Metall-Stents – Welche Vorteile bringt die Beschichtung?

  • Metall Stent

     

Bei Patienten mit einem Pankreaskarzinom kommt es häufig zu einer distalen, malignen biliären Obstruktion. Mittels selbstexpandierender Stents ist es möglich, sowohl einer Obstruktion als auch der Gelbsucht entgegenzuwirken. Beschichtete Stents haben gegenüber unbeschichteten den Vorteil, dass sie ein Tumoreinwachsen verhindern, allerdings besitzen diese eine Tendenz zur Migration. M. Kitano et al. verglichen nun im Fall einer Pankreaskarzinom-bedingten biliären Obstruktion die Effektivität und Sicherheit von beschichteten vs. unbeschichteten Metall-Stents.
Am J Gastroenterol 2013; 108: 1713-1722

Die prospektive, randomisierte Studie aus Japan schloss 120 Patienten mit einem inoperablen Pankreaskarzinom ein, die zwischen April 2009 und Dezember 2010 aufgrund einer distalen biliären Obstruktion an 22 Studienzentren überwiesen wurden. Nach 1:1-Randomisierung erhielten die Patienten entweder einen silikonbeschichteten oder einen unbeschichteten Stent. Die verwendeten Stents wiesen eine relativ geringe Axialkraft sowie nicht beschichtete, geweitete Enden auf, um eine Migration zu verhindern. Primärer Endpunkt war die Dauer der Stent-Durchgängigkeit. Zudem verglichen die Autoren zwischen beiden Studiengruppen

  • die Überlebenszeit der Patienten
  • die Überlebenszeit ohne Stent-Dysfunktion (Zeit bis zur Dysfunktion bzw. bis zum Tod des Patienten),
  • die Ursachen einer Dysfunktion (Einwachsung, Überwucherung, Migration, Bildung von Sludge-Material) sowie das Auftreten schwerwiegender unerwünschter Ereignissen.

Das Durchschnittsalter der 54 männlichen und 66 weiblichen Studienteilnehmer betrug 69,6 Jahre (Spanne: 46–90 Jahre). Die Nachbeobachtung erstreckte sich im Median über 233 Tage (Spanne: 17–996 Tage). Zum Zeitpunkt der finalen Evaluierung waren 112 Patienten (93,3 %) gestorben, 56 in jeder Gruppe. In Bezug auf die Überlebenszeit zeigten beide Gruppen keine signifikanten Unterschiede (im Median 285 Tage bei den beschichteten Stents und 223 Tage bei den unbeschichteten; p = 0,68). Das Überleben ohne Stent-Dysfunktion war in der Gruppe der beschichteten Stents signifikant länger als bei den unbeschichteten (im Median 187 vs. 132 Tage; p = 0,043), und die Gruppe mit den beschichteten Stents wies eine signifikant längere Stent-Durchgängigkeit auf (im Durchschnitt 219,3 ± 159,1 vs. 166,9 ± 124,9 Tage; p = 0,047). Eine Re-Intervention war jeweils bei 23 und 37 % der Patienten nötig, da eine Stent-Dysfunktion vorlag (p = 0,08). Diese trat bei den beschichteten Stents aufgrund von Einwachsung, Überwucherung und Bildung von Sludge-Material bei jeweils 0 (0 %), 3 (5 %) und 11 (18 %) Patienten auf und bei jeweils 15 (25 %), 2 (3 %) und 6 (10 %) Patienten mit unbeschichteten Stents. In keiner der beiden Studiengruppen stellten die Autoren eine Stent-Migration fest. Die Raten an Überwucherung und Bildung von Sludge-Material waren in beiden Gruppen vergleichbar, während die Gruppe mit den beschichteten Stents eine signifikant geringere Einwuchs-Rate aufwies (p < 0,01). Beide Gruppen zeigten hinsichtlich der Inzidenz von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen keine signifikanten Unterschiede.

Fazit
Patienten, denen ein beschichteter oder unbeschichteter und selbstexpandierender Metall-Stent mit einem „Anti-Migrationssystem“ eingesetzt wurde, hatten eine vergleichbare Überlebenszeit. Allerdings ging der Einsatz von beschichteten Stents mit einer längeren Stent-Durchgängigkeit sowie einer geringeren Einwuchsrate einher. Eine Stent-Migration trat bei keiner der beiden Gruppen auf.

Quelle: Zeitschrift für Gastroenterologie 03/2014; Dr. Frank Lichert, Weilburg

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