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    LDL-Senkung im Initial-stadium der Aortenklappen-stenose doch sinnvoll

     

Aortenstenose

Obwohl epidemiologische Studien in der Vergangenheit einen Zusammenhang zwischen erhöhten LDL-Cholesterin-Werten und einer Kalzifizierung der Aortenklappe vermuteten, konnten prospektive Studien keinen protektiver Effekt durch medikamentöse LDL-Cholesterin-Senkung nachweisen. Eine kanadische Arbeitsgruppe untersuchte nun den Sachverhalt erneut auf der Basis genomweiter Assoziationsstudien (GWAS).
Smith et al. Association of Low-Density Lipoprotein Cholesterol-Related Genetic Variants With Aortic Valve Calcium and Incident Aortic Stenosis. JAMA 2014; 312: 1764–1771

 

Genomweite Assoziationsstudien verfolgen das Ziel, Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) zu identifizieren, die mit unterschiedlichen Phänotypen verbunden sind. Basierend auf solchen genetischen Varianten erstellten die Autoren gewichtete genetische Risikoscores (GRS) für verschiedene Lipidfraktionen (LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride). In der Vergangenheit konnte gezeigt werden, dass solche gewichteten genetischen Risikoscores gut mit der Höhe der verschiedenen Plasmalipidfraktionen im Laufe des Lebens korrelieren.
Kalizifizierung der Aortenklappe und Aortenklappenstenose korrelieren mit LDL-Cholesterin GRS

In die Analyse einschlossen wurden 6942 Patienten der CHARGE-Kohorte (Cohort for Heart und Aging Research in Genomic Epidemiology) und 28 461 Patienten der MDCS (Malmö Diet and Cancer Study). In der CHARGE-Kohorte wurde die Kalzifizierung der Aortenklappe mittels Computertomografie gemessen. Hierbei zeigte sich eine signifikante Assoziation des Kalkgehaltes der Aortenklappe mit dem GRS für LDL-Cholesterin, nicht aber mit dem GRS für HDL-Cholesterin oder für Triglyceride. In der MDCS erfolgte eine klinische Verlaufsbeobachtung der Patienten über einen Zeitraum von > 15 Jahren. Hier wurde eine Assoziation zwischen dem GRS für LDL-Cholesterin mit dem klinischen Endpunkt einer Aortenklappenstenose sichtbar.

Die Autoren führen aus, dass die LDL-Cholesterin-assoziierte Schädigung der Aortenklappe wahrscheinlich in einem frühen Stadium erfolgt und dass später, wenn die Schäden manifest sind, andere Faktoren wie beispielsweise hämodynamische Kräfte den Verlauf der Erkrankung stärker beeinflussen. Dies könnte möglicherweise die Diskrepanz der negativen Ergebnisse aus prospektiven Interventionsstudien zu den epidemiologischen Erkenntnissen erklären: Alle bisherigen lipidsenkenden Interventionen wurden zu einem Zeitpunkt durchgeführt, zu dem die Schädigungen der Klappe schon sichtbar waren.

Fazit

Die Analyse von Daten aus genomweiten Assoziationsstudien zeigte einen klaren Zusammenhang zwischen der Prädisposition zu erhöhten LDL-Cholesterinwerten und der Kalzifizierung und Stenosierung der Aortenklappe. Interventionsstudien mit lipidsenkenden Medikamenten haben bisher möglicherweise zu spät angesetzt. Es sollten randomisierte Studien durchgeführt werden, bei denen die lidpidsenkende Therapie viel früher einsetzt, so die Autoren.

 

Aus der Zeitschrift Aktuelle Kardiologie 2/2015; Dr. Katharina Franke, Darmstadt

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Quelle

Aktuelle Kardiologie
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