Mediquiz: 23-Jährige Frau mit schmerzhaften Rötungen an Unterschenkeln

Eine 23-jährige Frau hat seit 6 Wochen abdominelle Schmerzen und intermittierende, schmerzhafte Rötungen an beiden Unterschenkeln. Die körperliche Untersuchung ergibt eine druckschmerzhafte Resistenz im rechten Unterbauch. Bei der Inspektion der Beine zeigt sich folgend dargestellter pathologische Hautbefund.

  • Rötungen Unterschenkel

     
  • Bild Rötungen Mediquiz

     

Fragen

  • Welcher Befund ist es?
    1. Knötchenförmige Hautrötungen an beiden Unterschenkeln
  • Welche Verdachtsdiagnose erlauben der Befund und die Klinik?
    Erythema nodosum bei M. Crohn mit entzündlicher Aktivität
  • Welche Differenzialdiagnosen sind möglich?

    1, Sarkoidose, Löfgren-Syndrom

    2. Infektionen (Tuberkulose, Streptokokken, Yersinien, Chlamydien, Katzenkratzkrankheit, Toxoplasmose)

    3. Reaktion auf Arzneimittel (z. B. Sulfonamide, orale Kontrazeptiva)

    4. rheumatisches Fieber

    5. Morbus Behçet

  • Erklärung

    Hautveränderungen sind ein häufiger Befund bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Neben der Haut kann sich eine CED extraintestinal auch

    • okulär (Uveitis, Episkleritis, Skleritis),
    • muskuloskeletal (periphere Arthritis, axiale Arthropathien) und
    • hepatobiliär (primär sklerosierende Cholangitis, chronische Autoimmunhepatitis, Overlap-Syndrom).

    manifestieren. Das Pyoderma gangraenosum gehört ebenfalls zu den CED-assoziierten Hauterkrankungen.

    Bei einem Erytema nodosum ist das subkutane Fettgewebe unter Beteiligung der Kapillarwände akut entzündet. In der Folge bilden sich die charakteristischen schmerzhaften Knötchen. Typische Prädilektionsstellen sind

    • Unterschenkelstreckseiten,
    • Kniegelenke,
    • Sprunggelenke,
    • seltener auch Arme und Gesäß.

     

    Es handelt sich um eine allergische Überreaktion (Typ III) der Haut. Der Befund erlaubt eine Blickdiagnose. Das Erythem kann im Zusammenhang mit zahlreichen Grunderkrankungen auftreten [5]. Um bei einem klinischen Verdacht die Ursache einzugrenzen, können u. a. folgende Untersuchungen sinnvoll sein:

    • Stuhluntersuchung (Yersinien),
    • Rachenabstrich (Streptokokken),
    • Röntgen-Thorax (Sarkoidose, Tuberkulose)
    • endoskopische Untersuchungen (CED)


    Die Therapie besteht vor allem darin, die zugrundeliegende Erkrankung zu behandeln bzw. das auslösende Agens abzusetzen. Zur symptomatischen Therapie gehören

    • nicht-steroidalen Antiphlogistika (z. B. Indometacin, Acetylsalicylsäure) und
    • Kaliumjodid (lokal).

Aus der Zeitschrift: DMW 21/2015, 23-Jährige Frau mit schmerzhaften Rötungen an Unterschenkeln: Felber, Jörg; Weber, Marko; Schleenvoigt, Benjamin T.

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Quelle

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