Mediquiz: Husten und Dyspnoe nach Grippeschutzimpfung

Einen Monat nach einer saisonalen Influenzaschutzimpfung entwickelt sich bei einem 60-jährigen Mann ein produktiver Husten. Innerhalb von 3 Monaten kommen Heiserkeit und eine zunehmende Dyspnoe hinzu. Verschiedene Antibiotika lindern die Beschwerden nicht. Eine Bronchoskopie ergibt eine leichtgradige, nicht-putride Bronchitits. Die bronchoalveoläre Lavage und die Laborparameter sind unauffällig. Im Sputum finden sich zudem keine säurefesten Stäbchen. Eine Röntgenaufnahme und eine CT des Thorax zeigen zwei pathologische Befunde:

  • Röntgen-Thorax (ap) (A), Thorax-CT (Lungenfenster, axiale Schnittführung) (B).

    Röntgen-Thorax (ap) (A), Thorax-CT (Lungenfenster, axiale Schnittführung) (B). Bild aus DMW Ausgabe 20/2015

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  • Welche Befunde sind es?
    1. disseminierte, konfluierende, noduläre Verdichtungen mit
    2. zentral lufthaltigen Arealen (Pseudokavitationen)
  • Erlauben die Befunde in Kombination mit der Klinik eine Verdachtsdiagnose?

    Ja, die Befunde erlauben Verdachtsdiagnosen.

  • Wenn ja, welche?
    1. septische Embolien
    2. Malignome (primär oder Metastasen)
  • Sind Differenzialdiagnosen möglich? Und wenn ja, welche?

    Ja, es gibt mögliche Differenzialdiagnosen:

    1. entzündliche Infiltrate (z. B. atypische Pneumonie, Tuberkulose)
    2. immunologische Veränderungen (z. B. Wegener’sche Granulomatose)
  • Erläuterungen und Erklärungen zum Fall

    Aufgrund der computertomografischen Veränderungen bei gleichzeitig nur milder Klinik waren septische Embolien oder ein malignes Geschehen die primären Verdachtsdiagnosen. Gegen entzündliche und immunologische Prozesse sprachen die klinischen und anamnestischen Angaben sowie die unauffälligen laborchemischen Infektparameter. Um die Diagnose zu sichern, wurde die rechte Lunge CT-gesteuert punktiert (nach befundloser Bronchoskopie). Die Histologie ergab ein hoch differenziertes muzinöses Adenokarzinom der Lunge. Im Anschluss wurde eine palliative Chemotherapie mit Cisplatin, Pemetrexed und Avastin begonnen.

    Das Adenokarzinom der Lunge gehört zur Gruppe der NSCLC („non-small-cell-lung-cancer“). Nach der neuen IASLC / ATS / ERS-Klassifikation aus dem Jahr 2011 werden pulmonale Adenokarzinome eingeteilt in

    • präinasive Läsionen,
    • minimalinvasive Adenokarzinome,
    • invasive Adenokarzinome und
    • Varianten des invasiven Adenokarzinoms.


    Das invasiv muzinöse Adenokarzinom gehört zur letztgenannten Gruppe. Da diese Tumoren häufig Kontakt zum Bronchialstamm haben, metastasieren sie oft auf bronchoaerogenem Weg. Dies ist im geschilderten Fallbericht bildmorphologisch gut nachvollziehbar. Die beschriebene Tumorentität ist mit einer schlechten Prognose verbunden. Sie wird oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert.

    Daher sollte auch bei primär unauffälliger Bronchoskopie und fehlenden Infektparametern ein muzinöses Adenokarzinom differenzialdiagnostisch abgeklärt werden. Hierzu kann eine frühzeitige, CT-gesteuerte Biopsie erwogen werden.

Aus der Zeitschrift DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift 20/2015; Mediquiz Fall 3185 - 60-jähriger Mann mit Husten und Dyspnoe nach Grippeschutzimpfung; Leonie Kramer, Kathrin Phiesel, Holger Strunk Prof. Dr. med.
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