• Herzschrittmacher- und ICD-Infektionen

     

Herzschrittmacher- und ICD-Infektionen

Die Infektion von Herzschrittmachern und implantierbaren Defibrillatoren stellt ein zunehmendes Problem dar, da immer mehr komplexe Systeme bei multimorbiden Patienten implantiert werden. Wesentlich sind die Kenntnis der Risikofaktoren für eine Aggregatinfektion und die konsequente Prävention, u. a. durch eine perioperative Antibiotikaprophylaxe. Die Diagnostik kann, gerade bei latenten Infektionen, schwierig sein. Sie umfasst neben Blutkulturen die transthorakale und transösophageale Echokardiografie zur Abklärung von Vegetationen der Elektroden und/oder einer Endokarditis.

Einleitung

Die Infektion von Herzschrittmachern und implantierbaren Defibrillatoren (cardiac implantable electronic devices, CIED) stellt ein schwerwiegendes Problem dar. Für eine adäquate Therapie müssen neben einer Antibiotikagabe in der Regel Aggregat und Elektroden vollständig explantiert werden. Aggregat- und/oder Elektrodeninfektionen gehen mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität einher. Darüber hinaus verursachen sie erhebliche Folgekosten für das Gesundheitswesen.

CIED-Infektionen stellen eine zunehmende Komplikation der Aggregattherapie dar, sie steigen im Vergleich zur Implantationshäufigkeit überproportional an. Dies erklärt sich durch die Zunahme komplexerer Systeme, insbesondere CRT-Schrittmacher und CRT-Defibrillatoren. Darüber hinaus werden häufiger multimorbide Patientinnen und Patienten versorgt, bei denen bereits die Begleiterkrankungen ein höheres Infektionsrisiko zur Folge haben. Eine große dänische Kohortenstudie mit 46 299 Schrittmacherimplantationen und einer Nachbeobachtung über 236 888 Patientenjahre ergab für frühe Infektionen (innerhalb eines Jahres nach Implantation) eine Rate von 4,82/1000 Schrittmacherjahre bei Erstimplantationen und von 12,12/1000 Schrittmacherjahre für Aggregatwechsel. Späte Infektionen nach mehr als einem Jahr traten bei Neuimplantationen in 1,02/1000 bzw. bei Aggregatwechsel in 3,26/1000 Patientenjahre auf. Bei komplexeren Systemen liegen die Infektionsraten höher: bei implantierbaren Defibrillatoren (ICD) beträgt sie bei Neuimplantation 0,7 bis 1,2% und bei kardialen Resynchronisationssystemen (CRT) 1,7 bis 9,5%. Nach Aggregatwechseln oder Aufrüstungen sind 2- bis 4-fach höhere Infektionsraten zu erwarten.

Im deutschen Herzschrittmacher- und Defibrillatorregister wurden 2015 über 18 000 Revisionsoperation wegen Aggregatproblemen dokumentiert. Hierbei entfielen 9 bis 11% auf Aggregatinfektionen und Taschenperforationen. Bei letzteren ist meist auch von einer infektiösen Ursache auszugehen. Auch nach erfolgreicher Therapie einer CIED-Infektion bleibt das Mortalitätsrisiko über mindestens 3 Jahre bei den betroffenen Patientinnen und Patienten im Vergleich zu solchen ohne Infektion signifikant erhöht:

  • Herzschrittmacher: 53,8 vs. 33% (p < 0,001),
  • ICD: 47,7 vs. 31,6% (p < 0,001) und
  • CRT-D: 50,8 vs. 36,5% (p < 0,001) [8].

Dies unterstreicht, dass CIED-Infektionen als schwerwiegendes Problem anzusehen sind.

Eine Endokarditisprophylaxe ist bei Patienten mit implantiertem Herzschrittmacher oder ICD jedoch nicht erforderlich.

Prävention

Die beste Therapie einer CIED-Infektion ist deren konsequente Prävention. In verschiedenen Arbeiten konnten Risikofaktoren, die mit einer erhöhten Infektionsrate einhergehen, identifiziert werden. Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren gehören z. B. eine Niereninsuffizienz insbesondere bei chronischer Dialysebehandlung, ein Diabetes mellitus oder das männliche Geschlecht sowie jüngeres Patientenalter. Weitere Risikofaktoren, welche zumindest partiell beeinflusst werden können, sind z. B. der Einsatz passagerer transvenöser Schrittmacher, ein Taschenhämatom, Fieber oder vorbestehende systemische Infekte. Es ist unklar, ob bei dringlicher Implantationsindikation und einer aktiven Infektion eine passagere Stimulation oder eine primäre permanente Implantation zu bevorzugen sind. Meist wird zunächst passager stimuliert, mit der Folge eines wiederum erhöhten Risikos für eine Aggregatinfektion.

Je komplexer die implantierten Systeme, desto höher ist generell das Infektionsrisiko. Das gleiche gilt für frühe Reoperationen. Diese sollten daher wenn möglich vermieden werden. Aggregatwechsel und Aufrüstungen sind ebenfalls mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Herzschrittmacher- und ICD-Infektionen

Aus der Zeitschrift: Aktuelle Kardiologie 06/2018

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