Mediquiz: 61-jähriger Patient mit rezidivierenden Rötungen am Gesäß

Ein 61-jähriger adipöser Patient berichtet von seit 6 Monaten bestehenden Rötungen am Gesäß, einhergehend mit intermittierender Müdigkeit und Abgeschlagenheit. An Vorerkrankungen bekannt sind eine arterielle Hypertonie, kardiale Arrhythmien und eine Hyperlipidämie. Die klinische Untersuchung ergibt zwei pathologische Befunde.

  • Gesäßbefund

     
  • Befund 2

     

Fragen

  • Welche Befunde sind es?
    1. Unscharf begrenztes, multifokales, teils livide tingiertes Erythem, betont gluteal rechts, jedoch nicht streng einseitig
    2. Rima ani deutlich gerötet und mäßig mazeriert.
  • Welche Diagnose erlaubt der Befund?
    Atypische perianale Streptokokkendermatitis.
  • Welche Differenzialdiagnosen sind möglich?
    • Analekzem (atopisch, kontaktallergisch, kumulativ-toxisch, seborrhoisch)
    • Psoriasis inversa
    • Candidainfektion
    • Tinea corporis
    • Oxyuriasis
    • Baboon-Syndrom
    • Chronisch entzündliche Darmerkrankung
  • Erläuterung

    Die perianale Streptokokkendermatitis zeichnet sich durch eine eher diskrete perianale bis gluteale Rötung aus, welche mit subfebrilen Temperaturen, teils auch Juckreiz oder Defäkationsschmerz einhergehen kann. Entzündungswerte im Serum sind häufig, jedoch nicht immer, erhöht. Eine histologische Untersuchung ist meist eher unspezifisch. Wegweisend zur Diagnosestellung ist ein bakteriologischer Hautabstrich. Bei unserem Patienten ergab der perianale Abstrich reichlich Streptokokken der Gruppe B. Eine zuvor entnommene Hautbiopsie zeigte histologisch entzündliche Infiltrate im tiefen Corium und betont im septal angrenzenden subkutanen Fettgewebe.

    Die Erkrankung ist häufiger bei pädiatrischen Patienten zu finden, weshalb sich die Diagnosestellung im Erwachsenenalter oft lange verzögert. Bei unserem Patienten hatten im Vorfeld diverse Lokaltherapien keinen Erfolg. Erst unter systemischer Antibiose mit Penicillin 3 × täglich 1,5 Mega per os über 3 Wochen zeigte sich eine deutliche Besserung, jedoch keine vollständige Abheilung, sodass wir anschließend mit Clindamycin 3 × täglich 600 mg per os über 20 Tage behandelten. Ergänzend erfolgte eine konsequente antiseptisch-antientzündliche Lokaltherapie, worunter die glutealen Erytheme vollständig abheilten. Die Rötung der Rima ani mit angedeuteter Rhagade persistierte, sodass wir hier topisch zunächst mit Calcitriol-Salbe behandelten. Bei ausbleibender Besserung stellten wir auf Pimecrolimus-Creme um, worunter das Erythem deutlich abblasste. Der Patient blieb in der 6-monatigen Nachbeobachtungszeit beschwerdefrei.

Aus der Zeitschrift DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift 08/2017, 61-jähriger Patient mit rezidivierenden Rötungen am Gesäß: Scheiba, Nina; Durani, Benjamin; Hartschuh, Wolfgang
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