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Der Placeboeffekt in der Schmerztherapie – für den klinischen Alltag nutzbar? Ja, unbedingt!

Als Placeboeffekte bezeichnet man positive physiologische oder psychologische Veränderungen, die nach einer Einnahme von Medikamenten ohne spezifischen Wirkstoff oder Scheineingriffen auftreten und durch Erwartungs- und Konditionierungsprozesse induziert werden.

Die mit Placeboeffekten einhergehenden neurobiologischen und peripher-physiologischen Vorgänge können auch bei der Vergabe von wirkstoffhaltigen Medikamenten eine wichtige Rolle spielen und sind somit nicht zwingend an die Gabe eines Scheinmedikamentes gebunden. Die Darreichung von „traditionellen“ Placebos ist im klinischen Alltag aus juristischen und ethischen Gründen höchst problematisch. Dieser Beitrag zeigt neben neuen Erkenntnissen zu offenen Placebo-Anwendungen (Open-Label Placebos) Wege auf, wie die zugrundeliegenden Mechanismen von Placeboantworten dennoch gezielt im schmerztherapeutischen Alltag genutzt werden können, um die Wirksamkeit, Verträglichkeit und Compliance bestehender pharmakologischer und anderer Therapien zum Wohle des Patienten zu optimieren.

Placebos und Schmerztherapie: Ein Fallbeispiel

Auf einer Normalstation befindet sich eine 52-jährige Patientin, die aufgrund einer Zunahme ihrer Fibromyalgie bedingten Schmerzen den diensthabenden Arzt der Notaufnahme in der Nacht um Hilfe bittet. Die bestehende Schmerztherapie mit Metamizol und Ibuprofen sei nicht ausreichend. Der Dienstarzt lässt der als „schwierig“ wahrgenommenen Patientin eine rote Placebo-Tablette aushändigen und bittet den Pfleger ihr zu erklären, dass diese „Spezialmedikation“ schon jedem geholfen habe. In der Morgenvisite berichtet sie begeistert über die gute Wirkung und wünscht das Medikament nun auch tagsüber zu erhalten, sodass ihr weiterhin die Placebo-Tabletten verabreicht werden. Im Entlassgespräch fragt die Patientin dann interessiert nach dem Namen des Präparates und bittet um Erwähnung im Arztbericht um sich das Medikament für Notfälle besorgen zu können. Auch die gute Wirkung der Placebobehandlung und das lange und intensive Gespräch über die Natur der wirkstofffreien Tablette kann das gestörte Vertrauen der Patientin in das Behandlungsteam nach der Aufklärung nicht reparieren.

Dieses hypothetische Beispiel verdeutlicht gleichsam, wie wirksam Placebos sein können, aber auch das damit verbundene ethische Dilemma. Dieser Beitrag fasst aktuelle Befunde zu den psychologischen und neurobiologischen Mechanismen von Placeboeffekten und deren Einfluss auf aktive pharmakologische und andere schmerztherapeutische Behandlungen zusammen und zeigt auf, wie Placeboeffekte sogar ganz ohne die Anwendung von Scheinmedikamenten genutzt werden können, um die Wirksamkeit und Verträglichkeit von schmerztherapeutischen Behandlungen zu verbessern.

Von der Wissenschaft in die Praxis

Als Placeboeffekte bezeichnet man positive physiologische oder psychologische Veränderungen, die nach einer Einnahme von Medikamenten ohne spezifischen Wirkstoff oder Scheineingriffen auftreten. Zu diesen zählen der natürliche Verlauf einer Erkrankung, statistische Phänomene und die sogenannte Placeboantwort. Diese beschreibt Symptomveränderungen, welche durch die Erwartungshaltung von Patienten bezüglich der Wirkung einer Therapie, Lernprozesse sowie die Behandler-Patienten-Kommunikation hervorgerufen werden. Wie Untersuchungen der letzten Jahrzehnte demonstrieren, unterliegen der Placeboantwort komplexe neurobiologische und physiologische Vorgänge.

Essentiell für die klinische Nutzung von Placeboeffekten ist das Verständnis, dass Placeboantworten nicht nur im Rahmen von wissenschaftlichen Placebobehandlungen auftreten, sondern auch im Rahmen pharmakologischer oder anderer spezifischer Behandlungen den Erfolg einer Therapie substantiell beeinflussen können. Dieses Potenzial ist mittlerweile auch metaanalytisch belegt. Dem gegenüber stehen sogenannte Noceboantworten, unter denen man das Auftreten oder die Verschlimmerung von Symptomen oder unerwünschten Wirkungen zusammenfasst, die durch eine negative Erwartung oder Vorerfahrung, aber nicht durch die medizinische und/oder pharmakologische Behandlung selbst entstehen. Auch hier belegen Metaanalysen, dass ein großer Anteil von Nebenwirkungen nicht auf die pharmakologische Substanz selbst, sondern auf die damit verknüpfte Vorerfahrung oder Erwartung zurückzuführen ist. In den folgenden Absätzen sollen die psychologischen und neurobiologischen Grundlagen von Placebo- und Noceboantworten erläutert und klinische Implikationen erörtert werden.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Der Placeboeffekt in der Schmerztherapie – für den klinischen Alltag nutzbar? Ja, unbedingt!
aus der Zeitschrift Aktuelle Rheumatologie

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Quelle

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