• Kommentierte Facharztfragen Innere Medizin: Eine 54-jährige Patientin mit auffälligem Blutbild. Stellen Sie Ihr Wissen auf die Probe.

     

Facharztfragen Innere Medizin

Bei einer 54-jährigen Patientin liegt folgendes Blutbild vor:

  • Hb 10,3 g/dl (Norm: 12 – 16)
  • MCV 110fl (Norm: 85 – 98)
  • MCH 39,8 pg (Norm: 28 – 34)
  • An welche Ursache denken Sie, wenn Sie ein solches Blutbild sehen?

    Antwort:

    Vitamin-B12-Mangel, Folsäuremangel, u. U. auch myelodysplastisches Syndrom.

    Kommentar:

    Differenzialdiagnose der hyperchromen makrozytären Anämie:

    • Vitamin-B12-Mangel:
    • perniziöse Anämie
    • Z. n. Magenresektion
    • bakterielle Fehlbesiedlung im Dünndarm
    • Entzündung oder operative Resektion im terminalen Ileum


    Folsäuremangel:

    • Fehlernährung, Alkoholismus
    • Dünndarmresektion
    • Zöliakie
    • Schwangerschaft


    Makrozytäre Anämie mit normalen oder erniedrigten Retikulozyten:

    • Alkoholismus
    • chronische Lebererkrankung
    • myelodysplastische Syndrome
    • chronisch obstruktive Lungenerkrankung
    • Hypothyreose


    Makrozytäre Anämie mit erhöhten Retikulozyten:

    • hämolytische Anämien
  • Welches ist die häufigste Form einer hyperchromen makrozytären Anämie?

    Antwort:

    Die megaloblastäre Anämie bei Vitamin-B12-Mangel.

    Kommentar:

    Megaloblastäre Anämie:

    • hyperchrome makrozytäre Anämie
    • Megalozyten und hypersegmentierte Neutrophile im Blutausstrich
    • Vitamin B12 im Serum erniedrigt oder Folsäure im Serum erniedrigt

    Merke:

    Häufigste Ursache der megaloblastären Anämie → Vitamin-B12-Mangel.

  • Welche Erstdiagnostik führen Sie bei Verdacht auf eine megaloblastäre Anämie durch?

    Antwort:

    Zunächst nur Anamneseerhebung, insbesondere im Hinblick auf die Ernährung, dann die körperliche Untersuchung inkl. der neurologischen Untersuchung, dann die Laborwerte.

    Kommentar:

    Laborwerte bei Verdacht auf megaloblastäre Anämie:

    • Blutbild inkl. Differenzialblutbild und Retikulozyten
    • Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT)
    • Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT)
    • alkalische Phosphatase (AP)
    • γ-Glutamyltransferase (γ-GT)
    • Laktat-Dehydrogenase (LDH)
    • Bilirubin
    • Elektrolyte
  • Welche Untersuchungen zur weiteren Abklärung führen Sie dann durch?

    Antwort:

    Bestimmung von Vitamin B12 und Folsäure im Serum.

    Kommentar:

    Nachweis eines Vitamin-B12-Mangels:

    • Bestimmung von Vitamin B12 im Serum
    • evtl. Nachweis einer Resorptionsstörung für Vitamin B12 durch den Schilling-Test


    Nachweis eines Folsäuremangels:

    • Messung des Folsäurespiegels im Serum
  • Worauf beruht das Prinzip des Schilling-Tests?

    Antwort:

    Orale Gabe von radioaktiv markiertem Vitamin B12. Anschließend Bestimmung der über die Niere ausgeschiedenen Testsubstanz im Urin.

    Kommentar:

    1.Durchführung des Tests ohne Zugabe von Intrinsic Factor: bei chronisch atrophischer Gastritis erniedrigte Ausscheidung im Urin


    2.Durchführung des Tests mit Intrinsic Factor: bei chronisch atrophischer Gastritis normal


    Bei Resorptionsstörung im Ileum ist die Urinausscheidung der Testsubstanz in beiden Fällen vermindert.

  • Wo werden denn Vitamin B12 und Folsäure resorbiert?

    Antwort:

    Vitamin B12 wird im terminalen Ileum resorbiert, Folsäure im Jejunum.

    Kommentar:

    Vitamin B12:

    • Resorption im terminalen Ileum
    • Gestörte Aufnahme durch: Resektion, entzündliche Erkrankung, Fehlen von Intrinsic Factor


    Folsäure:

    • Resorption im Jejunum
    • Gestörte Aufnahme durch: ausgedehnte Dünndarmresektion, Malabsorptionssyndrome: Zöliakie, MC


    Mehrbedarf:

    • Schwangerschaft (Cave: Risiko embryonaler Neuralrohrdefekte bei Folsäuremangel)

Nach: Berthold Block, Facharztprüfung Innere Medizin, 3000 kommentierte Prüfungsfragen.

5., vollständig überarbeitete Auflage 2017

ISBN 9783 131 359 551

Aus der Zeitschrift DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift Ausgabe 22/2017

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Quelle

Facharztprüfung Innere Medizin
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