Mediquiz: 57-jähriger Patient mit unklarem Hautbefund

Ein 57-jähriger Patient stellt sich mit einem seit 8 Monaten bestehenden Hautbefund an der linken Hand in der infektiologischen Sprechstunde vor. Im Bereich des distalen Metacarpale III wird ein kleiner Tumor chirurgisch entfernt. Die Inspektion des Handrückens und die Histopathologie des exstirpierten Materials ergeben 3 pathologische Befunde.

  • Hautbefund

     
  • Histologie

     
  • Ziehl-Nelsen-Färbung

     

Fragen

  • Welche Befunde sind es?
    1. lokalisierte flache livide Papel im Bereich des distalen Metacarpale III der linken Hand
    2. granulomatöse Entzündung
    3. säurefeste Stäbchen
  • Welche Verdachtsdiagnose erlauben die Befunde?
    • kutane Infektion durch Mycobacterium marinum (Synonyme: Schwimmbadgranulom, Aquariumgranulom)
  • Welche Differenzialdiagnosen sind möglich?
    • Buruli-Ulkus (M. ulcerans)
    • Tuberculosis cutis (M. tuberculosis complex)
    • anderweitige kutane Mykobakteriosen (M. kansasii, M. szulgai, M. gordonae)
    • Sporotrichose
    • Leishmaniose
    • Lues
  • Erläuterung

    Das Schwimmbadgranulom ist eine lokalisierte Hautinfektion mit M. marinum. Die Inkubationszeit beträgt 2–6 Wochen. Meist tritt es in tropischen Ländern im Zusammenhang mit Bagatellverletzungen beim Schwimmen auf. In Europa ist die Erkrankung selten; klassischerweise ist sie mit ungenügend gechlorten Schwimmbecken und dem Reinigen von Aquarien assoziiert. Ein neuer Risikofaktor ist der aktuelle Wellness-Trend der „Fischpediküre“ (Fußpflege durch tropische Putzerfische).

    Klinisch imponieren solitäre oder multiple flache Papeln mit verruköser Oberfläche, die im Verlauf ulzerieren können. Eine spontane Abheilung ist möglich. Entscheidend für die Diagnose sind Histopathologie und mykobakterielle Kultur. Kleine solitäre Herde können kryotherapeutisch oder chirurgisch behandelt werden. Grundsätzlich wird eine tuberkulostatische Antibiotika-Kombinationstherapie über 3–4 Monate empfohlen, bestehend aus

    Clarithromycin 500 mg (1–0–1) und

    Ethambuthol 400 mg (1–1–1) oder Rifampicin 600 mg (1–0–0).

    Der vorgestellte Patient hatte keinen Kontakt zu Aquarien. Er gab allerdings an, beruflich Kläranlagen zu reinigen. Höchstwahrscheinlich hat er sich auf diesem Weg infiziert. Aus dem exstirpierten Material konnte mikrobiologisch und durch eine Kultur M. marinum nachgewiesen werden. Unter der eingeleiteten tuberkulostatischen Therapie heilten die Hautläsionen langsam ab.

Aus der Zeitschrift DMW 04/2016, 57-jähriger Patient mit unklarem Hautbefund: Schleenvoigt, Benjamin T.; Bloch-Infanger, Constantine; Pletz, Mathias W.; Hasenböhler, Paula; Battegay, Manuel. 

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