vitamin-C-Mangel → Skorbut → Zahnverlust; Diabetes → Parodontopathie). Dies ist umso erstaunlicher, als dass 5 der 10 gegenwärtig in der westlichen Welt häufigsten Todesursachen eine nachgewiesene ernährungsbedingte Komponente haben (Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Lebererkrankungen und einige maligne Tumoren). Auch konnten in mehreren Studien bei Patienten mit mangelhaftem oral-dentalen Funktionszustand und einem niedrigen Body-Mass-Index (BMI), eine geringere Albuminkonzentration im Serum sowie Defizite unterschiedlichster Mikronährstoffe gegenüber vergleichbaren bezahnten Patienten gefunden werden – im Mini Nutritional Assessment (MNA) wiesen diese Patienten auch häufig niedrige Scores auf und ernährten sich selektiv, z. B. häufiger von breiigen Speisen als zahnärztlich adäquat versorgte Patienten – ein funktioneller Beweis in Bezug auf die Kaufunktion wurde damit jedoch nicht erbracht. Ein Verlust von mehr als 5 Zähnen führt bereits zu Veränderungen der Nahrungsmittelauswahl. Dennoch ist es bis heute unklar, was die ursächlichen und was die abhängigen Faktoren für den Ernährungszustand sind. Entscheidungen für eine bestimmte Speise werden nämlich in der Regel nicht durch die Notwendigkeit geleitet, ein bestimmtes Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Vielmehr spielen Faktoren wie Gewohnheit und vor allem auch der Geschmack des Einzelnen eine erhebliche Rolle. Besonders Patienten in Pflegeheimen können oftmals nur sehr eingeschränkt über ihren Speiseplan bestimmen.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Kaufunktion und Ernährungsstatus 

G. Kolb

Aus der Zeitschrift Aktuelle Ernährungsmedizin 4/16

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