Mediquiz: Schwindelattacken und Dyspnoe

Eine 43-jährige Frau leidet an Schwindelattacken und Dyspnoe. Sie berichtet, dass ihre körperliche Belastbarkeit seit 2 Wochen immer mehr abnimmt. In der Laborchemie fällt ein erhöhtes NT-proBNP auf (N-terminales Pro-brain-natriuretic-Protein; 668 ng / l [Referenzwert: < 120 ng / l]). Die Echokardiografie ergibt eine leicht eingeschränkte linksventrikuläre Pumpfunktion (Ejektionsfraktion 55 %). Das Ruhe-EKG und Herz-MRT zeigen 3 pathologische Befunde.
  • Mediquiz, Schwindelattacke und Dispnoe, Kardiale Sarkoidose, DMW, Innere Medizin, Georg Thieme Verlag

     
  • Welche Befunde sind es?
    1. AV-Block (Grad III) mit ventrikulärem Ersatzrhythmus
    2. entzündliches Myokardödem
    3. intramyokardiale granulomatöse Veränderungen (keinem Koronarversorgungsgebiet entsprechend)
  • Erlauben diese Befunde eine Diagnose?
    Kardiale Sarkoidose.
  • Sind Differenzialdiagnosen möglich? Wenn ja, welche?
    Andere strukturelle Herzerkrankungen.
  • Erläuterung

    Bei der Sarkoidose handelt es sich um eine granulomatöse Multisystemerkrankung. Bei mehr als 90 % der Patienten ist die Lunge beteiligt. Das Manifestationsalter liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr; Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Die Ätiopathogenese ist multifaktoriell und bis heute nur zum Teil verstanden.

    Bei 5–20 % der Fälle manifestiert sich die Erkrankung kardial. Obwohl die systemische Sarkoidose bei Japanern im Gegensatz zu Europäern eher selten auftritt (Inzidenz: 1–2 vs. 40 Patienten pro 100 000 / Jahr), ist das Herz bei Japanern überproportional häufig beteiligt.

    Bei der kardialen Sarkoidose können sich in sämtlichen Herzstrukturen Granulome bilden. Das linksventrikuläre Myokard und das Reizleitungssystem sind jedoch am häufigsten betroffen. Klinisch kann deshalb eine Herzinsuffizienz bzw. Herzrhythmusstörung oder ein plötzlicher Herztod imponieren. Eine AV-Blockade tritt bei 30–60 % aller Fälle auf.

    Zur bildgebenden Diagnostik im Rahmen der kardialen Sarkoidose zählt – neben der Echokardiografie und den nuklearmedizinischen Verfahren – insbesondere die kardiale Magnetresonanztomografie. Die Sensitivität beträgt dabei 76–100 %, die Spezifität 78–92 %.

    Bei der vorgestellten Patientin wurde eine Steroidtherapie eingeleitet. Darunter besserten sich die klinischen Symptome und der totale AV-Block ging in einen Sinusrhythmus über. Aus diesem Grund wurde davon abgesehen, einen Herzschrittmacher zu implantieren.

Aus der Zeitschrift DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift 06/2016; Mediquiz Fall 3195 - 43-jährige Frau mit Schwindelattacken und Dyspnoe; Guido Michels, Jonas Dörner, Dennis Mehrkens, David Maintz, Roman Pfister.
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