Neue Bahandlungsoption bei Schilddrüsenkarzinom

  • Schilddrüse Karzinom Innere Medizin Thieme Verlag

     

Die derzeitige Therapie differenzierter Schilddrüsenkarzinome umfasst die chirurgische Resektion und/oder die Therapie mit dem radioaktiven Jod-Isotop 131Jod. Bei bis zu einem Viertel der Patienten kommt es aber zu Fernmetastasen, die im Verlauf auf die Radiojodtherapie nicht mehr ansprechen. In diesem Fall gibt es bislang keine Standardtherapie. Brose et al. stellen jetzt eine neue Option vor. Lancet 2014; 384: 319–328

Zwischen November 2009 und August 2011 hat die internationale Arbeitsgruppe insgesamt 416 Patienten in die doppelblinde Phase-III-Studie DECISION aufgenommen. Einschlusskriterium war das Vorliegen eines regional fortgeschrittenen oder metastasierten differenzierten Schilddrüsenkarzinoms, das innerhalb der letzten 14 Monate progredient gewesen war, auf die Gabe von 131J nicht (mehr) ansprach und eine effektive Suppression der Schilddrüsenaktivität aufwies (Thyreoidea-stimulierendes Hormon [TSH] < 0,5 mU/l). Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip im Verhältnis 1:1 einer von zwei Gruppen zugewiesen. Die Teilnehmer der ersten Gruppe erhielten zweimal täglich je 200 mg Sorafenib, die der zweiten Gruppe Placebo. Primärer Endpunkt war die progressionsfreie Überlebenszeit; sekundäre Endpunkte umfassten u. a. die Gesamtüberlebenszeit, sowie die Zeit bis zum Auftreten einer Progression.

Die Auswertung ergab eine signifikant längere mediane progressionsfreie Überlebenszeit unter Sorafenib als unter Placebo (10,8 Monate vs. 5,8 Monate; Hazard Ratio 0,59; p < 0,0001). Dieser Vorteil war in allen vorab spezifizierten Subgruppen nachweisbar und unabhängig von der Altersgruppe (< 60 vs. ≥ 60 Jahre), Histologie (papillär, follikulär, schlecht differenziert), vom Vorhandensein von Lungen- bzw. Knochenmetastasen und von der Intensität der Radiojod-Vorbehandlung. Insgesamt 150 Patienten, die ursprünglich Placebo erhalten hatten, waren nach einer Progression in die Sorafenib-Gruppe übergewechselt. Die Gesamtüberlebenszeit zeigte dagegen keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Zum Zeitpunkt der Auswertung (August 2012) war der Medianwert noch nicht erreicht. Ansprechraten bzw. Krankheitskontrollraten waren jeweils in der Verumgruppe signifikant höher.

Unerwünschte Wirkungen traten unter Sorafenib bei 98,6% der Patienten auf und unter Placebo bei 87,6%. Am häufigsten waren Hand-Fuß-Syndrom (76,3%), Diarrhöen (68,6%), Haarausfall (67,1%) und Hautausschläge bzw. -abschuppungen (50,2%).

Fazit
Wenn die Standardtherapie ausgereizt ist, könnte Sorafenib beim differenzierten Schilddrüsenkarzinom eine neue Behandlungsoption darstellen, meinen die Autoren. Neue Sicherheitsbedenken hätten sich durch die vorliegenden Daten nicht ergeben.

Kommentar zur Studie
Sigurdis Haraldsdottir und Manisha Shaw von der Ohio State University sehen die Ergebnisse der Autoren als Meilenstein bei der Behandlung des therapierefraktären Schilddrüsenkarzinoms. In Anbetracht des langsamen Tumorwachstums und der hohen Crossover-Rate von Placebo zu Sorafenib sei der (bislang) fehlende Unterschied bei dem „harten“ Endpunkt der Gesamtüberlebenszeit verständlich. Zukünftige Studien sollten nun untersuchen, wann die Behandlung optimalerweise beginnen sollte, welche Dosierungen in welchem Schema am besten wirken und welche onkogenen Stoffwechselwege der Wirkung zugrunde liegen.
Lancet 2014; 384: 286–288

Sponsoring: Die Studie wurde von Bayer Health Care und Onyx Pharmaceuticals finanziert.

Quelle: DMW 39/14; Dr. med. Elke Ruchalla, Trossingen

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