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Chronische Niereninsuffizienz in der Hausarztpraxis

Die Mehrheit der von nicht dialysepflichtiger, chronischer Niereninsuffizienz (NDCKD) betroffenen Patienten wird von Hausärzten betreut. Dies gilt insbesondere für Patienten mit Niereninsuffizienz im Stadium 1–3 nach KDIGO. Hill schätzten eine weltweite Prävalenz der NDCKD in der Bevölkerung von ca. 10 %, Girndt et al. erfassten 2011 eine Prävalenz in der deutschen Wohnbevölkerung von 12,7 %. Eine CKD wird diagnostiziert bei eingeschränkter Nierenfunktion (glomeruläre Filtrationsrate (GFR) < 60 ml/min) über 3 Monate und/oder Nachweis einer Proteinurie, genauer Albuminurie. Relevante Risikofaktoren für eine NDCKD sind kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus und hohes Alter. Ein Großteil der Bevölkerung ist von relevanten Risikofaktoren betroffen.

Mit seiner Position im Gesundheitssystem kann der Hausarzt diese Risikopatienten frühzeitig erkennen. Die Erkennung und Behandlung der NDCKD im frühen Krankheitsstadium ist wichtig, um die Progression zu verlangsamen und Folgeerkrankungen zu verhindern. Die internationale Literatur divergiert hinsichtlich der Güte der Versorgung von Patienten mit NDCKD im hausärztlichen Setting. Sowohl Nephrologen als auch Allgemeinmediziner sprechen sich für eine enge Zusammenarbeit aus. Dennoch liegt die Überweisungshäufigkeit unter den Empfehlungen der derzeitigen Leitlinien (z. B. KDIGO). Deutsche Erhebungen zeigen Lücken hinsichtlich der Effekte von Monitoring und Behandlung. Aus diesem Grund haben wir eine explorative Fragebogenstudie zur Erfassung der Rolle des Hausarztes in der Betreuung von NDCKD-Patienten initiiert. Die geschätzte Häufigkeit, der Einsatz von Diagnostik und Therapie sowie dazu genutzte Hilfsmittel sollten unter Berücksichtigung des beruflichen Hintergrunds und der Erfahrung der antwortenden Hausärzte erfragt werden.

Methodik

Stichprobe + Stichprobenschätzung

Grundlage der Studie bildete eine Gesamtheit von 3274 Ärzten (Stand: Mai 2019), bestehend aus Daten von 1826 hausärztlich tätigen Ärzten in Sachsen (Fachärzte für Allgemeinmedizin, Praktische Ärzte) und 1448 in Sachsen-Anhalt (Fachärzte für Allgemeinmedizin, Praktische Ärzte und hausärztlich tätige Internisten). Die Daten stammten aus Adresslisten der Kassenärztlichen Vereinigungen Sachsen (2019) und Sachsen-Anhalt (2018). Aufgrund fehlender Unterscheidungsmöglichkeiten zwischen Fachärzten für Allgemeinmedizin, Praktischen Ärzten und hausärztlich tätigen Internisten in der sächsischen Liste wurden hier jegliche Internisten außen vorgelassen. Auf Basis einer Poweranalyse (95 %-KI, Präzision 5 %) wurde auf n = 344 beantwortete Fragebögen fokussiert. Bei einer Ziel-Response-Rate von 25,0 % wurden 1130 (34,5 %) der hausärztlich tätigen Ärzte in die Befragung einbezogen. Die Stichprobenziehung erfolgte in beiden Listen separat. Nach fortlaufender Nummerierung wurden mithilfe einer Statistiksoftware (Excel 2010) zufällig insgesamt 1130 Zahlen aus den Listen ausgewählt. Den ausgewählten Hausärzten wurde der Fragebogen postalisch zugesandt.

Fragebogenerstellung

Es wurde ein selbstentwickelter, 2-seitiger Fragebogen mithilfe von Fachärzten für Allgemeinmedizin, Psychologen und Nephrologen erstellt. Ziel war die Erfassung arztindividueller Angaben zur Betreuung der NDCKD. Unter anderem wurden 4-stufige Likert-Skalen ausgewählt. Die Antwortkategorien waren hierbei kontextbezogen. Allgemein war Kategorie 1 starke Ablehnung und Kategorie 4 starke Zustimmung.

Nach erfolgreicher Pilotierung erfolgte der Versand im Juni 2019. Aufgrund der annehmbaren „face validity“ erschien eine weitere Validierung entbehrlich. Nach einer Rücklaufphase von 8 Wochen wurde die Inkludierung der Antwortbögen beendet. Bögen mit mehr als 3 fehlenden Angaben wurden nicht in die Auswertung eingeschlossen. Die Ärzte erhielten keine Incentives für die Teilnahme an der Befragung.

Statistik

Die statistische Auswertung erfolgte mittels SPSS 20. Nach einer deskriptiven Beschreibung der Daten wurden Subgruppen auf Unterschiede untereinander untersucht. Metrisch verteilte und metrisch nicht normalverteilte sowie ordinal verteilte Items wurden mittels H-Tests nach Kruskal-Wallis sowie Mann-Whitney-U-Test geprüft. Häufigkeitsunterschiede kategorialer Items wurden mittels χ²-Test geprüft.

Ergebnis

Von den 1130 versandten Fragebögen wurden 372 zurückgesandt. Die sozioepidemiologischen Merkmale der Teilnehmer sind in [Tab. 1] dargestellt. Insgesamt 64,5 % der rückgesandten Bögen stammten aus Sachsen (Rücklaufquote: 38,2 %; n = 240), 35,5 % aus Sachsen-Anhalt (Rücklaufquote: 27,3 %; n = 132). Unterschiede zwischen der Stichprobenpopulation und der Gesamtpopulation der Hausärzte waren nicht signifikant.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Nicht dialysepflichtige, chronische Niereninsuffizienz in der Hausarztpraxis – eine Fragebogenstudie unter Hausärzten
aus der Zeitschrift DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift

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