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    Ernährung, insbesondere die veränderte, fettreiche Ernährung, zusammen mit Bewegungsmangel, sind einer der häufigsten Risikofaktoren bei Diabetes.

     

Ernährungsmedizin bei Typ-2-Diabetes

Die aktuelle Studienlage – Weit mehr als eine Versorgung des Körpers mit Nährstoffen

Die nutritive Therapie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes reicht weit über die Versorgung des Körpers mit Nährstoffen hinaus. Vor dem Hintergrund einer komplexen Dysregulation des Glukosemetabolismus ist sie – neben der medikamentösen Therapie – eine wertvolle Strategie, um einer Stoffwechselentgleisung vorzubeugen. Vor allem die Zufuhr von Ballaststoffen scheint nach wie vor einer der wichtigsten Ansatzpunkte zu sein, um den Blutglukoseverlauf zu glätten und die Magenentleerung zu verzögern. Zudem stellt sich die Frage, ob die bisherigen verhaltenen Empfehlungen zum Verzehr von Obst für Patienten mit Typ-2-Diabetes (noch) gerechtfertigt erscheinen oder ob sich hier nicht bisher wenig genutzte Chancen für eine erhöhte Aufnahme von Ballaststoffen, Vitaminen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen ergeben. Auch Mikronährstoffdefizite sind bei Patienten mit Typ-2-Diabetes beschrieben. Ein Vergleich aktueller Studien zur Supplementierung mit Chrom zeigt jedoch, wie differenziert die Frage nach einer Supplementierung betrachtet werden muss.

Welche Nährstoffe dem menschlichen Körper über die Ernährung zugeführt werden, entscheidet – neben der genetischen Prädisposition einer Person und ihrer Exposition gegenüber Umwelteinflüssen – maßgeblich über die Gesunderhaltung des Körpers. Läuft dies im Vordergrund einer komplexen Erkrankung wie dem Diabetes mellitus ab, die durch eine Dysregulation des Glukosemetabolis-mus gekennzeichnet ist, steigt die Notwendigkeit, die Nährstoffzufuhr diesbezüglich anzupassen.

Makronährstoffkomposition und Ballaststoffe
Nichtdestotrotz geht der nutritive Ansatz bei Menschen mit Diabetes mellitus weit über die Versorgung des Körpers mit Nährstoffen hinaus, vielmehr ist er die grundlegende Basis ihrer generellen Therapie. Dass demnach die Form der Ernährung fundamental zur Beeinflussung der Blutzuckerwerte beiträgt, scheint allgemeiner Konsens zu sein.

Unterschiedliche Empfehlungen der Fachgesellschaften
Auf die Frage, wie dies jedoch im Detail realisiert werden kann, reagieren die entsprechenden Fachgesellschaften mit unterschiedlichen Antworten. Hinsichtlich einer optimalen Nährstoffverteilung bei Typ-2-Diabetes sieht beispielsweise die „European Association for the Study of Diabetes“ (EASD) die Empfehlung von kohlenhydratreduzierten Diäten nicht als gerechtfertigt an. Die „American Diabetes Association®“ (ADA) hingegen lässt lediglich verlauten, dass für eine Gewichtsreduktion sowohl eine kohlenhydratreduzierte als auch eine fettreduzierte Ernährungsform effektiv sein kann. Bezüglich einer Nährstoffkomposition für eine optimale Blutzuckereinstellung werden keine Aussagen getroffen.
Die Empfehlungen der „British Diabetes Association“ orientieren sich weniger an detaillierten Nährstoffverteilungen, sondern legen den Fokus vielmehr auf die Gesamtenergieaufnahme: Ein erfolgreiches Management der täglichen Energieaufnahme entsprechend den individuellen Bedürfnissen und in Verbindung mit der Medikation sei entscheidender als die Komposition der Makronährstoffe.

Empfehlungen zur Aufnahme von Ballaststoffen relativ einheitlich
Die Empfehlungen aller Organisationen ähneln sich hinsichtlich der Aufnahme von Ballastastoffen. Sie reichen von einer hohen bis sehr hohen Zufuhr von 14 g Ballaststoffen/1000 kcal über 40 g Ballaststoffe pro Tag bis hin zu 15–25 g Ballaststoffe/1000 kcal. Die US-amerikanische „Academy of Nutrition and Dietetics“ betont in ihren Ausführungen, dass eine Aufnahme von 45–50 g Ballaststoffen täglich die Blutzuckereinstellungen von Diabetikern verbessern kann. Allerdings sei unter Berücksichtigung der normalerweise im Durchschnitt zugeführten Menge von etwa 24 g Ballaststoffen pro Tag dieser Effekt nicht nachzuweisen.

Konsens besteht demgegenüber bezüglich der Frage, welches Verhältnis bei der Ballaststoffaufnahme berücksichtigt werden soll: Im Optimalfall bestehen 7–13 g bzw. die Hälfte der täglichen Zufuhrmengen – folglich 15–20 g – aus (wasser-)löslichen Ballaststoffen wie Inulin und Pektinen. Lösliche Ballaststoffe sind vor allem in verschiedenen Gemüse- und Obstsorten sowie im Keimling und im Mehlkörper von Getreidekörnern enthalten, die unlöslichen Ballaststoffe wie Zellulose sind dagegen in der Frucht- bzw. Samenschale (Kleie) von Getreidekörnern zu finden.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag Ernährungsmedizin bei Typ-2-Diabetes – die aktuelle Studienlage – Weit mehr als eine Versorgung des Körpers mit Nährstoffen.

Aus der Zeitschrift Diabetes aktuell 1/2015

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