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Diabetes und Herzinsuffizienz

Der Diabetes mellitus ist eine wichtige Komorbidität bei Patienten mit Herzinsuffizienz. Liegen beide Erkrankungen gemeinsam vor, verschlechtert dies die Prognose der Patienten nachhaltig. Um das Outcome zu verbessern, sind eine suffiziente Diagnostik und eine differenzierte medikamentöse Therapie von entscheidender Bedeutung. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Epidemiologie, Pathogenese, Diagnostik und therapeutischen Optionen.

Die Herzinsuffizienz als prognostisch wichtige Erkrankung für Morbidität und Mortalität bei Patienten mit Diabetes mellitus ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus geraten. Die Tatsache, dass sich bei Patienten mit Diabetes mellitus eine Kardiomyopathie entwickeln kann, ohne dass eine koronare Herzerkrankung vorliegt, hat 1972 erstmalig zur Beschreibung der „diabetischen Kardiomyopathie“ geführt. Seitdem wird die Existenz dieses Krankheitsbildes höchst kontrovers diskutiert. Eine Ursache hierfür sind die immer noch nicht vollständig verstandenen, zugrunde liegenden pathophysiologischen Veränderungen. In der 2016 publizierten Leitlinie zur Herzinsuffizienz wurde neben den Krankheitsbildern Herzinsuffizienz mit erhaltener systolischer Funktion (HFpEF) und Herzinsuffizienz mit reduzierter systolischer Funktion (HFrEF) eine dritte Entität eingeführt: Herzinsuffizienz mit mittelgradig eingeschränkter systolischer Funktion (HFmrEF), die eine Ejektionsfraktion von 40–49 % beschreibt. Da alle bisher erhobenen Daten auf der alten Einteilung basieren, konzentriert sich der vorliegende Beitrag auf Patienten mit reduzierter bzw. erhaltener Pumpfunktion. Aufgrund der Relevanz des Diabetes mellitus für die Herzinsuffizienz sind die Therapiemöglichkeiten des Diabetes bei gleichzeitig bestehender Herzinsuffizienz ein weiteres Thema.

Epidemiologie

Der Diabetes mellitus ist ein weltweit zunehmendes Problem. Im Jahr 2015 waren weltweit über 415 Millionen Menschen im Alter über 20 Jahren betroffen und für das Jahr 2040 wird ein weiterer Anstieg auf 642 Millionen Individuen erwartet. Dabei entfielen 2017 allein auf Europa 66 Millionen Fälle, was einer Prävalenz von 9,1 % entspricht.

Die Prävalenz der Herzinsuffizienz hängt von der verwendeten Definition und der betrachteten Altersgruppe ab. Insgesamt beträgt sie 1–2 % in der Gesamtbevölkerung; mit zunehmendem Alter nimmt sie auf über 10 % bei den über 70-Jährigen zu. Bei Patienten mit Diabetes mellitus tritt die Herzinsuffizienz nicht nur häufiger, sondern vor allem bereits im jüngeren Lebensalter auf.

Herzinsuffizienz bei Diabetes

Verschiedene epidemiologische Studien der vergangenen Jahre belegen die Assoziation von Diabetes mellitus und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko sowie einer häufigeren Herzinsuffizienz. Bereits eine gestörte Nüchternglukose, auch als „Prädiabetes“ bezeichnet, führt dazu, dass eine Herzinsuffizienz wahrscheinlicher wird (Hazard Ratio 1,2–1,7):

  • Die multizentrische und multiethnische MESA-Studie (MESA = Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis) schloss insgesamt 6814 Patienten mit KHK und einem Follow-up über 4 Jahre ein. Etwa 2 Drittel der Patienten entwickelten im Verlauf eine Herzinsuffizienz mit eingeschränkter linksventrikulärer Funktion, wobei das Risiko für Patienten mit Diabetes höher war als für Patienten mit Prädiabetes.
  • In ähnlicher Weise untersuchte die Kaiser-Permanente-Northwest-Datenbank an 17 077 Probanden das Auftreten einer Herzinsuffizienz bei Individuen mit Diabetes mellitus im Vergleich zu alters- und geschlechtsgematchten Kontrollen. Die Studie demonstrierte eine 2,5-fach erhöhte Inzidenz der Herzinsuffizienz bei Diabetes mellitus: 30,9 je 1000 Patientenjahre bei Individuen mit Diabetes mellitus vs. 12,4 je 1000 Patientenjahre in der Kontrollgruppe.
  • Ähnliche Zahlen ergaben sich in der Heart-and-Soul-Studie, die Patienten mit stabiler KHK ohne Vorgeschichte einer Herzinsuffizienz über 4,1 Jahre untersuchte. Patienten mit Diabetes wiesen ein doppelt so hohes Risiko für die Entstehung einer Herzinsuffizienz auf als solche ohne Diabetes. Selbst nach Adjustierung für andere Risikofaktoren der Herzinsuffizienz wie Alter, Blutdruck oder Übergewicht verblieb der Diabetes als unabhängiger Risikofaktor (Hazard Ratio 3,34). Ferner zeigte sich eine Assoziation zwischen Erhöhung des HbA1c-Wertes und einer Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz: Eine Erhöhung des HbA1c um 1 % ging mit einem um 36 % erhöhten Risiko für eine Hospitalisierung einher.
  • Die REACH-Registerstudie (REACH = The Reduction of Atherothrombosis for Continued Health) schloss insgesamt 45 227 Patienten, davon 19 699 mit Diabetes, ein und verfolgte diese über 4 Jahre nach. Auch hier konnte ein Diabetes mellitus als unabhängiger Risikofaktor für den kardiovaskulären Tod und Myokardinfarkt identifiziert werden. Ferner ergab sich ebenfalls eine um 33 % höhere Hospitalisierungsrate gegenüber Individuen ohne Diabetes mellitus.

Diese Daten demonstrieren das deutlich erhöhte Risiko für Patienten mit Diabetes mellitus, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Diabetes und Herzinsuffizienz
aus der Zeitschrift DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift 

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