• Dünndarmkapselendoskopie Innere Medizin Georg Thieme Verlag

     

Dünndarmkapselendoskopie: Neue ESGE-Leitlinie 2015

Durch technologische Verbesserungen rückt die Kapselendoskopie bei Dünndarmerkrankungen immer mehr in den Fokus. Zunehmend wird das Verfahren auch von niedergelassenen Gastroenterologen angeboten. Die aktualisierte ESGE-Leitlinie gibt nun eine evidenzbasierte Orientierungshilfe, wann die Methode eingesetzt werden sollte.

Die Leitlinie zur Dünndarmkapselendoskopie (DKE) wurde aktuell von der European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) überarbeitet. Grundlage war eine umfassende Literaturrecherche in speziellen Expertengremien. Die Kernaussagen und konkreten Empfehlungen der ESGE für die Praxis zu den häufigsten Dünndarmerkrankungen werden im Folgenden dargestellt.

 

Obskure Gastrointestinalblutung (GIB)

  • Empfehlung: DKE bei unauffälliger Gastro- bzw. Koloskopie


Die Detektionsrate der Blutungsquelle beträgt 60,5 % (57,2–63,9 %). Die DKE sollte möglichst früh nach der Blutungsepisode erfolgen (optimal: innerhalb von 14 Tagen). Eine vormals unauffällige Gastro- bzw. Koloskopie muss vor der DKE nicht wiederholt werden (Fall-zu-Fall-Entscheidung).

Vorgehen bei Nachweis einer Blutungsquelle:

  • Ballonenteroskopie (Single / Double), um die Läsion zu bestätigen und zu behandeln.

Vorgehen bei bestehender Blutung und unauffälliger DKE:

  • Wiederholung der DKE,
  • Ballonenteroskopie (Single / Double)
  • oder CT-Untersuchung

Vorgehen bei sistierter obskurer GIB mit unauffälliger DKE:

  • konservative Therapie (Blutungsrisiko ist gering: 5,6 % über 19 Monate).


Eisenmangelanämie

Empfehlung: umfassende Anamnese, Ileokoloskopie und Gastroduodenoskopie mit Biopsien


Eine DKE wird nur zur weiteren Dünndarmabklärung bei unauffälliger Gastro- und Koloskopie empfohlen – falls nötig und vor anderen Untersuchungsmethoden.

 

Morbus Crohn

Empfehlung: Ileokoloskopie

Vorgehen bei unauffälligem Befund und fehlender Stenosesymptomatik:

  • DKE ohne vorherige Bildgebung

Vorgehen bei auffälligem Ileokoloskopiebefund:

  • Bildgebung (CT/MRT), auch zur Beurteilung extraintestinaler Manifestationen (Fisteln, Abszesse)
  • DKE nur dann, wenn das Ergebnis die Therapie beeinflussen würde.

Vorgehen bei Strikturen, Fremdkörpern, Dünndarmblutungen:

  • Ballonenteroskopie (Single / Double)

Vor der DKE rät die ESGE, die Dünndarmdurchgängigkeit durch eine selbstauflösende PillCam-Patency-Kapsel zu prüfen. Bleibt diese stecken, sollten primär Steroide gegeben werden, um M. Crohn-Stenosen zu weiten. Gelingt dies nicht, sollte die Kapsel mittels Doppel- / Single-Ballonenteroskopie geborgen werden. Die ESGE empfiehlt zur DKE bei V. a. M. Crohn:

Patientenselektion im Vorfeld, um die Aussagekraft der DKE zu erhöhen:

  • Anamnese,
  • serologische und
  • fäkale Entzündungsmarker.

Mind. 4 Wochen Therapiepause nichtsteroidaler Antirheumatika (können M. Crohn-ähnliche Läsionen verursachen).


Dünndarmtumore

Empfehlung: Frühe DKE, wenn eine obskure Blutung bzw. Eisenmangelanämie nicht anderweitig erklärbar sind. Im Vorfeld der DKE sind spezifische Untersuchungen nur nötig bei

  • Stenosesymptomatik
  • Dünndarm-Op in der Anamnese.

Bei Hinweisen auf einen Dünndarmtumor in der DKE rät die ESGE zur

  • Schnittbildgebung, um die Operabilität zu klären.
  • Ballonenteroskopie (Single / Double) bei diagnostischer Unsicherheit.

Zur Nachsorge wird die DKE aufgrund fehlender Daten nicht empfohlen.


Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)

Empfehlung: konventionelle Endoskopie zur Überwachung.


Ist eine weitere Dünndarmabklärung bei FAP-Patienten nötig, kann hierzu entweder eine DKE oder eine Schnittbildgebung erfolgen. Die Relevanz dieser Befunde ist jedoch fragwürdig.


Peutz-Jeghers-Syndrom

Empfehlung: Dünndarmabklärung mit DKE bzw. MRT-Enteroklysma nach Sellink.

Finden sich hierbei Polypen größer 10–15 mm sollte eine Doppel- / Single-Ballonenteroskopie mit Polypektomie durchgeführt werden.


Zöliakie

Empfehlung: konventionelle Endoskopie.

Die ESGE rät die DKE nur zu erwägen,

  • wenn ein Patient die Endoskopie ablehnt,
  • zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen.


Die DKE eignet sich bei Zöliakie laut ESGE nicht zur Beurteilung von

  • Erkrankungsausmaß und
  • Ansprechen auf eine glutenfreie Diät.


Die DKE erwies sich als innovative, sichere und patientenfreundliche Methode. Das Verfahren kann nahezu den gesamten Dünndarm abbilden, therapeutische Interventionen sind jedoch nicht möglich. Laut ESGE müssen demnach ggf. patientenorientierte Einzelfallentscheidungen getroffen werden.

Aus der Zeitschrift DMW 13/2015; Dünndarmkapselendoskopie: Empfehlungen und Grenzen der neuen ESGE-Leitlinie 2015; Markus Escher

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Quelle

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