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Können wir die Diabetes-Welle stoppen?

Ein Gespräch mit dem Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl

 

ZUR PERSON

Dr. med. Matthias Riedl ist Internist, Diabetologe und Ernährungsmediziner. 2010 gründete er das medicum Hamburg MVZ, in dem inzwischen für über 80 Krankheiten Ernährungstherapien entwickelt wurden. Riedl engagierte sich als einer der ersten Spezialisten für eine Remissionsbehandlung von Typ-2-Diabetikern.

Sie haben sich als Internist auf die Diabetologie und die Ernährungsmedizin spezialisiert. Was hat Sie speziell an der Diabetologie gereizt?

Die Diabetologie war vor 30 Jahren, als ich anfing, ein absolutes Mangelgebiet. Die Versorgung der Menschen mit Diabetes war damals ähnlich schlecht wie für die ernährungsbedingten Erkrankungen heute. Die Behandlungsergebnisse führten zu suboptimalen Ergebnissen – aus Mangel an Betreuung. Deshalb habe ich mich dafür entschieden.

Diabetes Typ 2 hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Und es erkranken immer mehr jüngere Menschen. Gibt es Daten dazu, in welchen Größenordnungen dies der Fall ist?

Ja. Es liegen z. B. Daten aus einer US-amerikanischen Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen vor: Bei den Übergewichtigen hat man festgestellt, dass 4 % bereits an Diabetes erkrankt waren und 25 % eine Störung im Glukosestoffwechsel aufwiesen. Das bedeutet, rund ein Drittel der übergewichtigen Jugendlichen hat Störungen im Glukosestoffwechsel, eine gestörte Glukosetoleranz oder bereits Diabetes.In Deutschland liegt die Erkrankungsrate übergewichtiger Kinder und Jugendlicher etwas niedriger, bei ca. 2 %. Aber 10–20 % unserer Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig, das ist sehr bedenklich.

Was sind die entscheidenden Ursachen, dass die Menschen immer mehr zunehmen?

Es ist das Missverhältnis von diabetogen und antidiabetogen wirkenden Nahrungsmitteln. Wir haben es mit einer Kohlenhydratstoffwechselstörung zu tun. Das hat die Diabetologie erstaunlicherweise sehr lange ignoriert. Es scheint banal, aber eine Kohlenhydratstoffwechselstörung sollten wir behandeln, indem wir die Kohlenhydrate reduzieren.

Warum wurde das so lange ignoriert?

Als ich begann, in der Diabetologie zu arbeiten, lautete die Empfehlung führender Diabetologen in Deutschland: So viel Lebensqualität wie möglich. Gleichzeitig ging der zunehmende Wohlstand in dieser Zeit mit einem zunehmenden Kohlenhydratverzehr einher. Das hat dazu geführt, dass bei vielen Patienten hohe Insulindosen notwendig wurden. Ein nicht unerheblicher Teil hat unter der hohen Insulindosierung zugenommen. Es herrschte die Ansicht vor: Diabetes heißt zwar Zuckerkrankheit, werde aber nicht durch den Verzehr von Kohlenhydraten verursacht. Aber Kohlenhydrate werden auch zu Zucker verstoffwechselt, besonders die prozessierten Kohlenhydrate, die massenhaft verzehrt werden.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Können wir die Diabetes-Welle stoppen?
Aus der Zeitschrift e&m - Ernährung und Medizin 03/2020

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