Appendizitis – Antibiotika statt Operation

  • Blinddarm Appendizitis Innere Medizin Georg Thieme Verlag

     

Traditionell ist bei akuter Appendizitis die Appendektomie die Behandlungsmethode der Wahl. Eine Operation kann jedoch mit Komplikationen einhergehen, wie Wundinfektionen oder Lungenentzündungen. Eine Studie aus Italien untersuchte Effektivität und Sicherheit des Einsatzes von Antibiotika bei der Behandlung einer akuten unkomplizierten Appendizitis.

Innerhalb von Fall-Kontroll-Studien erreichen Patienten mit einer vermuteten akuten Appendizitis, die chirurgisch oder nicht-chirurgisch behandelt werden, nach einem Jahr Rezidivraten von etwa 14 %. Die Studie „Non Operative Treatment for Acute Appendicitis“ (NOTA) orientierte sich an diesem Wert. 2010 wurden in die Studie 159 Patienten mit Verdacht auf eine Appendizitis eingeschlossen. Diese erhielten ein nicht-operatives Management (NOM) mit Amoxicillin / Clavulansäure. Das Follow-up betrug 2 Jahre. Erfasst wurden Outcomes zur Effektivität und Sicherheit sowie mögliche Prädiktoren für ein Therapieversagen.

Drei Viertel der Betroffenen waren weiblich
Bei 118 der 159 berücksichtigten Patienten handelte es sich um Frauen. Der durchschnittliche „Appendicitis Inflammatory Response“-(AIR-)Score betrug 4,9 (Spanne: 3–10) und der Alvarado-Score 5,2 (Spanne: 5–9). Nach 7 Tagen war die NOM-Versagensrate 11,9 %. Alle Patienten, die initial nicht auf die Therapie ansprachen, wurden innerhalb von 7 Tagen operiert.

Rezidivrate unter 14 %
Bis zum Tag 15 traten keine Rezidive auf. Nach 2 Jahren belief sich die Gesamt-Rezidivrate auf 13,8 %. Schwerwiegende Nebenwirkungen waren nicht feststellbar. Unterleibsschmerzen wurden unter anderem mithilfe der numerischen Rating-Skala gemessen. Die medianen Scores waren nach 5 und 7 Tagen jeweils 3 und 2. Die Autoren ermittelten eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Krankenhaus von 0,4 Tagen, die durchschnittliche Gesamtzahl der Krankentage betrug 5,8 (gegenüber durchschnittlich 10 Tagen nach einer Appendektomie). Bei 83 % der Patienten war auch nach 2 Jahren Follow-up keine Operation nötig. AIR- und Alvarado-Score – nicht aber deren Einzelfaktoren – erwiesen sich im Rahmen einer multivariaten Analyse als einzige unabhängige Prädiktoren für ein NOM-Versagen, diese korrelierten aber nicht mit dem Auftreten von Rezidiven. Die Gesamtkosten des NOM inklusive Antibiotika betrugen 316,20 € pro Patient.

Fazit
Nach 2-jähriger Nachbeobachtung lag die Rezidivrate bei Patienten, die bei Verdacht auf eine akute Appendizitis mit Antibiotika behandelt wurden, unter 14 %. Die Behandlungsmethode erwies sich zudem als sicher und kosteneffektiv. Laut den Autoren könnten durch die Vermeidung unnötiger Appendektomien die Operationsraten, die operationsbedingten Risiken sowie die Gesamtkosten gesenkt werden.


Quelle: Zeitschrift für Gastroenterologie 11/2014; Dr. Frank Lichert, Weilburg