• Umfrage

     

Anderthalb Dekaden Disease-Management-Programme – Eine Bilanz zum Status quo aus hausärztlicher Sicht

Im Jahr 2003 wurden die Disease-Management-Programme (DMP) zur Verbesserung der Versorgung chronisch kranker Patienten im ambulanten Bereich eingerichtet. Seitdem wurde insbesondere unter Hausärzten immer wieder kontrovers über Sinn und Nutzen der strukturierten Behandlungsprogramme diskutiert. Die vorliegende Studie geht der Frage nach, welche Einstellungs- und Erfahrungswerte Hausärzte in Bezug auf DMP vertreten, wie sie diese anderthalb Dekaden nach ihrer Einführung bilanzieren und wo sie Verbesserungsbedarfe ausmachen.

Eine zentrale Herausforderung im Gesundheitswesen stellt der Ausbau von Versorgungsstrukturen für die bessere Diagnostik, Therapie und Prävention von chronischen Erkrankungen dar. Um einen Beitrag für eine solche Effektivierung der Versorgung zu leisten, wurden im Jahr 2003 in Deutschland die Disease-Management-Programme (DMP) als gesetzlich vorgeschriebene Behandlungsprogramme im ambulanten Bereich eingerichtet. Kernelemente bestehen in einer Strukturierung der Behandlungsabläufe und einer klaren Orientierung von Diagnostik und Therapie an aktuellem medizinischem Wissen unter Berücksichtigung evidenzbasierter Leitlinien. Zudem soll eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Versorgungsebenen (Haus- und Fachärzte, Kliniken, Reha-Einrichtungen) erreicht werden, etwa durch verordnungsrechtliche Aufgaben- bzw. Therapiebeschreibungen und festgelegte Untersuchungsintervalle („Versorgungskette“). Eine konsequente Dokumentation aller Untersuchungs- und Behandlungsergebnisse dient der Abstimmung einzelner Versorgungsschritte und damit der Vermeidung unnötiger Doppeluntersuchungen.

Neben der regelmäßigen Betreuung von eingeschriebenen Patienten werden teilnehmende Ärzte durch DMP-Pflichtfortbildungen regelmäßig geschult. Ferner müssen Arztpraxen, die eine Behandlung im Rahmen von DMP anbieten, festgelegte Qualitätsanforderungen erfüllen, was Veränderungen im Praxisablauf bedeuten kann. Je nach Programm werden auch strukturierte Patientenschulungen zur therapeutischen Unterstützung und/oder Prävention angeboten. Eine einheitliche elektronische Dokumentation dient der fortlaufenden Evaluation und Qualitätssicherung. Hierzu werden Behandlungsdaten zentral erfasst und teilnehmenden Ärzten zwecks Selbstkontrolle über Feedback-Berichte erreichte Behandlungsfortschritte rückgespiegelt.

Wirksamkeit von DMP

Im Zusammenhang mit DMP wird darauf verwiesen, dass teilnehmende Patienten besser über ihre Krankheit sowie assoziierte Risiken informiert sind und ihre Therapieadhärenz höher liegt. Hinsichtlich nachweisbarer Effekte von DMP sind für den deutschen Versorgungskontext bislang allerdings nur wenige belastbare Wirksamkeitsstudien vorgelegt worden. Eine Wirksamkeitskontrolle ist auf Basis der gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentationen zumeist nicht ohne Weiteres möglich, da eine Kontrollgruppe fehlt. Darüber hinaus bestehen unbekannte Störgrößen, die nur durch eine strikte Randomisierung – die ethisch und praktisch oftmals nicht umsetzbar ist – neutralisiert werden können.

Für das DMP Diabetes mellitus Typ 2 zeigen mehrere Studien günstige Effekte für Mortalität und Prozessparameter. Eine multizentrische, jedoch nicht randomisierte Querschnittsstudie untersuchte jüngst den Nutzen der DMP Asthma bronchiale und COPD. Hier konnten die Autoren weder bei der Krankheitskontrolle noch bei der Lebensqualität klinisch relevante Vorteile für DMP-Teilnehmer belegen. Eine erste Wirksamkeitsanalyse für das DMP KHK lässt trotz der methodischen Limitationen positive Tendenzen mit Blick auf Mortalität, Kostenentwicklung und leitlinienbasierte Medikation erkennen.

Anders als in Deutschland, wo belastbare Wirksamkeitsnachweise zu DMP noch am Anfang stehen, konnten im Ausland nützliche Effekte vergleichbarer Programme im Rahmen klinisch randomisierter Studien bereits häufiger belegt werden.

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Anderthalb Dekaden Disease-Management-Programme – Eine Bilanz zum Status quo aus hausärztlicher Sicht

Aus der Zeitschrift: Deutsche Medizinische Wochenzeitschrift 06/2020

Call to Action Icon
Die neue DMW Jetzt kostenlos testen!

THIEME NEWSLETTER

Quelle

Buchtipps

Algorithmen quick für den Hausarzt
Philippe Furger, Mireille SchaufelbergerAlgorithmen quick für den Hausarzt

Flussdiagramme zu Differentialdiagnose und Befundabklärung

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

PraxisSkills Allgemeinmedizin
Jost SteinhäuserPraxisSkills Allgemeinmedizin

EUR [D] 39,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Gastroenterologie für Hausärzte
Timo FischerGastroenterologie für Hausärzte

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.