• Masern bei Erwachsenen

     

Modellierung der Effektivität von Infektionsschutzmaßnahmen zur Elimination der Masern unter besonderer Berücksichtigung der nach 1970 geborenen Erwachsenen

Bezogen auf den „Nationalen Aktionsplan“ zur Umsetzung des WHO-Ziels einer Masernelimination bestehen erhebliche Herausforderungen bei Erwachsenen und beim Ausbruchsmanagement.

Masern haben aufgrund ihrer hohen Übertragbarkeit und der erhöhten Wahrscheinlichkeit schwerwiegender Verläufe im Säuglings- und Erwachsenenalter hohe Public Health-Relevanz. Sie gelten als eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten und sind einer der wesentlichen Gründe für eine hohe Kindersterblichkeit in vielen Regionen der Welt. Die WHO geht für das Jahr 2016 von weltweit 89 780 masernbedingten Todesfällen aus. Therapieansätze sind ausschließlich symptomatisch, eine Infektion hinterlässt eine lebenslange Immunität. Bei der seit Anfang der 1960er Jahre erhältlichen Schutzimpfung handelt es sich um eine attenuierte, sehr effektive Lebendimpfung. Die höchsten Inzidenzen der Masernerkrankungen sind bei 0 und 1-jährigen Kindern zu beobachten, welche noch keinen Immunschutz besitzen.

Um Masernausbrüche zu verhindern und einen kollektiven Gesundheitsschutz für die Bevölkerung zu erreichen, ist eine ausreichend hohe Impfquote in der Bevölkerung notwendig. Diese sog. „Herdenimmunität“ schützt gleichzeitig aus medizinischen Gründen nicht geimpfte Personen und Säuglinge. Sie ist Grundlage der weltweiten Bemühungen zur Masernelimination bzw. -eradikation. Aufgrund der hohen Basisreproduktionszahl von Masern mit 12–18 Sekundärinfektionen resultiert eine notwendige minimale Immunisierungsquote von 91,7–94,4% der Gesamtbevölkerung, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Seitens der WHO wird daher eine Quote von mindestens 95% zweifach geimpfter Personen angestrebt.

Deutschland verfolgt im Rahmen der WHO-Ziele eine Masernelimination und hat diese Ziele auf nationaler Ebene im „Nationalen Impfplan“ 2011 und ab 2015 im „Nationalen Aktionsplan“ aufgegriffen und Eckpunkte gesetzt sowie Maßnahmen genannt, welche auf Länderebene umgesetzt werden sollen.

Bisher wurden diese Ziele in Deutschland nur z. T. erreicht. Bezogen auf die Zielgruppe der Kinder wurden gute Fortschritte erzielt: Die bei den Schuleingangsuntersuchungen erhobenen Impfquoten stiegen von 90% für die erste und 14% für die zweite Impfung im Jahre 1998 auf 96,8 bzw. 92,8% in 2015 und stagnieren damit erstmals. Erhebliche Herausforderungen bestehen jedoch bei der Zielgruppe Erwachsener und beim Ausbruchsmanagement. Anders als bei Kindern und Jugendlichen liegen bisher nur wenige Untersuchungen zur Durchimpfungsquote (Impfstatus) bzw. zur seroepidemiologisch abgesicherten Suszeptibilität vor. Eine nochmalige Verschärfung dieser unbefriedigenden Situation stellt die Zuwanderung von Asylsuchenden sowie die Zuwanderung von Spätaussiedlern dar. Dabei handelt es sich nach soziokulturellen Schichtungsmerkmalen (Migrationshintergrund) um sehr heterogene Bevölkerungsgruppen.

Damit ergibt sich eine Herausforderung von besonderer Public Health-Relevanz: Den relativen Wissensdefiziten über den Immunitäts- bzw. Suszeptibilitätsstatus gegenüber Masern in der Bevölkerungsgruppe der jungen Erwachsenen steht ein erhöhtes Komplikationsrisiko für den Fall einer Masernerkrankung gegenüber. Da dieses erhöhte Komplikationsrisiko im Erkrankungsfall durch die Verschiebung des Erkrankungsalters in das Erwachsenenalter durch die Impfempfehlungen und Programme mit bedingt ist, sind Rückschläge in Bezug auf dieses Impfprogramm möglich. Eine besondere Berücksichtigung auch dieser Zielgruppe im Rahmen der laufenden Aktivitäten ist daher dringend geboten.

Die vorliegende Arbeit will einen Beitrag zur Masernelimination in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung dieser für das Ziel des Nationalen Aktionsplans relevanten Zielbevölkerung liefern. Des weiteren sollen Handlungsempfehlungen zur Verhinderung und Eindämmung von Epidemien bzw. Ausbrüchen aufgezeigt werden. Dazu erfolgt in einem ersten Schritt eine Abschätzung der Suszeptibilität für Masernerkrankungen der Ziel-Bevölkerungsgruppe der jungen Erwachsenen und weiterer potentiell vulnerabler Gruppen. Mögliche Einflussfaktoren und Maßnahmen zur Verhinderung von Neuinfektionen werden in einem zweiten Schritt anhand einer systematischen Literaturübersicht aufgezeigt und mittels einer Modellierung zur Darstellung des Einflusses der verschiedenen infektionsepidemiologischen Parameter bewertet. Abschließend werden Handlungsempfehlungen diskutiert.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Modellierung der Effektivität von Infektionsschutzmaßnahmen zur Elimination der Masern

aus der Zeitschrift: Gesundheitswesen

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