Herzinsuffizienz: profitieren Patienten von Telemonitoring?

  • Herzinsuffizienz Herzschrittmacher

     

Immer mehr Patienten mit Herzinsuffizienz erhalten einen implantierbaren Cardioverter-Defibrillator oder einen „cardiac resynchronisation defibrillator“ mit Telemonitoring-Funktion. Frühzeitiges Erkennen einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz durch diese Geräte ermöglicht ein rasches therapeutisches Gegensteuern. Ob dies auch zu einem besseren Überleben führt, haben Hindricks et al. in einer multizentrischen Studie untersucht. Lancet 2014; 384: 583–590

Die IN-TIME-Studie schloss 716 Patienten ein, die an einem tertiären Klinikzentrum in Australien, Europa oder Israel behandelt wurden. Einschlusskriterien waren chronische Herzinsuffizienz im Stadium II–III der New York Heart Association (NYHA II–III) seit mindestens 3 Monaten, linksventrikuläre Ejektionsfraktion von ≤ 35% und Vorliegen einer Indikation für einen Zweikammer-Cardioverter-Defibrillator (ICD) oder einen „cardiac resynchronisation defibrillator“ (CRT-D). 664 der Patienten wurden randomisiert verteilt, so dass 333 in die Gruppe „Telemonitoring plus Standardtherapie“ kamen und 331 in die Kontrollgruppe, welche nur eine optimale medikamentöse Standardtherapie erhielt.

Die Studie lief über 12 Monate. Primärer Endpunkt war eine Verschlechterung eines klinischen Scores, welcher sich zusammensetzte aus dem Vorkommen eines schwerwiegenden klinischen Ereignisses (Tod oder Klinikaufnahme aufgrund der Herzinsuffizienz) und Verschlechterung des klinischen Zustandes nach der NYHA-Klassifikation.

Von den 664 randomisierten Patienten hatten 285 eine Herzinsuffizienz NYHA II und 378 eine Herzinsuffizienz NYHA III. Das mittlere Alter der Patienten lag bei 65,5 Jahren und die mittlere Ejektionsfraktion bei 26%. Die meisten Teilnehmer der Studie erhielten einen CRT-D (n=390; 58,7%). Nach einem Jahr zeigten 63 (18,9%) der Patienten aus der Telemonitoringgruppe eine Verschlechterung des klinischen Scores, während dies in der Standardtherapiegruppe bei 90 Patienten (27,2%) zu beobachten war (p = 0,013; Odds Ratio 0,63, 95%-Konfidenzintervall 0,43–0,90). In der Telemonitoringgruppe starben 10 Patienten verglichen mit 27 in der Standardtherapiegruppe.

Fazit
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Telemonitoring mittels ICD/CRT-D die Situation von Herzinsuffizienzpatienten signifikant verbessert, in der täglichen Praxis gut durchführbar ist und somit in der klinischen Routine Anwendung finden sollte.

Kommentar zur Studie
Martin Cowie, London, hinterfragt die Hintergründe der niedrigeren Mortalität der Telemonitoring-Gruppe in der IN-TIME-Studie. War es tatsächlich der bessere Medikamenteneinsatz gestützt durch das Telemonitoring, oder lediglich eine bessere Compliance seitens der Patienten? Cowie hält fest, dass die Fernüberwachung technisch machbar sei, jedoch neustrukturierte Dienstleistungen benötige, die derzeit nicht flächendeckend finanziell entschädigt würden. Die Ergebnisse der IN-TIME-Studie würden auf einen Nutzen solcher neustrukturierten Dienstleistungen für die Patienten hindeuten. Dennoch bleibe unter anderem die Frage offen, wie solche Dienstleistungen strukturiert und welche Technologien dafür genutzt werden sollen. Lancet 2014; 384: 560–562

Sponsoring: Die Studie wurde von Biotronik SE & Co. KG finanziert.

Quelle: DMW 45/2014; Dr. med. Markus Escher, Leonberg

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