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Akutes respiratorisches Versagen durch Silikon-Injektion

Ein 35-jähriger Patient stellte sich mit Fieber, Dyspnoe und Petechien in der Notaufnahme einer Universitätsklinik vor. Im Röntgen-Thorax zeigten sich bipulmonale Infiltrate. 5 Tage zuvor hatte sich der Patient Silikonöl als kosmetischen Laieneingriff subkutan in den Penis injizieren lassen. Bei zunehmender respiratorischer Verschlechterung musste der Patient analgosediert und intubiert werden. Im CT des Thorax und in der Bronchoskopie zeigte sich eine diffuse alveoläre Hämorrhagie. Die Diagnose einer Pneumonitis mit einem schweren akuten respiratorischen Versagen aufgrund eines Silikon-Embolisations-Syndroms wurde gestellt. Neben Bauchlagerung und Lungen-protektiver Beatmung wurde mit einer Kortison-Stoß-Therapie behandelt. Nach 19 intensivstationären Behandlungstagen konnte der Patient auf die Normalstation verlegt werden. In der ambulanten Nachsorge zeigte sich eine altersentsprechende Lungenfunktion.

Ein 35-jähriger Patient wurde in der Rettungsstelle eines Universitätsklinikums aufgrund von Fieber, unproduktivem Husten und progredienter Dyspnoe vorstellig. Die Atemfrequenz war mit 18/min erhöht, die periphere Sauerstoffsättigung 93 % bei Raumluftatmung und der venöse CO2-Partialdruck 38,7 mmHg. Blutdruck und Herzfrequenz waren nicht pathologisch verändert. Auskultatorisch fielen beidseits pulmonale Rasselgeräusche auf. Im Aufnahmelabor zeigten sich hohe Entzündungszeichen (Leukozyten 14,65/nl, Neutrophile 10,19/nl, C-reaktives Protein 282 mg/l) und im Röntgen-Thorax bipulmonale Infiltrate, sodass unter der Annahme einer ambulant erworbenen Pneumonie nach Abnahme der mikrobiologischen Materialien eine kalkulierte Antibiotika-Therapie mit Ampicillin/Sulbactam und Clarithromycin initiiert wurde. Klinisch auffällig waren die am gesamten Körper gleichmäßig verteilten petechialen Einblutungen ([Abb. 1 a]). Eine Thrombozytopenie lag nicht vor, und in der Anamnese ergab sich kein Hinweis auf eine Thrombozytenfunktionsstörung. Aufgrund der respiratorischen Insuffizienz, der bilateralen Infiltrate und der Petechien ungeklärter Ursache wurde der Patient auf eine Normalstation aufgenommen. Der CRB-65 Wert war 0, gemäß der S3-Leitlinie „Ambulant erworbene Pneumonie“ lag weder ein Notfall noch ein deutlich erhöhtes Risiko vor, und es war nur ein Minorkriterium erfüllt (Multilobäre Infiltrate).

Bei dem Patienten bestand als Komorbidität Asthma bronchiale, klinisch ergab sich aber kein Anhalt für eine akute Exazerbation. Drogengebrauch wurde verneint. Im Vorfeld bestand keine B-Symptomatik im Sinne von ungewolltem Gewichtsverlust, Nachtschweiß, erhöhter Körpertemperatur oder allgemeiner Leistungsschwäche. Die Reiseanamnese war leer. Der Patient berichtete über gleichgeschlechtliche Sexualkontakte ohne Risikoverhalten. Ein HIV-Test war negativ.

Aufgrund der Schwere der radiologischen Veränderungen, der relevanten und zunehmenden respiratorischen Insuffizienz mit steigendem Sauerstoffbedarf und der unklaren Genese wurde eine diagnostische Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage zur Erregerdiagnostik und weiterer Differenzialdiagnostik an Tag 2 des stationären Aufenthaltes anberaumt. Unmittelbar vor der Bronchoskopie berichtete der Patient im Vier-Augen-Gespräch über einen kosmetischen Eingriff am Penis, im Rahmen dessen Silikonöl (Dimeticon 350) subkutan injiziert wurde. Der Eingriff war 5 Tage vor der Erstvorstellung zu Hause durchgeführt worden. In der Vorgeschichte hatte der Patient mehrmalig derartige Laieneingriffe ohne gesundheitliche Probleme erfahren. Das als „medizinisch“ bezeichnete, für die topische Anwendung angebotene Silikonöl wurde online erworben.

In der diagnostischen Bronchoskopie zeigte sich beidseits eine diffuse Hämorrhagie. Eine bronchoalveoläre Lavage wurde in einem Subsegment von S4 links durch Instillation und unmittelbares Absaugen von 7 × 20 ml und 1 × 10 ml NaCl 0,9 % mit einer insgesamten Recovery von > 100 ml durchgeführt. Ein Erreger konnte mikroskopisch und kulturell nicht nachgewiesen werden, und auch die Multiplex-PCR konnte keine Nukleinsäuren gängiger pathogener respiratorischer Viren nachweisen. Differenzialdiagnostisch wurde auch eine Autoimmunopathie in Betracht gezogen. Jedoch ergaben sich weder anamnestisch noch laborchemisch Hinweise auf eine Autoimmunerkrankung.

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Aus der Zeitschrift: Pneumologie 10/2019

 

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