• Unterbauchschmerzen

     

Zusammenhänge zwischen körperlichen Beschwerden und psychischer Struktur

Das chronische Unterbauchschmerzsyndrom („Chronic Pelvic Pain Syndrome“, CPPS) ist ein Krankheitsbild mit hoher Prävalenz, ohne jedoch mit den auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen hinreichend verstanden zu sein. Es ist gekennzeichnet von anhaltenden Schmerzen unterschiedlicher Intensität und Qualität im Unterbauch.

Neben anderen psychosozialen Faktoren für das Verständnis des CPPS wurden zuletzt auch Zusammenhänge mit Mentalisierungs- und Bindungsstörungen diskutiert. Unsere Studie untersucht die Ausprägung von Persönlichkeitsdimensionen nach ICD-10/DSM-IV sowie der psychischen Struktur nach OPD-2 und deren Zusammenhang mit der urologischen Symptomausprägung (erhoben mit dem NIH-Fragebogen) und der subjektiven Schmerzwahrnehmung (erhoben mit dem MPQ).

Methoden: In einer CPPS-Spezialsprechstunde wurden 109 Patientinnen und Patienten mit standardisierten Fragebögen zur Persönlichkeitsdiagnostik untersucht. Die Ergebnisse wurden mit Referenzstichproben verglichen. Zusätzlich wurden Zusammenhänge zwischen den Persönlichkeitsaspekten und der urologischen Symptomausprägung und der subjektiven Schmerzwahrnehmung erhoben. Die Auswertung basierte auf einem Datensatz, in dem fehlende Werte mittels multipler Imputation ersetzt wurden.

Ergebnisse: Im Vergleich zu den Normstichproben ließen sich nur in einzelnen Strukturdimensionen sowie im Selbstbild Auffälligkeiten finden. Darüber hinaus war die Korrelation zwischen der subjektiven Schmerzwahrnehmung und den meisten gemessenen Persönlichkeitsaspekten signifikant positiv, wohingegen die urologische Symptomausprägung nicht mit Persönlichkeitsaspekten in Zusammenhang stand.

Diskussion und Schlussfolgerung: Hinsichtlich der gemessenen Persönlichkeitsaspekte waren die PatientInnen mit CPPS mit den Normstichproben vergleichbar, allerdings zeigte sich ein Zusammenhang zwischen verschiedenen Persönlichkeitsaspekten und der subjektiven Schmerzwahrnehmung. Unabhängig von der urologischen Symptomausprägung war die subjektive Schmerzwahrnehmung assoziiert mit Schwierigkeiten im Umgang mit sich selbst und Anderen. Diese Erkenntnisse sollten in psychotherapeutischen Konzepten berücksichtigt werden.

Das chronische Unterbauchschmerzsyndrom (engl. Chronic Pelvic Pain Syndrome, CPPS) ist gekennzeichnet von anhaltenden Schmerzen unterschiedlicher Intensität und Qualität und kann im Unterbauch verschiedene Lokalisationen betreffen. Es betrifft Männer und Frauen und wird in urologischen und gynäkologischen Leitlinien definiert (European Association of Urology, National Institute of Health, Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe). Die Symptome betreffen einzelne Organsysteme (z. B. „Chronic Prostatitis Syndrome“, „Chronic Bladder Pain Syndrome“ oder „Chronic Vulva Pain Syndrome“) oder betreffen assoziierte Strukturen wie Muskeln und Sehnen (z. B. Beckenbodenschmerzen, Schmerzen bei Harndrang). Es verursacht einen starken Leidensdruck, ohne jedoch hinsichtlich der auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen hinreichend verstanden zu sein. Die Prävalenzangaben unterliegen weltweit abhängig von der untersuchten Grundgesamtheit und den genutzten Instrumenten großen Schwankungen. Bei Frauen werden Punktprävalenzen bis 25% und bei Männern bis zu 18% berichtet.

Die Beschwerden wie auch die vermutete Pathogenese umfassen sowohl im Unterbauch gelegene Organe und Strukturen als auch psychische Einflussfaktoren. Dieser Komplexität wird mithilfe eines multifaktoriellen Modells Rechnung getragen, das ein Zusammenspiel aus infektiologischen, urogenitalen, neurologischen und psychologischen Faktoren beachtet. Mit dem „UPOINT“-System fand dieses multifaktorielle Verständnis eine konzeptionelle Umsetzung zur Klassifikation und ist in den aktuellen europäischen Leitlinien der urologischen Fachgesellschaft verankert.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Chronische Unterbauchschmerzen und Persönlichkeit – Zusammenhänge zwischen körperlichen Beschwerden und psychischer Struktur

Aus der Zeitschrift PPmP - Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie 11/2015

 

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