• Hautbild bei Vorstellung im Institut. Sichtbar sind zahlreiche papulöse Läsionen auf der rechten Skapula und im Axillar- und Oberarmbereich. Im Detail (B, C) sind gyrierte, subkutane Gänge sichtbar, diese deuten auf eine Larva migrans cutanea hin.

    Hautbild bei Vorstellung im Institut. Sichtbar sind zahlreiche papulöse Läsionen auf der rechten Skapula und im Axillar- und Oberarmbereich. Im Detail (B, C) sind gyrierte, subkutane Gänge sichtbar, diese deuten auf eine Larva migrans cutanea hin.

     

Larva migrans cutanea – eine wichtige Blickdiagnose bei Reiserückkehrern

Ein 28-jähriger, männlicher Patient stellte sich mit persistierenden, exanthematischen, überwiegend papulären Hautläsionen am Rücken nach einem Thailandurlaub vor. Die Hautläsionen wurden als stark pruriginös beschrieben, vor allem zum Abend hin und in der Nacht. Dies habe mitunter zu deutlichen Schlafproblemen und einer daraus resultierenden Einschränkung im Alltagswohlbefinden des Patienten geführt.

Der Patient war vor wenigen Tagen von einer touristischen Reise nach Thailand zurückgekehrt. Dort hatte er einen Strandurlaub im Hotel verbracht und sich kurzzeitig zum Transfer in Bangkok aufgehalten. Er berichtete, am Strand gelegen zu haben, sich aber an keine Wunden oder Verletzungen zu erinnern. Weiteres reisespezifisches Risikoverhalten wurde verneint. Kontakt mit Tieren hatte nicht stattgefunden. Es handelte sich sonst um einen gesunden Patienten ohne relevante Vorerkrankungen und auch aktuell ohne generalisierte Krankheitszeichen; es bestanden kein Fieber und keine Durchfälle.

Diagnose

Der Patient hatte sich zunächst bei einem niedergelassenen Allgemeinmediziner mit den beschriebenen Symptomen vorgestellt. Von einer bakteriellen Hautinfektion ausgehend, wurde eine Behandlung mit Doxycyclin, Zinksalbe und lokalen Steroiden angesetzt. Dies führte jedoch zu keiner Besserung, woraufhin der Patient sich in der tropenmedizinischen Ambulanz vorstellte. Es zeigten sich circa 40–50 papulöse Läsionen auf der rechten Skapula, sowie im hinteren Axillar- und Oberarmbereich. Man sah teils urtikariell erhabene, erythematöse Papeln und Plaques von denen vereinzelt gyrierte, subkutane Gänge ausgingen. Im Blutbild wurde eine Eosinophilie von 11 %, mit einer absoluten Eosinophilenzahl von 949/μl, sowie ein CRP von 10 mg/l festgestellt, ansonsten zeigten sich keine pathologischen Abnormitäten in der Blutuntersuchung. Aufgrund des klinischen Bildes, vor allem in Betracht auf die deutliche Abzeichnung von subkutanen Gängen, sowie der Reiseanamnese wurde klinisch die Diagnose Larva migrans cutanea gestellt.

Therapie und Verlauf

Gemäß der S1-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der kutanen Larva migrans wurde eine Behandlung mit Ivermectin 200 μg/kg KG als Einmaldosis angesetzt. Es zeigte sich nach wenigen Tagen zunächst ein Rückgang des Erythems und auch der Juckreizbeschwerden. Im weiteren Verlauf waren die Läsionen schließlich komplett regredient.

Diskussion

Larva migrans cutanea ist eine zoonotische Wurmerkrankung und eine führende dermatologische Diagnose in Reiserückkehrern. Es handelt sich um ein Syndrom, das sich als erythematöse, gangartige Hauteruption zeigt. Diese gangartigen Hauteruptionen (engl. creeping eruptions) sind definiert als lineare oder serpiginösen, leicht erhabene Spuren, welche einem irregulären Muster folgen. Die Larva migrans cutanea wird zumeist durch Nematodenlarven hervorgerufen, am häufigsten durch Hakenwurmspezies wie Ancylostoma braziliensis, caninum, oder Uncinaria stenocephala. Die Hakenwurminfektionen werden zu den „soil-transmitted helminths“ (STH) gezählt und somit von der WHO als zu der Liste der vernachlässigten Tropenkrankheit zugehörig angesehen. Larva migrans cutanea kommt endemisch in tropischen Regionen vor, vor allem Brasilien, Indien und die Westindischen Inseln weisen hohe Fallzahlen auf. Urbane Gegenden stellen ein Risikogebiet dar. In Brasilien zum Beispiel, beträgt die Durchseuchungsrate in urbanen Slums 4 %, bei Kindern sogar 15 %, eine andere Studie fand eine Inzidenz bei Kindern von 0,52 pro Person/pro Jahr. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko der Infektion während der Regenzeit. In der westlichen Welt kommen die meisten Fälle von Larva migrans cutanea in Reiserückkehrern vor, mit der Ausnahme von einigen, seltenen lokalen Fällen.

Hakenwurmlarven werden aus der Umwelt durch direkten Kontakt übertragen, eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt. Der Lebenszyklus der Hakenwürmer kann in 4 Schritte unterteilt werden. Die erwachsenen Würmer zum Beispiel der Spezies Ancylostoma leben im Darm von Hunden und Katzen. Eier werden dann über den Kot der Tiere ausgeschieden. Die daraus schlüpfenden rhabditiformen Larven entwickeln sich im Boden zu einem filariformen Stadium weiter, kontaminieren Sand oder Boden und sind bis zu einigen Monaten infektiös. Bei einem Kontakt mit durch Hakenwurmlaven kontaminiertem Boden zum Beispiel durch das Barfußlaufen oder das Liegen in infestiertem Sand, kann es dann zu einem Eindringen der Larven in die Epidermis kommen, in welcher die Larven persistieren, da sie nicht weiter in das menschliche Gewebe eindringen können. Das Vorkommen von streunenden Hunden und Katzen, welche nicht regelmäßig mit Entwurmungsmedikamenten behandelt werden, sowie der Aufenthalt an Stränden sind daher epidemiologisch wichtige Risikofaktoren.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Larva migrans cutanea – eine wichtige Blickdiagnose bei Reiserückkehrern

Aus der Zeitschrift: Flugmedizin Tropenmedizin Reisemedizin 01/2019

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