Krebs: Schützt oder schadet regelmäßiger Alkoholkonsum?

  • Mit Wein anstoßen

    Erhöht Alkohol das Krebsrisiko oder hat er sogar einen protektiven Effekt?

     

Übermäßiger Alkoholkonsum schadet der Gesundheit und wirkt sich auf das Krebsrisiko aus. Davon ist nicht nur das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz) überzeugt, auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von einer kanzerogenen Wirkung von Alkohol aus. Eine neue kanadische Studie hingegen zeigt einen protektiven Effekt von Alkohol vor Krebs.

Die Ergebnisse der populationsbasierten Fallkontrollstudie aus Kanada sind überraschend. Dr. Friedenreich und ihre Kollegen vom Department of Population Health Research der Alberta Health Services in Calgary zeigen, dass Alkoholkonsum Frauen vor einem Endometriumkarzinom schützen kann. Laut der Studie wiesen Frauen, die mäßig aber regelmäßig Bier, Wein oder Likör tranken, ein deutlich geringeres Risiko hatten, als Frauen im gleichen Alter, die lebenslang keinen Alkohol konsumierten.

 

Überwiegender Anteil der Studien spricht gegen Alkohol
Die Autoren der kanadischen Untersuchung führen mögliche biologisch-physiologische Gründe für den positiven Effekt von Alkohol auf – zum Beispiel den Schutz vor möglichen krebsfördernden Wirkungen des Insulins. Es gibt Insulin-Rezeptoren im Endometrium, und in-vitro-Versuche zeigen, dass Insulin für Gebärmutter-Schleimhautzellen einen Wachstumsfaktor darstellt. Hier kann Alkohol die Insulin-Response verbessern und über eine Erhöhung der Adiponektin-Konzentration günstigere, niedrigere Nüchtern-Insulinwerte bewirken.

Wie genau Alkohol das Krebsrisiko beziehungsweise die Krebsentstehung beeinflusst, ist noch nicht genau bekannt. Vermutet wird aber, dass Abbauprodukte des Alkohols im Körper eine Rolle spielen. Ein Beispiel ist das reaktionsfreudige Acetaldehyd. Es geht leicht Verbindungen mit anderen Molekülen ein, wozu auch die DNA gehört.

Durch andere Studien ist allerdings bereits belegt, dass Alkohol Krebs in verschiedenen Organen auslösen oder das Risiko als wichtiger Kofaktor erhöhen kann:

  • Mund- und Rachenraum
  • Kehlkopf
  • Dickdarm
  • Ösophagus
  • Leber
  • weibliche Brust

 

Die große europäische Kohortenstudie EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) mit 301.051 Frauen in 10 europäischen Ländern kann die Ergebnisse der kanadischen Studie nicht bestätigen. Hier zeigt der Alkoholkonsum beim Schutz vor Krebs der Gebärmutterschleimhaut weder einen positiven, noch einen negativen Effekt.

 

Wenn Alkohol, dann wenig
Die Vermutung, dass mäßiger Alkoholkonsum eine protektive Wirkung haben könnte, ist nicht neu. Beispielsweise beim Non-Hodgkin-Lymphom und bei Nieren- oder Schilddrüsenkrebs zeigen Untersuchungen einen gewissen schützenden Mechanismus.

Es gibt bisher allerdings keinen generellen Schwellenwert beim Alkoholkonsum, sondern nur Empfehlungen. Eine These lautet, dass der protektive Effekt von Alkohol nur bei geringem bis moderatem Konsum eintritt. Auch gesellschaftliche Gründe könnten eine Rolle spielen, denn laut Untersuchungen sind Frauen, die regelmäßig Alkohol zu sich nehmen, meist jünger, besser ausgebildet und nehmen möglicherweise regelmäßige ärztliche Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch.

 

Alkoholbedingte Krebserkrankungen vermeiden
Wahrscheinlich ist es aufgrund der widersprüchlichen Untersuchungen besser, sich an die empfohlenen Alkoholmengen zu halten. Frauen sollten demnach maximal 10 Gramm Alkohol und Männer maximal 20 Gramm pro Tag konsumieren. 20 Gramm entsprechen etwa einem halben Liter Bier oder einem Viertelliter Wein. Nach Schätzungen der Autoren der europäischen Studie könnten so bei Männern rund 90 Prozent und bei Frauen über 50 Prozent der alkoholbedingten Krebserkrankungen und dadurch verursachten Krebstode vermieden werden. Ein Gläschen in Ehren, kann also vorerst niemand verwehren.

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