BMI: Überproportionaler Risikoanstieg für bestimmte Krebsarten

  • Übergewicht Adipositas Innere Medizin Georg Thieme Verlag

     

Eine Reihe von Studien deutet darauf hin, dass mit ansteigendem BMI auch das Risiko für bestimmte Krebsarten zunimmt. Für 22 häufige bösartige Tumore haben Bhaskaran et al. diesen Zusammenhang jetzt im Detail untersucht. Lancet 2014; 384: 755–765

Für ihre prospektive Kohortenstudie griffen die Autoren auf die Daten des UK Clinical Practice Research Datalink-Registers (CPRD) zu, das von Hausärzten in Großbritannien gespeist wird. Hieraus zogen sie Informationen von 5,24 Mio. Menschen über 16 Jahren (54,4% Frauen), bei denen aktuelle Angaben zum BMI vorlagen und zu Studienbeginn keinerlei Krebserkrankung bekannt war. Eine erstmalige Krebsdiagnose, Tod sowie der Austritt aus dem CPRD-Register dienten als Endpunkte. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 7,5 Jahre. Für 22 Krebsarten, die zusammen über 90% aller bösartigen Tumorerkrankungen in Großbritannien ausmachen, modellierten die Autoren mittels Cox-Regressionsanalyse mögliche Assoziationen zwischen Erkrankungsrate und BMI. Hierbei untersuchten sie lineare Zusammenhänge. Zusätzlich rechneten sie Faktoren heraus, die das jeweilige Erkrankungsrisiko nicht-proportional beeinflussen könnten (z.B. das Rauchverhalten).

Bei 17 der 22 untersuchten Krebsarten stand das Risiko, daran zu erkranken, mit dem BMI in Zusammenhang; in 13 Fällen war dieser Zusammenhang linear. Die stärkste lineare Assoziation bestand bei Gebärmutterhalskrebs (Hazard Ratio 1,62 pro Zunahme des BMI um 5 kg/m2; 95%-Konfidenzintervall 1,56–1,69). Positive lineare Zusammenhänge fanden sich auch für Krebserkrankungen von Gallenblase, Niere, Schilddrüse und bei Leukämie. Bei bösartigen Tumoren in Lunge und Mundhöhle waren die Erkrankungsraten von Nie-Rauchern nicht mit dem BMI assoziiert. Dagegen korrelierte das Risiko von Rauchern, Lungenkrebs zu bekommen, invers mit diesem Wert. Bei Eierstock- und Brustkrebs ergaben sich für prä- und postmenopausale Frauen unterschiedliche Zusammenhänge zwischen Erkrankungsrisiko und BMI: So nahm das Brustkrebsrisiko unabhängig vom Alter bis zu einem BMI von 22 mit diesem zu. Darüber blieb es bei Frauen nach der Menopause konstant, während es bei Frauen, die sich noch nicht in der Menopause befanden, mit weiter steigendem BMI stark abnahm. Ähnliche Muster fanden sich beim Risiko, ein multiples Myelom zu bekommen sowie für Männer beim Risiko für Prostatakrebs.

Fazit
Laut den Autoren würde ein Anstieg des durchschnittlichen BMI der britischen Bevölkerung um 1 kg/m2 dazu führen, dass 3790 Patienten pro Jahr zusätzlich an einer der Krebsarten erkranken würden, die positiv mit dem BMI assoziiert sind. Daher empfehle es sich dringend, strategisch gegen die weitere Ausbreitung von Übergewicht und Adipositas vorzugehen.

Kommentar zur Studie
P.T. Campbell, Atlanta, vertraut den Ergebnissen der Studie, welche die Resultate früherer Arbeiten größtenteils bestätige. Er weist aber auf Limitationen hin: Daten zum BMI würden vor allem bei z.B. Diabetes Typ 2 oder Gallensteinen erfasst. Diese erhöhen das Krebsrisiko, wodurch ein Selektionsbias entstanden sein könnte. Dennoch leite sich aus den Ergebnissen der Studie ein klarer Appell an die Politik ab, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit die Menschen weniger Kalorien zu sich nehmen und sich mehr bewegen.
Lancet 2014; 384: 727–728

Sponsoring: Die Studie wurde von zwei öffentlichen Institutionen finanziert.

Quelle: DMW 46/2014; Dr. Maren Emmerich, Stuttgart

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