Depression und Herzinfarkt

Psyche beeinflusst Koronardurchblutung – und umgekehrt

Frauen unter 60 Jahren haben eine erhöhte Sterblichkeit nach akutem Myokardinfarkt (AMI). Ein Risikofaktor für ungünstige Verläufe bei AMI sind depressive Symptome. Dies wird durch aktuelle Studienergebnisse unterstützt, wonach jüngere Herzinfarkt-Patientinnen häufiger an Depressionen leiden als gleichaltrige Männer.

Die Studie an 3572 Patienten zwischen 18 und 55 Jahren mit akutem Herzinfarkt (AMI) fand in 103 Zentren in den USA, Spanien und Australien statt. 67,1 % der Patienten waren weiblich. Mit PHQ-9-Fragebögen wurden während des stationären Aufenthalts Informationen zur psychischen Situation erhoben. Hierbei galt ein PHQ-9-Wert ≥ 10 als Kriterium für eine mittlere bis schwere depressive Störung. Erfasst wurden zudem:

  • Depressionen in der Vergangenheit,
  • depressive Symptome in den letzten 2 Wochen vor dem Infarkt,
  • soziodemografischer Status (Alter, Ethnie),
  • sozioökonomischer Status (z. B. Ausbildung, Versicherungsstatus),
  • kardiovaskuläre Risikofaktoren (z. B. Diabetes, bestehende KHK, Rauchen).

Die Patientencharakteristika waren bei Männern und Frauen ähnlich, wobei eine geringere Anzahl der Frauen weiß und verheiratet war. Die Studienteilnehmerinnen hatten eine höhere Prävalenz von Diabetes, Adipositas, malignen Leiden und chronischen Lungenerkrankungen. Allerdings hatten sie niedrigere Cholesterinspiegel als die männlichen Patienten.

48 % der Frauen und 24 % der Männer berichteten über vorausgegangene depressive Episoden (p < 0,0001). Bei stationärer Einweisung aufgrund des AMI litten mehr Frauen als Männer unter Depressionen (39 vs. 22 %). Dies entsprach einem korrigierten Odds ratio von 1,64 (95 %-Konfidenzintervall 1,36–1,98; p < 0,0001). Depressive Patienten hatten ein signifikant höheres Stressniveau und eine schlechtere Lebensqualität (p < 0,001).

Sowohl Männer als auch Frauen mit AMI hatten 3 × häufiger depressive Störungen als die Normalbevölkerung. Insbesondere Patienten mit niedrigem sozioökonomischen Profil und kardiovaskulären Risikofaktoren litten öfter an entsprechenden Symptomen. Von den Probanden mit Depressionen in der Vergangenheit hatten mehr als doppelt so viele Frauen PHQ-9-Werte ≥ 10 als Männer (26 vs. 10 %; p < 0,0001). Generell wurden bei Frauen in allen drei Ländern höhere PHQ-9-Werte registriert.

Viele Herzinfarkt-Patienten unter 55 Jahren haben auch depressive Symptome. Die Studie gibt jedoch keinen Aufschluss darüber, ob die Depression aufgrund des Infarkts auftritt oder vielmehr dem Ereignis zugrunde liegt. Dennoch können die Studienergebnisse helfen, Präventions- und Interventionsprogramme gezielt auf gefährdete Patientengruppen abzustimmen, so die Autoren.

 

Aus der Zeitschrift DMW 13/2015; Depression und Herzinfarkt: Psyche beeinflusst Koronardurchblutung – und umgekehrt; Susanne Bossenmayer

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