• Lunge

     

Charakteristika von Palliativpatienten mit Atemnot

Atemnot ist ein häufiges und belastendes Symptom bei Patienten mit einer fortgeschrittenen, unheilbaren und lebensbedrohlichen Erkrankung.

Atemnot wird von der American Thoracic Society definiert als “…ein subjektives Erleben erschwerter Atmung, das in seiner Ausprägung schwanken kann. Die Art der Empfindung wird von einem komplexen Zusammenspiel physiologischer, psychologischer, sozialer und umweltbedingter Faktoren beeinflusst“.

Die Prävalenz von Atemnot unterscheidet sich je nach der Grunderkrankung und nimmt mit nahendem Tod zu. Die Prävalenz von Atemnot bei Tumorerkrankungen variiert zwischen 16–77 %, abhängig von der Tumorentität und der Art der Erhebung. Atemnot ist am häufigsten bei Patienten

  • mit Lungenkrebs (72 %),
  • chronischer Herzinsuffizienz (88 %),
  • interstitieller Lungenerkrankung (93 %) und
  • bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) (bis zu 98 %).

In Deutschland leben 80,5 Mio. Menschen, davon sind 46,7 Mio. über 40 Jahre alt. Basierend auf aktuellen Prävalenzangaben für die fortgeschrittene COPD (0,8 % im Alter ≥ 40 Jahre, GOLD Stadien III-IV) oder den fortgeschrittenen Lungenkrebs (76 100, 5-Jahresprävalenz, 32 %/36 % Stadium III / IV) leiden etwa 37 200 Patienten mit Lungenkrebs und 365 500 Patienten mit COPD unter Atemnot.

Atemnot schränkt sowohl die Lebensqualität der Patienten als auch ihrer Angehörigen stark ein. Obwohl das Symptom Atemnot und seine Behandlungsoptionen zunehmend wissenschaftlich erforscht werden, gibt es bisher wenige Untersuchungen über die demografischen und klinischen Charakteristika von Patienten. Es ist außerdem bisher nicht eindeutig geklärt, ob das Vorhandensein und die Intensität von Atemnot zur Abschätzung der Überlebenszeit von schwer kranken Patienten herangezogen werden kann.

Deshalb war das Ziel der vorliegenden Arbeit, die demografischen und klinischen Charakteristika von Patienten mit Atemnot (PmA) im Vergleich zu Patienten ohne Atemnot (PoA) aus spezialisierten stationären Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland zu beschreiben.

Methoden

Die vorliegende Untersuchung ist eine Sekundäranalyse von prospektiv multizentrisch erhobenen nationalen Patientendaten (Beobachtungsstudie) aus stationären spezialisierten Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Die erhobenen Daten wurden im Querschnitt (Zeitpunkt der stationären Aufnahme) sowie im Längsschnitt (Überleben) ausgewertet. Die Studie wurde von der Ethikkommission der Universität Göttingen genehmigt (Antragsnummer 3/2/09).

Datensatz | Die Hospiz- und Palliativ-Erfassung (HOPE, www.hope-clara.de) ist eine jährliche, prospektive, standardisierte, deutschlandweite Erhebung, in der seit 1999 demografische und klinische Patientendaten gesammelt werden. An HOPE nehmen verschiedene Einrichtungen teil:

  • Palliativstationen
  • Hospizen
  • onkologische Abteilungen
  • palliativmedizinische Dienste
  • ambulante palliativärztlichen und –pflegerische Diensten

Über einen Zeitraum von drei Monaten werden in den teilnehmenden Einrichtungen konsekutiv 30 Patienten bei der Aufnahme und Entlassung bzw. beim Todeszeitpunkt anonymisiert erfasst. Der sogenannte Basisbogen bildet den Kerndatensatz und umfasst unter anderem:

  • demografische Patientendaten
  • klinische Angaben
    o Diagnose
    o Krankheitsstadium
    o Symptom- und Problemcheckliste
    o Therapie
    o Medikation

Daten aus HOPE wurden bereits mehrfach für wissenschaftliche Studien herangezogen.

Die vorliegende Untersuchung beruht auf HOPE-Daten aus spezialisierten stationären Hospiz- und Palliativeinrichtungen aus den Jahren 2006–2008. Für die Ermittlung der Sterbefälle und der Liegezeiten wurden als zweiter Dokumentationszeitpunkt die Entlassung, der Tod oder das Ende der Dokumentationsphase herangezogen.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Charakteristika von Palliativpatienten mit Atemnot

Aus der Zeitschrift DMW 10/2016

Call to Action Icon
DMW Jetzt kostenlos testen!

THIEME NEWSLETTER

Quelle

Buchtipps

Praxiswissen Palliativmedizin
Christoph GerhardPraxiswissen Palliativmedizin

Konzepte für unterschiedlichste palliative Versorgungssituationen

EUR [D] 29,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.