• 17-jähriger Schüler mit Halslymphknotenschwellungen

     

17-jähriger Schüler mit Halslymphknotenschwellungen

Der 17-jährige Schüler erkrankte im Sommer mit Fieber, Halsschmerzen und zervikalen Lymphknotenschwellungen. Nach Therapie mit einem Breitbandantibiotikum besserten sich die Beschwerden nicht. Klinisch und sonografisch wurden einschmelzende Hals-Lymphknoten bis 3 cm vorgefunden. Umfangreiche Labortests blieben zunächst ergebnislos. Die Abbildung weist einen pathologischen Befund auf. 

  • Welcher Befund ist es?

    Zervikale Lymphadenopathie 

  • Erlaubt dieser Befund eine Diagnose? Wenn ja, welche?

    Die Abbildung und klinische Symptomatik lassen keine Diagnose zu. 

  • Sind Differenzialdiagnosen möglich? Wenn ja, welche?

    Sie führen zu folgenden Differenzialdiagnosen, insbesondere

    • Pfeiffersches Drüsenfieber
    • Lymphom
    • Tuberkulose
    • Bartonellose
    • Toxoplasmose

    Erläuterung

    Umfangreiche Labortests blieben zunächst ergebnislos, insbesondere Untersuchungen auf Epstein-Barr und HI-Virus. Gewebeproben wiesen eine einschmelzende nekrotisierende Entzündung auf, ohne Hinweise auf die wichtigsten Differenzialdiagnosen Lymphom und Tuberkulose. Die Suche nach der infektiösen Ursache ergab schließlich positive Befunde auf Francisella tularensis (PCR im Biopsat und Serologie) so dass die Diagnose einer Tularämie (Hasenpest) gestellt wurde.

    Die Tularämie (Hasenpest) ist eine seltene, häufig durch kleine säugende Wildtiere übertragene bakterielle Infektion mit unspezifischer Symptomatik, Fieber und Lymphadenopathie [1] [2]. Wir vermuten, dass unser Patient durch einen Vektor (Mücke, Bremse, Zecke) oder infizierte Flüssigkeit infiziert wurde, da ein direkter Tierkontakt nicht eruierbar war. Vor kurzem wurde über die Häufung einer oropharyngealen Tularämie berichtet, die durch den Verzehr von frisch gepresstem Traubenmost durch Erntehelfer in Rheinland-Pfalz entstand [3]. Diese Formen der Übertragung können Grund einer erheblichen Dunkelziffer sein. Daher ist bei unklarem fieberhaftem Krankheitsbild auch ohne typische Anamnese eine Tularämie differenzialdiagnostisch zu erwägen. Ciprofloxacin oral über 3 Wochen führte bei unserem Schüler zur Ausheilung.

    Literatur
    1 Maurin M, Gyuranecz M. Tularaemia: clinical aspects in Europe. Lancet Infect Dis 2016; 16: 113-124
    2 Faber M, Heuner K, Jacob D. et al. Tularemia in Germany-A Re-emerging Zoonosis. Front Cell Infect Microbiol 2018; 8: 40
    3 Burckhardt F, Hoffmann D, Jahn K. et al. Oropharyngeal Tularemia from Freshly Pressed Grape Must. N Engl J Med 2018; 379: 197-199

Aus der Zeitschriftm DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift  23/2018, 17-jähriger Schüler mit Halslymphknotenschwellungen

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Quelle

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