• Krebszelle Krebs Ernährung Innere Medizin Georg Thieme Verlag

     

Krebs und Ernährung – ein Paradigmenwechsel

Schätzungen gehen davon aus, dass 30 – 35 % der Krebserkrankungen mit der individuellen Ernährungsweise verbunden sind. Der Einfluss der Ernährungs- und Lebensweise auf die Entstehung von Krebs wird eindrucksvoll illustriert, wenn man die Häufigkeit und Verteilung von Krebserkrankungen weltweit betrachtet (http://globocan.iarc.fr/Pages/Map.aspx). Länder Osteuropas weisen mit 300 – 400 Fällen auf 100 000 Einwohner viel höhere Krebsraten auf im Vergleich mit Kanada mit 260 Fällen auf 100 000 Einwohner. In den südostasiatischen Ländern ist die Zahl der Krebserkrankungen mit etwa 100 Fällen auf 100 000 Einwohner ebenfalls deutlich niedriger. In diesem Zusammenhang spielen neueste Erkenntnisse der Epigenetik eine große Rolle. Nicht die Anzahl der Gene entscheidet über die Komplexität des Organismus, sondern deren Regulation und gegenseitige Beeinflussung. Für die epigenetische Regulierung von entscheidender Bedeutung sind Umweltfaktoren, wie die Ernährung oder das soziale Umfeld.

Die exakten Krebsauslöser in der Nahrung sind aber häufig nicht bekannt. Die Erforschung der Ernährungsfaktoren hat sich als äußerst komplex erwiesen. Wir gehen heute davon aus, dass in der Entstehung der Krebserkrankungen eher das Zusammenspiel einer Reihe von Inhaltsstoffen eine Rolle spielt als isolierte Einzelsubstanzen. So führt eine mediterrane Ernährung nachweislich zu einer signifikanten Senkung der Gesamtsterblichkeit, der Herzinfarkt- und Krebssterblichkeit. Bei manifester Krebserkrankung mit konsekutivem Gewichtsverlust müssen diese gesunden Ernährungsmuster jedoch relativiert werden. Viele Krebspatienten weisen zum Zeitpunkt der Diagnose eine Mangelernährung auf. Diese führt zu einer Abnahme der Lebensqualität, der Leistungsfähigkeit und zu einer schlechteren Prognose.

Krebs – Prävention versus Therapie

Im HALE-Projekt (The Healthy Ageing: a Longitudinal Study in Europe) wurden Daten aus 2 europäischen Kohortenstudien (SENECA und FINE) zusammengefasst. Die Kohorten umfassten 2339 Frauen und Männer im Alter von 70 – 90 Jahren. Untersucht wurde, wie sich eine Mittelmeerdiät, Nichtrauchen, mäßiger Alkoholgenuss und mindestens 30 min Bewegung pro Tag auf die Überlebensrate auswirkte. Während der Beobachtungszeit von 10 Jahren starben 935 Personen, davon 371 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 233 an Krebs. Mit einer signifikant niedrigeren Mortalität assoziiert waren Essen einer Mittelmeerdiät (Hazard Ratio [HR] 0,77; 95 % confidence intervall [CI] 0,68 – 0,88), mäßiger Alkoholkonsum (HR 0,78; CI 0,67 – 0,91), körperliche Aktivität (HR 0,63; CI 0,55 – 0,72) und Nichtrauchen (HR 0,65; CI 0,57 – 0,75). Hier interessiert die Frage, wie viele Krebserkrankungen vermeidbar sind, wenn diese 4 „Low-risk“-Faktoren (Mittelmeerdiät, mäßiger Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Nichtrauchen) befolgt werden. Wenn alle 4 „Low-risk“-Faktoren erfüllt waren, konnten 60 % der Krebsfälle verhindert werden.

Die im Laufe der Evolution selektierten Nahrungsmittel enthalten gesundheitsfördernde Wirkstoffe mit krebshemmenden Eigenschaften. Die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe, z. B. Polyphenole, besitzen hochwirksame krebshemmende Eigenschaften, die in die Prozesse eingreifen, welche an der Entwicklung von Krebs beteiligt sind. Es besteht deshalb kein Zweifel, dass sich mediterrane Lebensstil- und Ernährungsmuster positiv auf die Gesundheit auswirken können.

Bereits vor Tumordiagnose haben viele Patienten Gewicht verloren. Häufig verschlechtert sich der Ernährungszustand während der Erkrankung weiter. Als Folge der Tumorerkrankung sowie therapiebedingt führen Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen, Übelkeit, Erbrechen zusätzlich zu Mangelernährung, welche einen erheblichen Einfluss auf die Prognose und auch auf die Verträglichkeit der Therapie hat. In dieser Situation hat die Optimierung der Kalorien- und Eiweißzufuhr hohe Priorität. In der Praxis bedeutet das Zufuhr von mehr Fett und Eiweiß gegenüber Kohlenhydraten. Dies entspricht einem Paradigmenwechsel zur propagierten „gesunden Ernährung“, die einen Anteil von mindestens 50 % Kohlenhydraten gemessen an der Gesamtkalorienzahl fordert. Experimentell gibt es verschiedene Hinweise, dass eine fett- und eiweißreiche Ernährung, auch unabhängig von einer Mangelernährung, für Krebspatienten von Vorteil sein könnte.

Dies möchten wir im Folgenden diskutieren im Bewusstsein, dass die physiologischen, pathophysiologischen, genetischen und molekularbiologischen Prozesse hochkomplex reguliert sind und sicher zum Teil deswegen die evidenzbasierte Datenlage kontrovers ist.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag Krebs und Ernährung - ein Paradigmenwechsel?

 

Aus der Zeitschrift Aktuelle Ernährungsmedizin 3/2015.

Call to Action Icon
Aktuelle Ernährungsmedizin Jetzt kostenlos testen!

Newsletter-Service

  • Thieme Newsletter - Wissen das sich anpasst - Jetzt kostenlos registrieren

    Jetzt kostenlos anmelden

    Aktuelles aus Ihrem Fachgebiet: Mit brandaktuellen News und Neuerscheinungen, Schnäppchen und tollen Gewinnspielen sind Sie up to date und immer einen Schritt voraus.

Quelle

Aktuelle Ernährungsmedizin
Aktuelle Ernährungsmedizin

EUR [D] 178,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Krebs und Ernährung
Siegfried KnasmüllerKrebs und Ernährung

Risiken und Prävention - wissenschaftliche Grundlagen und Ernährungsempfehlungen

EUR [D] 34,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Checkliste Ernährung
Paolo M. SuterCheckliste Ernährung

EUR [D] 39,95Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.